Der Fall wird am Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen verhandelt.
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Der Fall wird am Amtsgericht in Garmisch-Partenkirchen verhandelt.

Verhandlung am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen

Mit geklauter EC-Karte Geld abgehoben: Murnauer (39) zu einem Jahr und vier Monaten Freiheitsstrafe verurteilt

Ein 39-jähriger Murnauer ist zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden. Die Gründe sind Diebstahl und Computerbetrug.

  • Ein Murnauer (39) ist am Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt worden.
  • Der Mann hatte im Dauerrausch mit einer gestohlenen EC-Karte Geld abgehoben.
  • Der Beschuldigte wird in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Garmisch-Partenkirchen – Es war der Moment in der Hauptverhandlung, in dem die Beteiligten einen Eindruck davon erhielten, wie sich der Angeklagte vorgekommen ist, als er im Drogenrausch seine Betrügereien durchgezogen hat. „Es ist ein Gefühl wie in Watte gepackt. Ich habe keine Ängste, die Hemmschwelle fällt, bin voller Selbstbewusstsein.“ Der 39-jährige Murnauer hatte innerhalb von vier Wochen im September und Oktober 2019 mit der geklauten EC-Karte eines Bekannten gut 1500 Euro abgehoben. Weil er unter offener Bewährung stand und vielfach vorbestraft ist, verurteilte ihn Richter Andreas Pfisterer vor dem Amtsgericht wegen Diebstahls und Computerbetrugs zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Der Beschuldigte wird in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Methadon als Ersatz

„Für eine Bewährung sehe ich keine Möglichkeit“, bedauerte der Vorsitzende. Dabei habe der Angeklagte auf ihn einen „durchaus aufgeräumten Eindruck gemacht heute“. Pfisterer sah wohl, dass der Murnauer bereit ist, seine Drogenproblematik anzugehen, seit einem halben Jahr nurmehr Methadon als Ersatz nimmt und dieses stetig reduziert. Doch die Skepsis überwog beim Amtsrichter. „Ich stelle ihm keine günstige Sozialprognose.“ Ausschlaggebend dafür: die wiederholte Rückfälligkeit und die „grundlegende, tiefsitzende Betäubungsmittelabhängigkeit“.

In sieben Fällen Geld abgehoben

Nach einem mehrjährigen Aufenthalt im Ausland kehrte der Murnauer im Januar 2019 in seine Heimat zurück, wohnte bei seiner Mutter. Im September bekam er zufällig mit, dass ein Nachbar für mehrere Wochen verreiste. „Ich wusste, dass meine Mutter seinen Schlüssel hatte.“ Er sei zu dieser Zeit „durchgehend dicht“ gewesen, nahm Benzodiazepine, dazu kam ärztlich verordnetes Methadon, verriet der 39-Jährige. Er habe den Drang verspürt, „etwas Illegales“ zu machen, nahm den Ersatzschlüssel. „Ich bin im Rausch reingegangen, habe die Schränke durchwühlt.“ Er fand schließlich 4000 tschechische Kronen – das entspricht etwa 160 Euro – und nahm auch die EC-Karte mit der daneben liegenden PIN mit. In den Wochen danach hob er mit dieser Karte bei verschiedenen Geldinstituten in Murnau und München in sieben Fällen niedrige dreistellige Geldbeträge ab. Inzwischen hat der Angeklagte dem Nachbarn die Summe wieder zurückbezahlt.

Mi 14 Heroin genommen

Ein Gutachter bestätigte dem Gericht, dass der 39-Jährige auch in Zukunft durch Betäubungsmittel gefährdet sei. Der Psychotherapeut blickte auf das Leben des Murnauers zurück. Mit 13 trat dieser mit Cannabis in Kontakt, mit 14 nahm er dann erstmals Heroin. „Ab dem 20. Lebensjahr wurde der Drogenkonsum schlimmer, führte zum Kontrollverlust“, fuhr der Sachverständige fort. Der Angeklagte sei inzwischen „vielfach entgiftet“ worden. Die Schuldfähigkeit sah der Gutachter als gegeben an, denn er könne eine Persönlichkeitsstörung oder eine Schizophrenie ausschließen. „Er wirkt verzweifelt, aber die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist gegeben“, sagte der Experte.

Mehrere Vorstrafen

Auf einem guten Weg sah Verteidiger Michael Röhrig seinen Mandanten. „Er hat das Gefühl, dass er auftaucht aus seiner Benebelung“, schilderte der Rechtsanwalt die emotionale Lage des Angeklagten und forderte eine ambulante Therapie mit konsequenter Überwachung des Beschuldigten. Rechtsreferendarin Liv Perkhoff auf Seiten der Staatsanwaltschaft sah die „Menge an Vorstrafen“ und den engen räumlichen Zusammenhang der Straftaten. Sie hielt ein Jahr und sieben Monate Freiheitsstrafe angemessen.

„Im Dauerrausch“

Pfisterer blieb im Urteil nur knapp darunter. Zwar hielt er dem Murnauer zugute, dass er alle Geldabhebungen einräumte und zum Tatzeitpunkt „im Dauerrausch“ war. Doch er sei immer wieder rückfällig geworden, wenn er auf dem Weg der Besserung schien. Pfisterer wünschte dem Beschuldigten, dass er die Problematik nachhaltig in den Griff bekommt. Der Mann nahm das Urteil gefasst auf.

Alexander Kraus

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