Bei Stark- und Dauerregen häufig überschwemmt und gesperrt ist die Staatsstraße 2062 zwischen Murnau-Achrain und Schwaiganger.
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Bei Stark- und Dauerregen häufig überschwemmt und gesperrt ist die Staatsstraße 2062 zwischen Murnau-Achrain und Schwaiganger.

Bürgermeister üben Kritik

Hochwasserfreilegung bei Murnau: Ein Marathon ohne Zielsprint

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Die Hochwasserfreilegung zwischen Murnau-Achrain und Schwaiganger befindet sich im Dornröschenschlaf. Nichts tut sich. Jetzt gehen die Bürgermeister von Murnau und Ohlstadt in die Offensive. Sie üben Kritik an der Staatsregierung und erinnern sie an ihr Versprechen aus dem Jahr 2013.

Murnau/Ohlstadt – Rolf Beuting und Christian Scheuerer achten penibel darauf, politisch korrekte Aussagen zu treffen und kleiden sie in schöne Wortgirlanden, um ja nicht den Eindruck zu erwecken oder in den Verdacht zu geraten, als seien sie verärgert – oder noch schlimmer: extrem angefressen. Es gelingt den Bürgermeistern von Murnau und Ohlstadt nicht ganz, die Emotionen zu verbergen. Der Unterton macht’s. Auf einer Skala, mit der sich die Frustration messen lässt, bewegen sich beide fast ganz oben. Auslöser ihrer Verdrossenheit und ihres Missmuts: Bei der Hochwasserfreilegung der Staatsstraße 2062 zwischen Murnau-Achrain und Schwaiganger tut sich nach ihrem Empfinden wenig bis nichts. „Die ganze Sache entwickelt sich immer mehr zum Dauerlauf“, sagt Beuting (ÖDP/Bürgerforum). „Das ist nicht akzeptabel.“ Scheuerer (parteifrei) versucht, im Bild zu bleiben. „Aus einer Joggingstrecke ist ein Marathon geworden. Das macht uns unruhig.“ Scheuerer hat medienwirksam zur Pressekonferenz im Murnauer Rathaus einen Staffelstab mitgebracht, den er und Beuting an das Staatliche Bauamt weiterreichen wollen. Sollte das nichts nutzen, sollen andere Kaliber zum Einsatz kommen. „Der Baseball-Schläger steht schon im Schrank“, witzelt Beuting.

Das Projekt Hochwasserfreilegung ist Beuting und Scheuerer eine Herzensangelegenheit, weil extrem wichtige für beide Kommunen: Damit kann die Anbindung von Murnau, insbesondere an die A 95, bei Hochwasser gesichert werden. Für Beuting auch ein „Thema der öffentlichen Sicherheit. Für unsere Feuerwehr ist die Staatsstraße ein zentraler Zubringer, wenn sie zu Einsätzen auf der Autobahn, die zunehmen, gerufen wird“. Auch Scheuerer betont die Wichtigkeit des Teilstücks, das bei Stark- oder Dauerregen schnell überflutet wird und deshalb für den Verkehr gesperrt werden muss. „Sie ist für uns eine extrem wichtige Verbindung. Unheimlich viele Ohlstädter pendeln in diese Richtung.“

Staffelstab übergeben: die Bürgermeister Christian Scheuerer (Ohlstadt, l.) und Rolf Beuting (Murnau).

Damit freie Fahrt selbst bei Unwetter herrscht, soll die Route auf einer Länge von 720 Metern um bis zu 2,75 Metern angehoben werden. Zudem sind 20 Durchlässe vorgesehen. Die Zahlen harren der Umsetzung. Dabei haben beide Gemeinden ihre Hausaufgaben gemacht und das realisiert, was Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) 2013 bei einem Termin in München von den damaligen Rathaus-Spitzen als Vorleistung gefordert hatte, damit der Freistaat zwischen Achrain und Schwaiganger aktiv werden kann. Der Radweg – Kostenpunkt mehr als eine Million Euro –, den Herrmann zur Bedingung machte, ist fertiggestellt. Beide Orte wurden mit 188 809 Euro, die Summe nennt Scheuerer wie aus der Pistole geschossen, zur Kasse gebeten. „Für uns viel Geld“, sagt Ohlstadts Rathauschef.

Warum die Bagger immer noch nicht aufgefahren sind, dafür präsentieren Beuting und Scheuerer eine für sie schlüssige Vermutung: die zahlreichen Tunnelbauten zwischen Eschenlohe und Garmisch-Partenkirchen. „Wir lesen immer von Auerberg-, Kramer- und jetzt auch noch Wanktunnel sowie der Oberauer Umfahrung. Von uns hören wir nichts“, sagt Scheuerer.

Diesen Eindruck wollen Beuting und Scheuerer nicht als Kritik am Staatlichen Bauamt verstanden wissen, bei dem man Beuting zufolge immer wieder mal zum Stand der Dinge nachgefragt hat. Zuletzt aber immer seltener: „Wir sind keine Bittsteller.“ Nach seiner Meinung sind die Kapazitäten der Behörde mit Sitz in Weilheim durch die Tunnel, die er „teilweise politisch motiviert“ nennt, ausgereizt. Trotzdem nimmt Beuting das Amt in die Pflicht. „Jetzt sind wir dran.“

Es scheint sich etwas zu tun. Auf Tagblatt-Anfrage teilt Nadine Heiß mit, dass es mit der Fertigstellung des Planfeststellungsverfahrens nicht mehr lange dauert. „Das Projekt ist extrem wichtig, da die Straße regelmäßig überschwemmt wird“, sagt die Abteilungsleiterin. Der Erörterungstermin mit der Regierung von Oberbayern ist wohl für Ende Juli geplant. Sollte gegen den Beschluss nicht geklagt und die Finanzmittel, Heiß nennt 7,5 Millionen Euro, freigegeben werden, ist es möglich, dass die ersten Vorarbeiten noch heuer beginnen. Dem könnte der Naturschutz entgegenstehen. Wegen der Haselmaus, die in dem Gebiet lebt, müssen die Rodungen bis Oktober abgeschlossen sein. „Danach geht nichts mehr“, sagt Heiß. „Alles würde sich um ein Jahr verschieben.“ Auf den Zielsprint nach dem Marathon sind Beuting und Scheuerer dann wohl gezwungen, noch etwas länger zu warten.

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