Handel und Gewerbe in Murnau - hier die Fußgängerzone.
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Soll gestärkt werden: Handel und Gewerbe in Murnau - hier die Fußgängerzone.

Profit für alle Branchen vorgesehen

Marktgutschein soll Murnaus Gewerbe stärken

Die Corona-Pandemie bleibt auch politisch in Murnau ein dominierendes Thema. Um dem örtlichen Gewerbe unter die Arme zu greifen, denkt die Gemeinde über die Einführung eines digitalen „Marktgutscheins“ nach. Die Maßnahmen zur Abfederung des Lockdowns sollen verlängert werden.

  • Die Gemeinde Murnau denkt, um dem örtlichen Gewerbe unter die Arme zu greifen, über die Einführung eines digitalen „Marktgutscheins“ nach.
  • Der Hauptausschuss zeigt sich von der Idee grundsätzlich angetan.
  • Der Marktgemeinderat Murnau wird sich am Donnerstag mit dem Vorstoß befassen.

Murnau – In Corona-Zeiten greifen viele Städte und Gemeinden zu ungewöhnlichen Instrumenten, um den örtlichen Handel, dem zusehends die Einnahmen wegbrechen, zu stärken. So hat etwa die schwäbische Stadt Günzburg ein digitales Gutscheinsystem entwickelt, das Berichten zufolge von Erfolg gekrönt sein soll. Der Markt Murnau will daran anknüpfen: In der Sitzung des Hauptverwaltungsausschusses empfahl das Gremium, einen „Marktgutschein“ einzuführen und jetzt bei diversen Anbietern entsprechende Angebote einzuholen. Dabei will man sich am Erfolgsmodell Günzburg orientieren.

Marktgutschein: Nicht nur einzelne Betriebe, sondern alle sollen profitieren

Die Idee dahinter: Nicht nur einzelne Geschäfte, Betriebe oder Dienstleister in Murnau sollen davon profitieren, sondern es soll sich um einen „Gutschein für alles“ handeln, wie der Stellvertretende Kämmerer Josef Brückner ausführte. Während des ersten Lockdowns im März habe sich gezeigt, „dass viele Gemeindebürger mit den Gewerbetreibenden Solidarität zeigten“. Es sei aber immer nur ganz bestimmten Branchen geholfen worden – eben jenen Betrieben, die solche Gutscheine anboten. „Ein vom Geschäft unabhängiges System ist vielfältig einsetzbar und einfach zu handhaben“, hielt Brückner fest. Die Wertschöpfung komme so dem ganzen Ort zugute. Voraussetzung allerdings sei, dass möglichst viele Sparten mitmachten. Einzelhandel, Hotellerie, Gastronomie, Handwerk: „Je mehr es sind, desto besser.“

Vize-Kämmerer favorisiert einen digitalen Gutschein

Brückner favorisiert einen digitalen Gutschein. Papier – die analoge Variante – hätte zwar den Vorteil, dass es ohne größeren finanziellen Aufwand hergestellt werden könne, es sei jedoch fälschungsanfällig. „Außerdem ist die Ausstellung sehr aufwändig, und es müsste sich um feste Wertgutscheine handeln, die dann immer in vollem Umfang eingelöst werden“, sagte der Vize-Kämmerer. Besser sei ein System in digitaler Form. Und das funktioniert so: Die Gutscheine werden von einem Dienstleister verwaltet, in Form von Karten – ähnlich einer Kreditkarte – ausgegeben und mit einer einmaligen Nummer versehen. In den jeweiligen Geschäften können diese dann eingelöst beziehungsweise – sofern gewünscht – gekauft und wieder aufgeladen werden. Die Steuerung erfolgt über eine App oder eine Internetseite. Die Besitzer einer solchen Karte sollen jederzeit wichtige Informationen einsehen können, etwa den aktuellen Wert, welcher Betrag noch für den Einkauf zur Verfügung steht oder wie die Karte wieder aufgeladen werden kann. Dafür gibt es eine Onlineplattform. „Der Vorteil dieses Systems ist, dass es flexibel einsetzbar ist“, bilanzierte Brückner. Es lasse zudem Teilauszahlungen zu.

Digitaler Marktgutschein: Lokalpolitiker zeigen sich angetan, äußern aber auch Bedenken

Grundsätzlich gefiel den Lokalpolitikern dieser Vorstoß. „Das ist absolut zu begrüßen“, sagte Phillip Zoepf (Mehr Bewegen). Es müsse jedoch gewährleistet sein, dass dieser Gutschein „nicht in Richtung Kreditkarte geht“, die anonym und vielfältig einsetzbar sei. Die gleichen Bedenken äußerte Rudi Utzschneider (CSU), den ein wenig die Sorge umtrieb, dass die Karte dazu missbraucht werden könne, „um damit seine Stromschulden zu bezahlen“. Bezug müsse eindeutig der örtliche Handel sein. „Es ist die Aufgabe, das so festzulegen.“ Brücker sprach von einem „fortlaufenden Prozess“, bei dem es keine „Denkverbote“ gebe. Er sei aber optimistisch, dass das gelinge. Auch die Gemeinde lasse sich einbinden: Denkbar sei, dass der Markt Murnau alle Geschenke und Preisgelder in Form solcher Gutscheine ausgebe. Entscheiden muss der Gemeinderat in der Sitzung am Donnerstag, 10. Dezember.

Unabhängig davon hat der Ausschuss beschlossen, die Maßnahmen, die seit Ausbruch der Pandemie greifen, vorläufig bis Juni 2021 zu verlängern. Bei der anhaltend schwierigen Situation gebe es „Erleichterungen, die die Bürger bei der Marktkasse beantragen können“, sagte Brückner. Die Hilfe in Anspruch nehmen können unter anderem Vereine und Verbände. Zinslose Stundungen von Steuern, Beiträgen und Gebühren gehören ebenfalls dazu.

Rafael Sala

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