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Mögliches Vorbild: die Online-Plattform der Stadt Günzburg.

Der Einzelhandel soll gestärkt werden 

„Mehr bewegen“:  Eigener Online-Marktplatz für Murnau

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Wie kann sich Murnaus Einzelhandel gegen Amazon, Zalando & Co. behaupten? Die „Mehr bewegen“-Fraktion schlägt vor, eine eigene Online-Plattform zu schaffen. Als mögliches Vorbild könnte das Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt“ dienen, das beispielsweise in Günzburg umgesetzt wurde.

Murnau – Belastbare Geschäftszahlen über Murnaus Einzelhandel liegen zwar nicht vor. Aber die Klagen sind nicht zu überhören, dass der Wettbewerb mit den Online-Riesen immer härter wird. Für Phillip Zoepf, Fraktionschef von „Mehr bewegen“, steht daher fest: „Wir müssen ein regionales Gegengewicht schaffen.“ Das heißt: einen Murnauer Online-Shop. „Ich bin überzeugt, dass das funktioniert“, erklärt der Kommunalpolitiker, der das Thema in der vergangenen Gemeinderatssitzung im Rahmen seiner Haushaltsrede aufgriff.

„Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten“, betont Zoepf. „Nichts zu tun, ist nicht die Lösung.“ Als Beispiel nennt er das vom Freistaat geförderte Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt“, an dem sich etwa die schwäbische Stadt Günzburg (rund 20 000 Einwohner) beteiligt. Dort können die Kunden die angebotenen Waren online bestellen, sich diese liefern lassen oder selbst abholen. Ziel ist es, die Kaufkraft im Ort zu binden – und Lust auf einen Einkaufsbummel zu machen.

Zoepf nahm bereits Kontakt mit dem Murnauer Wirtschaftsförderverein auf – und rennt dort offene Türen ein. Der neue Vorsitzende der Interessenvertretung der Gewerbetreibenden, Guntram Gattner, ist von der Idee überzeugt: „Ich glaube, das würde ankommen.“ Allerdings können die Ladeninhaber nach Ansicht des Buchhändlers und Ex-Gemeinderats solch ein Mammutvorhaben nicht alleine schultern, sondern bräuchten Unterstützung von der Gemeinde. Auch Zoepf kann sich eine kommunale Starthilfe etwa in Form eines professionell erstellten Konzepts vorstellen. „Es braucht Fachleute, die wissen, wie man sowas aufgleist.“ Das eigentliche Unternehmen müssten allerdings die Geschäftsleute selbst in die Hand nehmen. Einfach dürfte das Ganze nicht werden. Es ist anspruchsvoll und sicherlich nicht billig, ein gut funktionierendes Online-Geschäft mit mehreren Beteiligten zu betreiben. Die Herausforderungen haben es in sich: Das fängt bei der Produktfotografie und logistischen Fragen an und hört bei der Zahlungsabwicklung auf.

De Komplexität dürfe nicht unterschätzt werden, mahnt Jan-Ulrich Bittlinger, Wirtschaftsförderer der Marktgemeinde. „Dennoch finde ich, dass es sich lohnt, dieses Thema gemeinsam anzugehen.“ Denn solch eine Online-Initiative biete Chancen für den Einzelhandel. Jetzt in der ersten Jahreshälfte will Bittlinger das „Wirtschaftsforum Murnau“ ins Leben rufen – ein Netzwerk für Unternehmer. Dabei soll auch das Thema „Digitale Einkaufsstadt“ eine wichtige Rolle spielen. Nach Ansicht Bittlingers muss die Digitalisierung in allen Branchen ganz oben auf der Agenda stehen.

In Günzburg ist man bereits einen Schritt weiter. Vor eineinhalb Jahren haben dort die Stadt und der Verein „Cityinitiative Günzburg“ einen Online-Marktplatz für Handel, Gatronomie und Dienstleistung (www.wir-in-guenz burg.de) gestartet. Mittlerweile bieten dort laut der stellvertretenden Cityinitiative-Vorsitzenden und SPD-Stadträtin Ursula Seitz etwa 40 bis 50 lokale Geschäftsleute ihre Waren an. Das Angebot reicht von Bekleidung bis hin zu Sportartikeln. „Das funktioniert gut“, bilanziert Seitz. Allerdings: „Es ist ein harter Kampf, gegen die großen Anbieter bestehen zu müssen.“ Es stecke viel Arbeit und Geld in dem Projekt. „Es trägt sich. Aber in Reichtum baden wir nicht.“ Ihrer Ansicht nach muss das Angebot noch größer werden.

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