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Kein Einzelfall im Markt: ein Räumungsverkauf, hier im Schreibwarenladen Wiesendanger. 

Mehrere Geschäftsaufgaben im Ortszentrum

Murnauer Einzelhandel unter Druck

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Murnaus Wirtschaftswelt ist verunsichert. Der Grund: Im Ortszentrum häufen sich Geschäftsaufgaben. Nur ein Zufall? Oder steckt der heimische Einzelhandel in der Krise? Jedenfalls wird jetzt eine bessere Vermarktung der Gemeinde als attraktiver Einkaufsort angestrebt.

Murnau – Entwicklungen im Murnauer Einzelhandel richtig zu deuten, ist schwierig. Denn es ist nicht ungewöhnlich, dass sich das Angebot immer wieder verändert. Doch derzeit ist im Markt gleich eine ganze Reihe an Laden-Schließungen zu beobachten. Darunter befinden sich auch Traditionsgeschäfte. Die Gründe sind zwar sehr unterschiedlich. Doch eine Klage ist immer wieder zu hören: Es kämen weniger Leute und damit potentielle Kunden in Murnaus „gute Stube“.

Eine der alteingesessenen Firmen ist das Fotolabor von Max Stoess in der Fußgängerzone. Die Wurzeln des Familienbetriebs gehen in die 1920er Jahre zurück. Doch Ende Februar ist Schluss, der Inhaber wirft hin. Er will dann von Zuhause aus mit anderen Schwerpunkten weitermachen. Stoess ist Opfer der Digitalisierung. Denn klassische Fotoabzüge sind ihm zufolge immer weniger gefragt. „Das ist am Aussterben. Ich wollte rechtzeitig aussteigen“, sagt er. Die Leute fotografierten mittlerweile vor allem mit dem Handy und verschickten dann die Aufnahmen nur noch per Nachrichten-Apps. Außerdem, so Stoess weiter, sei es ein „großer Fehler“ der Ortspolitik gewesen, im Außenbereich die beiden Supermarkt-Zentren anzusiedeln. Dadurch werde Frequenz aus dem Markt abgezogen.

Ähnlich sieht es Irene Wiesendanger. „Man merkt schon, dass es ruhiger geworden ist“, meint die langjährige Schreibwarenhändlerin im Obermarkt. Ihrer Ansicht nach bekommen die kleinen Läden vor allem Aldi und Edeka im Kemmelpark als Konkurrenz zu spüren. Sie höre aber aus Altersgründen auf, betont Wiesendanger, und gehe in den Ruhestand. Derzeit läuft der Räumungsverkauf.

Den Schlussstrich gezogen hat Christian Patrzek bereits im Dezember. 18 Jahre lang war er der Chef von „Eisenwaren Paul“ in der Bahnhofstraße, verkaufte etwa Grills oder Schlitten. Doch dann zog er die Reißleine. Die Umsätze waren zuletzt von Jahr zu Jahr weniger geworden. Für Patrzek steht der Hauptschuldige fest: der Online-Handel. Gegen die „Internet-Preise“ hätten die kleinen Geschäftsleute „keine Chance“. Patrzek, der in die Gastronomie wechselte, ist überzeugt: „Von dieser Entwicklung bleibt auch Murnau nicht verschont.“ Seine Prognose ist ausgesprochen düster: „Es werden nur die überleben, die keine Miete bezahlen müssen.“

Frustriert klingt Margot Mittermeier, die im Untermarkt Wohnaccessoires verkauft („Wohnen mit Keramik“). Auch sie gibt auf. „Die Umsätze sind kritisch geworden“, räumt sie ein – und macht ein Bündel an Ursachen für die Misere verantwortlich. Dazu zählt ihrer Ansicht nach die Verkehrssituation mit den vielen Baustellen. Das schrecke Besucher eher ab. „Der Untermarkt ist tot“, meint Mittermeier, die es beruflich nach München zieht.

Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger hat die Geschäftsaufgaben auf dem Schirm. Er will jedoch nicht von einem Laden-Sterben sprechen. Aber: „Wir müssen gewarnt sein.“ Der Fachmann aus dem Rathaus macht sich stark für eine Offensive: „Wir müssen das Einkaufen zu einem Erlebnis machen und Murnau als Einkaufsstadt besser vermarkten.“ Es gehe darum, Publikum aus der Region und München anzulocken. Im Wirtschaftsförderverein – Bittlinger ist dessen Zweiter Vorsitzender – sei man dabei, sich Aktionen zu überlegen. Im Gespräch sei, von April bis Oktober jeden Samstag einen zusätzlichen Markt in der Fußgängerzone auf die Beine zu stellen. Bittlinger ist optimistisch, sieht Chancen: Murnau verfüge über viele attraktive und individuelle Boutique-Läden. Mit diesem Pfund sollte man wuchern.

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