+
Allein vor dem Fernseher: Der „Bürgertisch“ soll unter anderem Senioren aus der Isolation befreien.

Neues Projekt soll Menschen aus ihrer Isolation befreien

Aus der Einsamkeit an den „Bürgertisch“

  • schließen

Viele Murnauer leben sozial isoliert: Senioren, Singles, Alleinerziehende. Ein neues Projekt des Mehrgenerationenhauses soll ihnen aus der Einsamkeit helfen – an den „Bürgertisch“, zu einem Essen in Gaststätten und vor allem: in Gesellschaft.

Murnau– Dieses Schicksal teilen viele Menschen: Sie führen ein zurückgezogenes Leben, häufig zwar ohne Geldsorgen, aber auch ohne Kontakte, Freunde oder Angehörige. „Das ist ein großes Thema in Murnau“, sagt Ursula Lampl, Leiterin des Caritas-Mehrgenerationenhauses (MGH) im Kemmelpark. Zahlreiche Zugezogene wählen wegen der schönen Gegend den Ort als Altersruhesitz aus, lassen sich mit dem Partner nieder – und sind plötzlich ganz auf sich gestellt, wenn dieser stirbt. Andere sind alleinerziehend und fast ohne soziales Umfeld, manchen fehlt schlicht das Geld, um ein Theater oder eine Gaststätte zu besuchen. An diese Menschen im sozialen Abseits richtet das MGH, das sich als Ort der Begegnung für alle Generationen, Schichten und Nationalitäten versteht, viele seiner großteils kostenlosen Angebote, um ihnen „gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“, sagt Lampl.

Darauf zielt auch ein neues MGH-Projekt ab, das es in ähnlicher Form bereits in Bad Bayersoien und Garmisch-Partenkirchen gibt: der „Bürgertisch“ mit günstigem Mittagessen. Immer am dritten Mittwoch des Monats bietet künftig ein Wirt allen Murnauern eine Mahlzeit samt alkoholfreiem Getränk für sieben Euro an. Die Gäste haben die Wahl zwischen einem Fleisch- und einem vegetarischen Gericht. Wer einen Freizeitpass vorlegt, den Caritas oder Murnauer Sozialamt etwa an Menschen mit Grundsicherung oder Geringverdiener ausgeben, zahlt nur drei Euro. Die Differenz (vier Euro) trägt in den ersten drei Monaten der MGH-Förderverein. Und danach? „Da sind wir für jede Spende dankbar“, sagt Lampl.

Sie „hofft und plant“, dass der „Bürgertisch“ zu einer festen Einrichtung wird – auch, weil sie von seiner Notwendigkeit überzeugt ist. Lampl sieht immer wieder die Schicksale Betroffener, die „die ganze Woche allein zu Hause sitzen und dankbar sind, in Gesellschaft ein warmes Essen zu sich nehmen zu können“. Und sich eben einmal nicht nur ein Brot schmieren wie sonst – weil, so die häufige Meinung, sich die Kocherei für einen allein kaum lohnt. Der finanzielle Aspekt wird beim „Bürgertisch“ berücksichtigt, steht aber nicht im Vordergrund. „Viele“, sagt Lampl, „kommen mit ihrem Geld locker über die Runden, leben aber trotzdem in Isolation.“ Weil sie vielleicht einer Generation angehören, die es nicht gewöhnt ist, allein in ein Lokal essen zu gehen – „als Frau sowieso nicht und als ältere Frau schon gar nicht“. Lampl rechnet mit Anlaufschwierigkeiten: „Gerade Alleinstehende brauchen ein bisschen Anschub.“ Deshalb würde sie sich freuen, wenn Vereine und Institutionen wie die Arbeiterwohlfahrt oder der Familienverband „ihre“ Leute animieren, das Angebot anzunehmen – eventuell auch in einer kleinen Gruppe, damit die Hemmschwelle für den Einzelnen sinkt. Denn zusammen is(s)t man weniger allein.

Zum Auftakt

des „Bürgertischs“ geht’s am Mittwoch, 21. Juni, um 12 Uhr in die Gaststätte Griesbräu. Weitere Lokale stehen fest (Infos unter www.mgh-murnau.de). Zusätzliche interessierte Anbieter können sich melden (Telefon 0 88 41/62 81 13). Die Projektidee stammt von der ehrenamtlichen MGH-Mitarbeiterin Christine Larch, umgesetzt wird sie von MGH-Mitarbeitern und -Förderverein.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Breiten“: Das nächste Baugebiet für Häuslebauer
Bebauungsplan Breiten: Gemeinde will ins beschleunigte Verfahren um Häuslebauer anzuziehen. Planungshürden fallen weg.
„Breiten“: Das nächste Baugebiet für Häuslebauer
Aufgspuit: Volksmusiktreff im Murnauer Moos
Zum elften Mal heißt es im Murnau „Aufgspuit“. Zu Gast bei dem beliebten Volksmusikereignis sind wieder zahlreiche Gruppen aus Oberbayern und Österreich.
Aufgspuit: Volksmusiktreff im Murnauer Moos
Nach Schmalenseehöhe: Pkw überschlägt sich
Schwer verletzt hat eine 30-jährige Farchanterin einen Unfall auf der Staatsstraße 2542 zwischen Mittenwald und Klais. Ihr Wagen überschlug sich mehrfach.
Nach Schmalenseehöhe: Pkw überschlägt sich
Zitzmann und (k)ein Ende?
Wie geht es weiter in Sachen Zitzmann? Nachdem der Gemeinderat das Bürgerbegehren abschmetterte, hält sich Initiatorin Amanda Stork über die nächsten Schritte bedeckt. …
Zitzmann und (k)ein Ende?

Kommentare