Restaurantbetreiber vor Gericht

Fleisch nicht bezahlt: Sechs Monate Gefängnis

Der Mann übernahm ein Restaurant. Doch das Geld für bestelltes Fleisch blieb der 56-Jährige einer Murnauer Metzgerei schuldig. Wegen sechsmaligen Betrugs wurde er jetzt zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt – und zwar ohne Bewährung.

Garmisch-Partenkirchen – Eigentlich, teilte der 56-jährige hochgebildet sprechende Herr mit, sei er Consultant, normalerweise zuständig für Immobilien-Transaktionen größeren Ausmaßes. Im Amtsgericht jedoch saß der Mann, der in einem Ort am Starnberger-See-Ostufer lebt, wegen eines ziemlich normalen Delikts auf der Anklagebank: Er hatte nämlich Ende 2016 in Seeshaupt eine Gaststätte übernommen und dafür eigens eine Gesellschaft gegründet. Er hatte jedoch, weil angeblich das Geschäft besonders schlecht lief, die Rechnungen einer Murnauer Metzgerei, bei der er einiges bestellt hatte, nicht bezahlt. Insgesamt etwa 2800 Euro blieben trotz aller Mahnungen und Eintreibungsversuche des Lieferanten bis heute offen. Für Richter Andreas Pfisterer war das ein klarer Fall von Betrug.

Laut Staatsanwältin Luisa Schwermer habe der Immobilien-Transakteur vom Starnberger See zwischen Februar und September 2016 bei der Metzgerei immer mal wieder Fleisch fürs frisch gepachtete Restaurant bestellt und geliefert bekommen, sechsmal insgesamt. Im ersten Fall für 738, dann wiederum für 287, aber auch mal für 1189 Euro. Doch gezahlt habe er nur ein einziges Mal, ansonsten halfen dem geduldigen Metzger weder Mahnungen noch Anrufe. Und sogar, als ein Mitarbeiter direkt zu dem Restaurant des 56-Jährigen fuhr, um das georderte Fleisch nur noch gegen Bares abzuliefern, ließ er sich vertrösten. Grad kein Bargeld da, hieß es, die Überweisung sei aber schon auf dem Weg. Sie kam allerdings nie an. Ohnehin habe er das Restaurant nur übernommen, weil es dem seinerzeitigen Wirt finanziell schlecht gegangen sei. „Er machte Privat-Insolvenz, da war es für mich dann eine Herzensangelegenheit, den Betrieb selbst zu führen.“ Er rief eine Betriebsgesellschaft ins Leben, um die Gaststätte ab Juni 2016 selbst zu managen.

Doch im Herbst und Winter 2016/17 traten finanzielle Probleme auf, gestand er dem Richter. „Da wurde der Geschäftsgang desaströs.“ Er habe ja nicht einmal die Fleischlieferungen aus dem Sommer bezahlt, hielt ihm Richter Pfisterer vor. Er riet dem Angeklagten freundlich, statt abgehobene Sprüche „lieber was Anständiges zu machen, wo man auch Geld verdient“.

Immerhin, eine der Rechnungen soll der Mann, der einen Schuldenstand von 210 000 Euro einräumte, bezahlt haben, sodass die offene Metzger-Summe heute nicht mehr 3529 ausmacht, sondern nur noch circa 2800 Euro. Verteidiger Dr. Gunnar Geiger plädierte dann im Gegensatz zur Staatsanwältin, die eine sechsmonatige Bewährungsstrafe beantragte, für Freispruch. Doch Richter Pfisterer verhängte angesichts der Vorstrafen, der hohen Rückfallgeschwindigkeit seit der letzten Bestrafung im April 2016 und nicht zuletzt dank der nicht gerade günstigen Sozialprognose wegen sechsmaligen Betrugs sechs Monate Gefängnis – und zwar ohne Bewährung.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb / Uli Deck

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