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Pferde sind ein wichtiger Teil ihres Lebens: Schwaigangers neue Chefin Cornelia Back, hier mit Hengst Bailadoro. Er stammt aus der eigenen Zucht des Gestüts und ist zuletzt gekört worden.

Neue Leiterin findet in Schwaiganger ihren Traumjob

Mit 33 Jahren Gestüts-Chefin: Back setzt aufs (richtige) Pferd

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Sie räumt unumwunden ein, „rossnarrisch“ zu sein – und hat auch deshalb in Schwaiganger einen Traumjob gefunden. Als Cornelia Back zu Jahresbeginn ihren Posten als Leiterin des Haupt- und Landgestüts antrat, war das für sie „ein bisschen wie nach Hause kommen“. Denn Back, eine ausgewiesene Pferde- und Zuchtexpertin, betritt kein Neuland.

Schwaiganger – In der Branche kennt man Cornelia Back – und sie kennt die Branche. Mit nur 26 Jahren besetzte sie eine herausragende Position in einer Männerdomäne: Sie wurde Bayerns staatliche Zuchtleiterin – als erste Frau in Deutschland und Jüngste auf diesem Posten. Für diesen hatte sie Ende 2012 das Gestüt Schwaiganger verlassen. Anfang dieses Jahres kehrte die gebürtige Mannheimerin zurück – auf vertrautes Terrain, aber in neuem Rang. Back, gerade 33 Jahre jung, trat die Nachfolge von Dr. Eberhard Senckenberg an. Der Gestütsleiter war Mitte 2018 in den Ruhestand gegangen. Back spricht von ihrer Anstellung, als habe sich die Pforte zum Paradies für sie geöffnet – zum Pferde-Paradies, um genau zu sein. Schon als sie sich einst nach ihrem Studium der Agrarwissenschaften für ein Praktikum in Schwaiganger vorstellte, „habe ich gedacht: Wenn man hier leben und arbeiten kann, dann ist das wie ein Sechser im Lotto.“

Back, für die das Pferd „ein Teil meines Lebens“ ist, hat für sich also den Hauptgewinn gelandet. Sie empfindet es als Geschenk, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen konnte. Nun aber in Schwaiganger „meine Leidenschaft und Erfahrungen“ einzubringen, „das ist das Tollste, die Krönung“. Back sieht sich „an einem tollen Ort in einer super Gegend, in der man perfekt Pferde züchten und ausbilden kann“. Im Gestüt Schwaiganger, einem eigenen Mikrokosmus, einer besonderen Pferde-Welt.

Sie lernte sie von 2010 an rund zwei Jahre lang kennen, begann ihre berufliche Laufbahn nach einem Studium der Agrarwissenschaften als Drei-Monats-Praktikantin. „Dann hat man mich nicht mehr gehen lassen.“ Back erhielt eine Festanstellung, leitete die Zuchtabteilung, war zuständig für Zuchtberatung sowie Pressearbeit und organisierte federführend Turnier- und Schauveranstaltungen. Dann ereilte sie „die Riesen-Chance in München“.

Nun kehrt sie als Chefin zurück. „Das ist für mich ein bisschen wie nach Hause kommen“, sagt Back. Auf die Landstallmeisterin wartet viel Arbeit. Sie übernimmt die Leitung in einer spannenden Zeit. Back soll die Weiterentwicklung des Gestüts zu einem umfassenden Bildungszentrum für Pferdehaltung und Reiten vorantreiben – und damit der gesamten Branche in Bayern Impulse verleihen. Back geht ihre großen Aufgaben langfristig an und würde „von mir aus, wenn’s gut läuft, gerne bis zur Rente“ in Schwaiganger bleiben. Mit ihrem teils sehr erfahrenen Team – das Gestüt beschäftigt derzeit 40 Mitarbeiter, bewirtschaftet 450 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und hält 250 Pferde – sieht Back die Institution „super aufgestellt“. Ihr ist zudem wichtig, dass die Zucht (man bringt immer wieder Erfolgspferde hervor) auf hohem Niveau weiterläuft, das Kulturgut Haupt- und Landgestüt erhalten bleibt, die staatliche Einrichtung noch sichtbarer für die Öffentlichkeit wird und die Stutenstämme der Rassen Warmblut, Kaltblut und Haflinger gepflegt werden.

Die 33-Jährige besitzt tiefe Einblicke in die Materie, und sie kennt aus ihrer beruflichen Vergangenheit die Strukturen unter dem Dach des bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Das Pferd an sich ist ihr seit Kindertagen vertraut. Back wuchs auf einem größeren Familienbetrieb mit Landwirtschaft, Pferde- und Jagdhundzucht auf. Als Zwölfjährige bekam sie ihr erstes eigenes Dressurpferd, den 14-jährigen Lehrmeister Avalon, ausgebildet bis zum Grand Prix, mit dem sie ins Turnierreiten einstieg. Danach folgten nur noch junge Tiere, die Back selbst ausbildete. Mit 16 Jahren begann sie mit einem dreijährigen Wallach, während des Studiums kaufte sie eine Zuchtstute und zog zwei Nachkommen, die sie ausbildete und verkaufte. „Wenn man einmal mit dem Pferdevirus infiziert ist, lässt er einen nicht mehr los“, sagt Back. „Natürlich ist das zeitaufwändig – aber Pferde geben einem so viel.“

Sie liebt es, ein junges Tier zu formen, ein Team mit ihm zu werden, das viel erreichen kann. Als Kind lernte sie durchs Pferd Disziplin und Verantwortung zu übernehmen. Auch heute noch geht es für Back nicht ohne Reiten. Nach einem stressigen Arbeitstag dreht sie gerne eine Runde an der frischen Luft mit ihrer Jagdhündin Hera, und es zieht sie in den Stall. Dort atmet sie den vertrauten Geruch ein, den sie so mag, putzt ein Pferd. „Dann ist alles wieder in Ordnung.“

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