Das nächste Großprojekt der Marktgemeinde: das sanierungsbedürftige Postgebäude.
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Das nächste Großprojekt der Marktgemeinde: das sanierungsbedürftige Postgebäude.

Interimsnutzung und Generalsanierung

Altes Murnauer Postgebäude: Mit kleinen Schritten zum großen Ziel

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Die Marktgemeinde Murnau tastet sich an das Mammutprojekt Postgebäude heran. Zumindest ein Zeitplan für die nächsten Schritte steht. Frühestens nächstes Jahr im Mai sollen die ersten Übergangsmieter einziehen. Doch die große Frage bleibt, was langfristig aus dem sanierungsbedürftigen Komplex in bester Lage werden soll.

Murnau – Das rund 100 Jahre alte Murnauer Postgebäude mit dem markanten Treppengiebel, das sich in Top-Lage gegenüber dem Kultur- und Tagungszentrum befindet, zählt zweifelsfrei zu den ortsbildprägenden Bauwerken des Marktes. Die Frage, was aus der denkmalgeschützten Immobilie werden soll, ist daher nicht so einfach zu beantworten. Der langjährige Mieter, die Deutsche Post AG, zieht jedenfalls aus. Das Mietverhältnis endet heuer am 30. November. Und die Gemeinde als Eigentümerin muss sich überlegen, wie sie das Ganze künftig nutzen möchte.

In kleinen Schritten nähert sich die Ortspolitik dem schwierigen Thema. Es sind nicht nur weitreichende Entscheidungen zu treffen. Es geht vor allem um sehr viel (Steuer-)Geld. Denn das Objekt gilt als stark renovierungsbedürftig. Es kursieren Schätzungen, die von Sanierungskosten im siebenstelligen Bereich ausgehen.

Zeitplan unter Idealbedingungen

Fest steht: Bis klar ist, wohin genau die Reise geht, soll die Liegenschaft übergangsweise vermietet werden. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurde dazu ein „Zeitplan unter Idealbedingungen“ vorgestellt. Demnach soll bis Anfang nächsten Jahres der bauliche Zustand genau unter die Lupe genommen werden, um zu ermitteln, welche Investitionen überhaupt nötig sind. Es sollen dann auch die Flächen hergerichtet, ausgeschrieben und vergeben werden. Wenn alles glatt läuft, können am 1. Mai 2022 die ersten Übergangsmieter einziehen.

Und wer kommt hierfür in Frage? „Eine Konkretisierung der Interimsnutzungen kann erst nach Vorliegen der technischen Bestandsaufnahme erfolgen“, sagt dazu Rathaus-Sprecherin Annika Röttinger auf Nachfrage. Das Immobilien-Management des Marktes werde einen Vorschlag erarbeiten. Eine Genehmigung für eine Gaststätte oder für Einzelhandel kommt anscheinend nicht in Frage. Im Gespräch sind vielmehr Büro- und Logistikräume – und zwar zu einem Mietpreis, der sich an den Konditionen im Innovationsquartier orientieren soll. Die Rede ist von circa sechs Euro pro Quadratmeter (zuzüglich einer Betriebskostenpauschale), was für Murnauer Verhältnisse sehr attraktiv wäre.

Auch für die längerfristige Nutzung soll es ein Konzept geben. „Auf Basis des technischen Befundberichts werden dann Sanierungsmaßnahmen im Hinblick auf potentielle Mieter getroffen“, teilt die Verwaltung mit. Sicher ist: Einen Schnellschuss wird es nicht geben. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. „Das ehemalige Postgebäude hat eine hohe Bedeutung für Murnau, da es sich an einem exponierten und sehr zentralen Ort befindet“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) – und verweist auch auf bauhistorische Besonderheiten wie die Fassadenmalerei und den Satteldachbau.

Felix Burger schlägt Bürgerhaus vor

An Ideen mangelt es nicht: SPD-Gemeinderat und Sozialreferent Felix Burger schlägt bekanntlich ein Bürgerhaus vor, das Vereinen und Institutionen aus dem sozialen und kulturellen Bereich ein Zuhause bietet. Hierfür hat er bereits Unterstützer gewinnen können – sowie eine Reihe an Organisationen, die Interesse anmelden, angefangen bei den Kirchen und der Caritas bis hin zum Seniorentreff. „Ein derart zukunftsträchtiges Projekt wird das Zentrum und die Umgebung des Areals weiter beleben und Platz für viele neue oder auch längst bekannte Veranstaltungen ergeben“, ist Burger überzeugt. „Das soll ein Haus für alle Murnauer sein.“ Das Gebäude wäre für diesen Zweck „perfekt geeignet“, findet er. Und wenn alles reibungslos läuft, könnte man seiner Ansicht nach 2023 Eröffnung feiern.

Doch es befinden sich weitere Vorschläge im Köcher, etwa der von Mehr Bewegen. „Wir dürfen das große Ganze nicht außer Acht lassen“, mahnt Fraktionschef Phillip Zoepf. Seine Gruppierung plädiert, wie bereits in einem Antrag 2019 beschrieben, für ein Raumprogramm, das das Platzproblem zweier Einrichtungen lösen soll: Die Musikschule zieht demnach in die alte Post – und schafft auf diese Weise in der Seidl-Grundschule Flächen für die Unterbringung der Hortkinder. Zoepf möchte allerdings dieses Gedankenspiel nicht als Konkurrenz zum Burger-Vorstoß verstanden wissen – und schlägt diplomatische Töne an: „Beide Ideen haben ihre Berechtigung.“ Zuerst sollte man die Gutachten mit der Einschätzung der Experten abwarten. Vielleicht finde man dann ja, so Zoepf weiter, einen Kompromiss.

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