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Ein Landschulheim für behinderte Kinder wird diese Anlage im Murnauer Molopark. Rechts ist der Neubau zu sehen, links der Altbau.

Landschulheim für behinderte Kinder

Endspurt am Molohof beginnt

Das Projekt hat sich etwas gezogen. Das lag auch am desolaten Zustand der alten Bausubstanz. Doch bald werden der sanierte Molohof und ein Neubau behinderten Kindern als Landschulheim dienen.

Murnau – Werkzeug steht im Neubau herum, dazu Baumaterial wie Leichtsockelputz und dergleichen. Draußen bauen Arbeiter das Gerüst ab. Die Handwerker sind nach wie vor am alten Molohaus zugange. Doch nicht mehr lange. „Wir sind in den letzten Zügen“, sagt Dr. Wolf-Dieter von Gronau, der im Vorstand der Erl-Stiftung sitzt. „Ich denke, dass wir im Juli den Eröffnungstermin festlegen.“

Nach der Einweihung kann es endlich losgehen. Der sanierte Molohof sowie ein benachbarter Neubau werden dann mehrfach behinderten Kindern und Jugendlichen des Blindeninstituts München als Schullandheim dienen. Hinter dem Nutzungskonzept steht die Murnauer Mäzenin Ilse Erl. Sie trägt mit ihrer Stiftung die Baukosten. Für den Betrieb und den Unterhalt ist die Blindeninstitutsstiftung zuständig.

Eine, die immer wieder auf der Baustelle vorbeischaute, ist Karin Stecher-Stepp, Leiterin des Blindeninstituts München. Sie zeigt sich begeistert. „Es ist sehr schön geworden, eine tolle Geschichte.“ Das Haus sei ein „Geschenk“ für das Blindeninstitut. Es wurde 1978 als erste Einrichtung der Stiftung außerhalb Würzburgs gegründet. Heute besuchen in der Landeshauptstadt rund 160 Kinder und Jugendliche die Maria-Ludwig-Ferdinand-Schule und die Heilpädagogische Tagesstätte.

Im Murnauer Landschulheim wird es acht Einzelzimmer geben. Bei vier davon ist es möglich, ein zweites Bett hineinzustellen. In der Regel werden die Kinder und Jugendlichen von Montag bis Freitag in Murnau sein, sagt Stecher-Stepp. Das Blindeninstitut hat sich eingebracht, was den Raumbedarf angeht und die Barrierefreiheit. Ein Hausmeister wird vor Ort sein, der Posten ist allerdings noch offen.

Oft auf der Baustelle ist auch Architekt und Bauleiter Adrian Wambsganz vom Munauer Büro Kottermair Rebholz. „Es schaut gut aus“, sagt er. Der Innenausbau sei praktisch fertiggestellt. „Nächste Woche werden wir mit den Außenanlagen beginnen.“ Manche Möbel sind schon drin, einige fehlen aber auch noch.

Im Sommer 2016 war der Startschuss für die Bauarbeiten gefallen. Ursprünglich sollte die Einrichtung im Herbst 2017 fertiggestellt werden, doch es kam zu Verzögerungen. Das liegt am Altbau. Laut den Vorgaben der Marktgemeinde Murnau sollte das Hauptgebäude wegen seiner literaturhistorischen Bedeutung weitgehend erhalten bleiben. Denn in dem Haus lebte einst der Schriftsteller Walter von Molo (1880 bis 1958). Von der Villa blieben letztlich wegen des desolaten Zustands aber nur die Außenwände des Erdgeschosses übrig. „Das war durchaus anspruchsvoll“, fasst Wambsganz zusammen.

So naht also der Abschluss eines Projekts, das unterm Strich viel Geld kosten wird. Gronau kann auf Nachfrage keine Summe nennen. Bereits vor zwei Jahren sprach der Jurist allerdings von „vielen Millionen Euro“. Und billiger wird es vermutlich nicht geworden sein.

Ein Blick zurück: 2005 war eine Teilbebauung des Molo-Areals angedacht, doch es gab massive Widerstände aus der Bevölkerung, sodass die Pläne abgespeckt werden sollten. Eines Tages wurde das Vorhaben ganz beerdigt. 2014 entschied der Marktgemeinderat dann, dass ein Sozialprojekt realisiert werden soll: eben jenes Landschulheim mit der Blindeninstitutsstiftung München als Hauptnutzer. Zwischen der Kommune als Eigentümer und der Erl-Stiftung wurde ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen.

Roland Lory

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