Zur Zeit zu 70 Prozent belegt: die Unfallklinik Murnau. Normal sind 90 Prozent.
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Zur Zeit zu 70 Prozent belegt: die Unfallklinik Murnau. Normal sind 90 Prozent.

Die Folgen der Pandemie

1300 Operationen weniger wegen Corona: „Enorme finanzielle Auswirkungen“ für Unfallklinik Murnau

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Die Corona-Pandemie wird massive finanzielle Folgen für die Murnauer Unfallklinik haben. Die Größenordnung steht derzeit noch nicht fest. Auch fürs zweite Halbjahr rechnen die verantwortlichen mit erheblichen Einschränkungen.

Murnau – Die Zahlen lassen die Dimension erkennen, sprechen eine mehr als deutliche Sprache. Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen fielen bis etwa 20. Mai wegen der Corona-Pandemie 500 Operationen aus. In der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau (BG) waren es von März bis Mai rund 1300 Eingriffe weniger. Planbare, nicht dringliche Operationen entfielen aufgrund der Allgemeinverfügung, die Mitte März in Kraft getreten war.

„Fest steht, dass die Corona-Pandemie auch für die BG Unfallklinik Murnau (UKM) enorme finanzielle Auswirkungen hat und dadurch auch das Gesamtergebnis maßgeblich beeinflusst wird“, betont Geschäftsführerin Sarah Heinze. Die Höhe sei derzeit jedoch noch unklar, da die Entwicklungen der Pandemie der nächsten Monate nicht vorhersehbar seien. Das Jahresergebnis 2020 hängt maßgeblich davon ab, wann und wie schnell die Klinik zum Normalbetrieb zurückkehren kann. „Dabei befürchten wir auch im zweiten Halbjahr erhebliche Einschränkungen.“ Die Unfallklinik war wie das Klinikum zum Teil nur zu 40 Prozent belegt.

Aktuell verzeichnet das UKM eine Auslastung von rund 70 Prozent. „Wir müssen aufgrund der Sicherheits- und Hygienevorschriften, die zum Schutz der Patienten notwendig sind, davon ausgehen, dass wir unsere gewohnte Belegungssituation von über 90 Prozent bis auf Weiteres nicht erreichen können“, sagt Pflegedienstleiter Peter Schersach. Dies liegt unter anderem daran, dass wegen der Abstandsregelung weniger Patienten in einem Zimmer versorgt werden können als üblich. Nicht alle 596 Betten stehen daher zur Verfügung.

Besonderer Versorgungsauftrag

Derzeit unternimmt das renommierte Hospital, das seit 2016 Teil einer Holding ist, einiges, um die monetären Folgen abzufangen. Man versucht, die offenen Finanzierungsfragen zu klären. Die Unfallklinik hat bereits einen Abschlag der Freihaltepauschale erhalten. Diese reiche „allerdings bei einer so spezialisierten Klinik nicht aus, um alle Kosten zu decken“, betont Christian Schroth, Kaufmännischer Direktor. Die erheblichen Einnahmenverluste machen auch Reinhard Nieper, Vorsitzender Geschäftsführer der BG Kliniken, Sorgen. „Vor allem in Bezug auf die sogenannten Freihaltepauschalen hoffen wir daher auch in Bayern auf Lösungen, die dem besonderen Versorgungsauftrag der BG Kliniken gerecht werden.“ In der Unfallklinik nutzt man auch interne Steuerungsmöglichkeiten, um die Verluste abzufangen. Zum Beispiel werden gezielt Überstunden abgebaut.

Als überregionales Traumazentrum ist die Versorgung von schwer- und schwerstverletzten Patienten eine der Kernaufgaben des Hauses. Zu diesem Zwecke verfügt das UKM ohnehin über eine große Intensivkapazität mit 43 Betten. Im Zuge von Corona richtete man weitere zehn Beatmungsplätze in der Aufwachstation ein, sodass insgesamt 53 dieser Plätze kurzfristig zur Verfügung stehen. Ob dafür Fördermittel vom Staat bereitgestellt werden – fraglich. Seit über drei Wochen ist die Klinik „Covid-19-frei“.

Rund um die Uhr für Notfallpatienten bereit

Andere Stationen werden inzwischen wieder verstärkt mit Patienten belegt. „Mit der neuen Allgemeinverfügung und einer entsprechenden Genehmigung ist es nun wieder unter Auflagen möglich, Patienten für elektive Leistungen einzubestellen“, sagt der Ärztliche Direktor, Professor Dr. Fabian Stuby. Dabei handelt es sich um Eingriffe, die nicht dringlich und aufschiebbar sind. Patienten mit einem Arbeits- oder Wegeunfall gibt man dabei den Vorrang. „Gemäß unserem Selbstverständnis stehen und standen wir auch in Coronazeiten rund um die Uhr für Notfallpatienten bereit und konnten alle medizinisch dringenden Fälle versorgen“, macht er deutlich.

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