+
Willkommen zurück in Murnau: Auf der Seidl-Schule sitzt nun ein neues – offenbar altbekanntes – Paar.

Die Standorte sind mittlerweile umkämpft

Altbekannte Störche wohl wieder dahoam

  • schließen

Die Eindringlinge haben den Horst räumen müssen: Offenbar ist das angestammte Murnauer Storchenpaar, das 2016 erfolgreich Junge aufgezogen hat, zurückgekehrt und hat sein altes Nest wieder erobert. 

Murnau – Der Wechsel ging zunächst unbemerkt vonstatten: Es muss einen heftigen Revierkampf gegeben haben über den Dächern von Murnau – mit dem Ergebnis, dass das beringte Storchenmännchen, das vor Wochen mit Weibchen den Horst auf der Emanuel-von-Seidl-Schule besetzt hatte, das Feld räumte und mit Partnerin nach Obersöchering zurückkehrte, wo es bereits 2016 für Nachwuchs gesorgt hatte. Beobachtern fiel auf, dass plötzlich keiner der Murnauer Vögel mehr einen Ring am Bein trug. „Wir gehen davon aus, dass das Storchenpaar vom vergangenen Jahr nach Murnau gekommen ist und den Horst mit Vehemenz wieder erobert hat“, sagt Michael Schödl, Geschäftsführer der Regionalgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Davon zeigt sich auch Monika Gisela Klas – das LBV-Mitglied beobachtet die Störche regelmäßig und will, wenn’s mit dem Brüten klappt, ab 26. Mai wieder Gratis-Führungen zum Nest anbieten – überzeugt: Das Männchen zeige das gleiche Verhalten wie jenes im vergangenen Jahr und streichle die Partnerin immer wieder mit dem Schnabel an Kopf und Hals, sagt Klas. Grundsätzlich gilt: Störche sind standorttreu, kehren bevorzugt zum selben Horst zurück.

Dabei steigt der Druck: Die Zahl der Tiere in Bayern nimmt stetig zu, auch in der Region tauchen die Vögel zunehmend auf: „Wir haben hier immer mehr Aktivität von Brütern und Nichtbrütern“, bestätigt Schödl. Deshalb schlugen „Storchen-Liebhaber“ vor Ort dem LBV bereits vor, künstliche Nistplattformen anzubieten. Man habe dies intern diskutiert und sich dagegen entschieden, um noch mehr Revierkämpfe, Stress für die Vögel und Unfälle zu vermeiden: „Wir sind hier klimatisch einfach in einer Kampfzone und wollen gerade am Alpenrand den Bestand nicht künstlich in die Höhe treiben“, betont Schödl. Vergleichsweise hohe Niederschläge und niedrige Temperaturen bedeuten eine Gefahr für den Nachwuchs und besonders große Anstrengungen für die Eltern. Deshalb gilt für Schödl: Der LBV beobachte die Entwicklung, freue sich, wenn es aufwärts geht. Er lässt der Natur aber auch seinen Lauf: „Wir helfen gerne, wenn Störche kommen und wollen die Leute informieren – aber wir möchten nicht auf jedem Masten ein Wagenrad.“

Es bleibt damit bei einem Standort in Murnau. Auf diesem frischt das Paar nun seine alte Liebelei auf. Es wird viel geturtelt, geschnäbelt und kopuliert. Geht alles gut, dürften die Störche im April auf jeden Fall brüten. Nach gut einem Monat schlüpfen die Jungen. Dann beginnt das Bangen: Die Familie braucht gute Bedingungen mit nicht zu viel Regen und ausreichend Nahrung. „Das“, sagt Schödl, „ist immer bissl ein Glücksspiel.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Wenn der eigene Bruder unwählbar wird
Das Leben treibt oft seltsame Blüten: Im Falle von Claudio Corongiu geht es um etwas hochgradigÄrgerliches: Am Sonntag bemüht sich sein jüngerer Bruder Enrico um ein …
Wenn der eigene Bruder unwählbar wird
Umjubelte Premiere von „Der Glöckner von Notre-Dame“
Jugendliche bringen „Der Glöckner von Notre-Dame“ in der Aula des Werdenfels-Gymnasiums auf die Bühne. Das Publikum ist begeistert. Und das, obwohl nur zwei Wochen …
Umjubelte Premiere von „Der Glöckner von Notre-Dame“
Vier Konzepte fürs Kurhaus-Areal in Bad Bayersoien 
Homöopathisches Heilzentrum oder eher ein Ort für Patienten-Betreuung? Standort für schicke Ferien-Wohnungen oder doch für einen neuen Hotel-Komplex? Das sind die vier …
Vier Konzepte fürs Kurhaus-Areal in Bad Bayersoien 
Kramertunnel: Dobrindt löst Versprechen ein
Dem Bau des Kramertunnels steht nichts mehr im Weg. Das 190-Millionen Euro-Vorhaben, das den Ortsteil Garmisch entlasten soll, kann nach Jahren des Stillstand …
Kramertunnel: Dobrindt löst Versprechen ein

Kommentare