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Tradition und Brauchtum

Froschhauser Leonhardifahrt 2019: Weißwürste, Füchse und ein Regisseur

Kein Kommerz, kein Event, keine Party: Der Leonhardiritt von Murnau nach Froschhausen kommt auch im 21. Jahrhundert mit seiner traditionellen, christlichen Wallfahrt an.

Murnau/Froschhausen – Ein bisschen ist Leonhardi wie ein Film. „Eine große Gemeinschaftsproduktion“ nennt es Franz Neuner. Der Vorsitzende des Leonhardivereins in Froschhausen führt Regie. Mit seinem Vize Anton Utzschneider verpflichtet er die Darsteller. Die beiden laden sämtliche Wägen und Gespanne persönlich ein. Diesmal knapp 1000 Teilnehmer – die Hauptdarsteller. Denn Leonhardi „geht nur zusammen“, betont Neuner. Die Bilder der Wallfahrt ziehen Gläubige aus allen Ecken des Oberlands an. Sie fahren aus Schönberg, aus Bernbeuren, aus Wörthsee her. „Sie kommen wegen der Sache“, sagt Neuner. Kein Kommerz, kein Event, keine Party – dafür „Tradition pur“.

Es geht nur mit vielen Händen

Georg Flöß ist in Aidling groß geworden. Und wer in Aidling aufwächst, wächst mit dem Leonhardi-Brauchtum auf. Flöß spielt Klarinette in der Musikkapelle Aidling-Riegsee. Was für den gesamten Zug mit seinen vielen tausend Zuschauern gilt, setzen die Musiker im Kleinen um: Es geht nur mit vielen Händen. Beim Aufbauen vor ein paar Tagen waren sie an die 25, erzählt Flöß. Zweige schneiden, Büschel binden, vier Stunden werkelten die Frauen und Männer an ihrem Wagen, danach gab’s Pizza. „Das ist immer nett“, sagt Flöß. Am Namenstag des Heiligen Leonhard von Limoges, dem Schutzpatron des Viehs und im Besonderen der Pferde, stehen die Teilnehmer in der Dunkelheit auf. Um sieben Uhr ist Abfahrt. Den ersten Marsch spielen die Musiker auf dem Weg nach Riegsee, den zweiten im Nachbardorf. In Froschhausen gegen halb acht serviert man ihnen Weißwürste. Kesselfrisch natürlich. „Die besten im ganzen Jahr“, findet Flöß. „Es gibt nichts Schöneres.“

Die Jüngsten bekommen die besten Plätze

Emily Kollöchter belässt es bei einem Müsli zum Frühstück – und etwas Tee. Aber nur an den kalten und nassen Tagen. Vor zwei Jahren hat es die Wallfahrer einmal fürchterlich verregnet. Mit Schirmen bewaffnet kauerten sie in ihren Wägen und versuchten verzweifelt, die wertvollen Gewänder und Füchse zu schützen. Den Pelz, den Kollöchter um den Hals trägt, haben ihr Freunde geschenkt. Bei anderen sind es Erbstücke, die über Generationen weitergereicht werden. Der Madel-Wagen des Aidlinger Trachtenvereins trifft sich in Murnau. Die Jüngsten, und zu denen zählt die Charly, wie sie Freunde nennen, mit 16 Jahren, bekommen die besten Plätze. Sie sitzen vorne. Hinten nehmen die verheirateten Frauen Platz. „Vorne siehst du beim Beten die meisten Leute“, sagt Kollöchter. Als Musiker hat’s Flöß schwerer. Er soll ja fehlerfrei spielen. Für ein paar Momente huschen die Augen vom Notenblatt in die Menge. Zwei, drei bekannte Gesichter erspäht er. Flöß würde ja gerne einmal wissen, wer ihm denn beim Musizieren zusieht. „Kannst aber nicht“, sagt er.

Für die Polizei ist es ein entspannter Vormittag

Joachim Loy, der Polizeichef in Murnau, weiß immerhin, wie viele es waren. 13 000 schätzt er. Genau lässt sich das nie bestimmen. Aber voriges Jahr zählten seine Kollegen 12 000. „Diesmal waren es deutlich mehr.“ Für die Polizisten ist der Leonhardi Umzug „ein friedlicher, entspannter Vormittag“. Nur ein Auto ließen sie abschleppen. Es parkte im Halteverbot. Genau an der Stelle, an der sich die Wägen morgens sammelten. Loy gefällt die Froschhauser Veranstaltung, weil sie noch christlich geprägt ist. Andernorts wird gesoffen und gefeiert.

Alles wird gemeinsam gemacht

In Froschhausen artet es nicht aus. Natürlich gehört das eine oder andere Stamperl dazu. Auf dem Heimweg nach Aidling steuern die Musiker zwei, drei Stationen an. „Seit Jahren bleibt man dort stehen“, sagt Flöß. Die Kapelle tauscht ein Schlückchen vom Selbstgebrannten (Apfel, Marille, Birne, alles dabei) gegen ein Ständchen. „Als Musiker freust dich auf alle“, sagt Flöß. Die Aidlinger Madeln sehen sich auch nach dem Umzug noch einmal. Zum Abbauen, Zusammenhocken und Essen. „Wir machen alles gemeinsam“, betont Kollöchter.

Bei Organisator Neuner setzt die Ruhe gegen 15 Uhr ein. Einmal versichert er sich noch bei der Polizei, dass auch wirklich nichts passiert ist. „Alles bestens“, meldeten die Beamten gestern. Neuner sagt: „Etwas Besseres gibt es nicht.“

Andreas Mayr

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