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Gast aus Oberbayern: Nikolai Deyhle (4.v.l.) zwischen Freunden und Mitschülern der Partap World School.

Kultureller Austausch

Ausbruch aus der Komfortzone: Schüler (15) verbringt ein Jahr in Indien

Der Murnauer Gymnasiast Nikolai Deyhle (15) verbringt ein Jahr in Indien. Eine spannende und bereichernde Erfahrung.

Murnau – Am 12. Juli zeichnete Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bei einem Festakt in München 15 bayerische Schüler als „Botschafter Bayerns“ aus. Die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren wurden somit offiziell in das Stipendienprogramm des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus aufgenommen, das in Kooperation mit dem Deutschen Youth For Understanding Komitee (YFU) organisiert wird. Für ein Jahr werden sie als Gastschüler in aller Herren Länder entsandt, um den interkulturellen Austausch zu fördern.

Auch der 15-jährige Nikolai Deyhle vom Staffelsee-Gymnasium hat den Schritt gewagt. Er saß zum Zeitpunkt der Urkundenverleihung allerdings längst im Flieger Richtung Indien. „Das Schuljahr fängt dort bereits im Mai an“, erklärt er. „Ich war ohnehin spät dran.“ Dass man dies beim Termin im Ministerium nicht beachtet hat, liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Nikolai mit seiner Länderwahl als Exot gilt. „Die meisten Mitbewerber wählen westlich orientierte Länder mit ähnlicher Kultur, Religion und Mentalität. Ich wollte aber nicht dem Mainstream folgen.“

Etwa 1000 Schüler nehmen jährlich am YFU-Programm teil. Aus Bayern ist Nikolai derzeit der Einzige, der nach Indien ging. Der Gedanke an ein Auslandsjahr keimte in ihm schon seit zwei Jahren. Im Januar entwickelte sich daraus ein ausgeprägtes Fernweh. „Die Entscheidung kam dann sehr spontan beim Googeln“, berichtet Nikolai. Von Indien war er sofort begeistert. „Das war die Chance völlig auszubrechen aus der Komfortzone“, erklärt er. Nach einer weiteren Woche bewarb er sich bei YFU und wurde sofort angenommen. Vor allem Nikolais Vater stand dem Vorhaben zuerst skeptisch gegenüber. „Er war beruflich in Indien und als Jugendlicher zum Klettern im Himalaja-Gebirge. Für ihn ist es ein herausforderndes Land.“ Die nötige Unterstützung erhielt Nikolai natürlich trotzdem. 

Nun wohnt er in Punjab in der Nähe von Kashmir bei einer Gastfamilie. Dort hat er ein Zimmer ganz für sich alleine und sogar ein eigenes Bad, wenngleich er nur mit kaltem Wasser duschen kann. Begleitet wird er stets von den Schreien der Affen auf dem Dach und vom Hupkonzert der nahegelegenen Straße. „Der Verkehr ist ein absolutes Chaos. An Regeln hält sich hier niemand“, erklärt er. Zudem mischen sich unter die Verkehrsteilnehmer allerlei Kühe, Esel, Pferde und Hunde. Von Montag bis Samstag steigt Nikolai selbst in den Schulbus und ruckelt eine Stunde lang über holprige Straßen in die Partap World School im Nachbarort. Als westlicher Austauschschüler gilt Nikolai dort als Aushängeschild und wird zuvorkommend behandelt. „Die Anderen bekommen schnell mal Nackenschläge, wenn sie auffallen“, erzählt der 15-Jährige.

In einem Land wie Indien, das ohnehin voller Gegensätze steckt, hat Nikolai bereits nach ein paar Wochen so einiges zu erzählen. Er hat sich eingelebt, Freunde gefunden, Eindrücke aufgesaugt. „Bisher habe ich das alles durch die Augen eines Touristen gesehen. Jetzt merke ich, wie ich langsam ein Teil davon werde.“

Wenn das Schuljahr im März endet, möchte er noch etwas in Indien bleiben und ehrenamtliche Arbeit leisten. Dann will er zurückkehren ans Staffelsee-Gymnasium und dort wieder in die 11. Klasse einsteigen. „Das ist der Plan. Das kann sich aber noch ändern.“

Beate Berger

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