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Das Murnauer Moos soll, wenn es nach dem Murnauer Bauausschuss geht, keinen besonderen Status durch die Ausweisung zum UNESCO-Weltkulturerbe bekommen. 

Murnauer Bauausschuss lehnt Projekt ab

UNESCO-Weltkulturerbe: Angst vor neuen Touristenströmen

Der Murnauer Bauausschuss  ist skeptisch in Sachen UNESCO-Weltkulturerbe. Das Gremium lehnte es ab, streng geschützte Flächen wie etwa das Murnauer Moos mit aufzunehmen.

Murnau –Es gab etliche Veranstaltungen und Diskussionen. Mittlerweile scheint bei den Landwirten im Landkreis überwiegend Zustimmung zu herrschen, was die geplante Ausweisung alpiner und voralpiner Wiesen- und Moorlandschaften als UNESCO-Weltkulturerbe betrifft. Jetzt aber fahren Murnauer Kommunalpolitiker gewaltige Geschütze gegen das Projekt auf. Die Mitglieder des Bauausschusses lehnten mit sechs zu fünf Stimmen die Idee ab, streng geschützte Flächen wie etwa das Murnauer Moos mit aufzunehmen. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), ein überzeugter Verfechter des Projektes, hofft nun auf eine andere, endgültige Abstimmung im Gemeinderat.

Was war passiert: Peter Strohwasser stand nach der Sitzung am Dienstag die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Soeben hatte der Chef der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts versucht, die Murnauer Politiker für eine Bewerbung ihrer Gemeinde für die Ausweisung von Flächen als UNESCO-Weltkulturerbe zu gewinnen. Doch damit stieß er teils auf taube Ohren. Vor allem die Befürchtung einiger Ausschussmitglieder, dass dadurch neue Touristenströme in den Landkreis gelockt werden könnten, spielte eine maßgebliche Rolle.

In den vergangenen Monaten hatte es in einigen Gemeinden Informationsveranstaltungen gegeben (wir berichteten). In einem Jahr sollen der Antrag, der rund 300 Seiten umfasst, sowie die entsprechenden Karten fertig gestellt sein. „Es geht nicht um ein neues Naturschutzgebiet, sondern um den Erhalt der traditionellen Landwirtschaft, wie wir sie bei uns kennen“, betonte Beuting in der Sitzung. „Wenn wir nichts unternehmen, wird es bei uns bald keine Landwirtschaft im bisherigen Stil mehr geben“, befürchtete der Murnauer Rathauschef. „Mit der Ernennung zum Weltkulturerbe hätten wir aber ein besseres Florett in der Hand, um kritische Situationen in der Landwirtschaft zu meistern“, unterstützte ihn Strohwasser. Als Beispiel führte er das in der EU diskutierte Verbot der Anbindehaltung an: „Wenn die nicht mehr praktiziert werden darf, müssen bei uns viele kleine Betriebe aufhören.“

Sofort schlug ihm einige Skepsis entgegen. „Ich sehe das nicht nur positiv, der große Vorteil erschließt sich mir nicht“, erklärte Sabine Pecher (ÖDP/Bürgerforum). „Wenn wir die geschützten Flächen noch mehr publik machen, würden die Besucherströme noch mehr anschwellen, und die Leute müssen ja auch untergebracht werden.“ Als Beispiele nannte sie die von Urlaubern überlaufenen Städte Bamberg, Regensburg und Dresden. Strohwasser hielt dagegen, dass Städte und Bauwerke viel stärker touristischem Druck ausgeliefert seien als landschaftliche Schutzgebiete. „Außerdem zerstreut sich das auf den viel größeren Flächen.“

Wenig begeistert zeigte sich auch Hans Kohl (Grüne/Bündnis 90): „Das Weltkulturerbe wird vermarktet werden, und das gibt der Sache einen Schub. Der Tourismus nimmt permanent zu, wenn man ihn will. Ich will ihn nicht.“ Stefan Lechner (ÖDP/Bürgerforum) sorgte sich aus dem gleichen Grund nicht nur ums Moos, sondern auch um die Buckelwiesen bei Mittenwald.

Dem Weltkulturerbe durchaus etwas abgewinnen konnte Johann Scherrer (CSU), der allerdings auch daran erinnerte, dass dabei jede einzelne Kommune gefordert sei: „Man muss dann mit der Werbung vorsichtig umgehen“, warnte der Kommunalpolitiker, „und nicht darin den goldenen Esel sehen.“ Auch Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) äußerte sich wohlwollend gegenüber dem Vorhaben: „Das ist eine echte Chance für die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe. Ich befürworte den Antrag.“

Bürgermeister Rolf Beuting steht nun eine stressige Woche bevor: „Wir müssen bis zur Behandlung im Gemeinderat noch Überzeugungsarbeit leisten.“

Heino Herpen

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