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Diese Streuobstbäume am James-Loeb-Haus (Hintergrund) müssen weichen. 

Einwände von Anwohnern und Gemeinderäten

Bauprojekt am James-Loeb-Haus in Murnau: Angst vor Präzedenzfall

Ein Murnauer Großprojekt schreitet voran: Am James-Loeb-Haus sollen in beträchtlichem Umfang Wohnungen gebaut werden. Es wird aber erneut Kritik laut. 

Murnau – Die Wortmeldungen sprechen eine deutliche Sprache: „Es wäre schade, wenn man dem James-Loeb-Haus, durch das Danebenstellen von überdimensionierten Wohnblöcken, jeglichen Charakter nehmen würde. Eine Wandhöhe von etwa 6,50 Metern würde sich weitaus besser einfügen.“ Eine andere Stellungnahme klingt ähnlich: „Der hier vorgelegte Entwurf des Bebauungsplanes sprengt den Rahmen der umliegenden Bebauung.“ Und weiter: Die vorgesehene „würde viel zu dicht stehen und Baukörper hervorbringen, welche Kasernenähnlichkeit mit geringer Sonneneinstrahlung hätten“.

Die Sätze stammen aus Einwendungen, die Bürger einreichten, als der Bebauungsplan für das „Areal um das James-Loeb-Haus“ öffentlich auslag. Dort, am früheren Gemeindekrankenhaus, will die Marktgemeinde Murnau im Rahmen eines genossenschaftlichen Projekts Wohnraum in größerem Stil schaffen. Doch nicht nur aus den Reihen der Anwohner wird Kritik laut. Auch Gemeinderäte haben Bedenken. Dies zeigte sich am Dienstagabend im Bauausschuss. Welf Probst (Freie Wähler) beklagte, dass eine „wunderschöne Streuobstwiese“ weichen muss. „Das steht im Widerspruch zum Artenschutz“, sagte er in Richtung Bürgermeister Rolf Beuting, der der ÖPD angehört. Diese startete das erfolgreiche Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Auch die Höhenentwicklung ist Probst „viel zu massiv“. Er befürchtet, dass Eigentümer im Umfeld später drauf Bezug nehmen.

Phillip Zoepf („Mehr Bewegen“) konnte die Einwände nicht nachvollziehen. Er wies Probst darauf hin, dass der Vorschlag für den 2017 geschlossenen Kompromiss aus den Reihen der Freien Wähler gekommen sei. Damals entschied der Marktgemeinderat, bezüglich der freien Filetfläche im Kemmelpark dem Forschungs- und Therapiezentrum den Zuschlag zu erteilen. Gleichzeitig kam man überein, dass westlich des James-Loeb-Hauses Wohnraum entstehen soll.

Holger Poczka (ÖDP/Bürgerforum) verteidigte das Projekt am früheren Gemeindehospital. „Die Verdichtung ist ein Beitrag zum Naturschutz.“ In puncto Streuobstwiese sagte er: „Irgendeinen Tod müssen wir sterben.“ Stefan Lechner (ÖDP/Bürgerforum) wollte die Obstwiese „nicht so hoch hängen“. Er wisse sofort Stellen in der Umgebung, wo man Ersatz schaffen könnte. Rathauschef Beuting betonte, „es ist bei jedem Vorhaben so, dass wir in die Natur eingreifen“. Mit Ausgleichsmaßnahmen werde gleichwertiger Ersatz geschaffen. „Es ist das Gebot der Stunde, möglichst wenig Fläche zu versiegeln.“

Neben Probst äußerte Hans Kohl (Bündnis 90/Die Grünen) Kritik an der Planung. Drei Stockwerke sind seiner Meinung nach „zu hoch“, maximal zwei wären angemessen. Er fürchtet wie andere auch einen Präzedenzfall. „Da muss man aufpassen“, sagte er dem Tagblatt. Mit Probsts und Kohls Gegenstimmen wurde der Planentwurf abgesegnet. 

Am Donnerstag, 27. Juni, kommt das Thema im Marktgemeinderat auf den Tisch. In nächster Zeit will die Verwaltung Gespräche mit interessierten Genossenschaften führen. Dabei sollen diese auch kundtun, wie sie das Grundstück verkehrsmäßig erschließen wollen. Möglicherweise wird ein Teil über den Schererweg abgewickelt. Kritik an den geplanten Dimensionen hatte es bereits im Mai gegeben.

Roland Lory

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