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Jan-Ulrich Bittlinger bei einem Vortrag über das IQ (Symbolbild).

Dicke Luft im Kommunalparlament

Eklat bei Bittlinger-Bericht im Murnauer Marktgemeinderat

Einen Eklat hat es jetzt im Murnauer Marktgemeinderat gegeben. Anlass war der Bericht von Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger.

Murnau – Der Murnauer Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger liefert regelmäßig im Marktgemeinderat einen Bericht ab. Das hat schon für Zündstoff gesorgt. Im Dezember 2016 zum Beispiel, als sich Bittlinger und Welf Probst (Freie Wähler) in die Haare bekamen.

Vorwürfe ähneln sich

Doch man muss gar nicht so weit zurückblicken. Vor Kurzem geriet der Wirtschaftsförderer und Leiter des Innovationsquartiers (IQ) bei einem CSU-Themenabend im Zuge des Wahlkampfs in die Schusslinie. Die Kritik klingt oft ähnlich: Bittlinger habe sich bei kaum einem Geschäft im Markt vorgestellt.

Mehrere Räte verlassen den Saal

Nun war er erneut im Gemeinderat, um über seine Arbeit zu berichten. Nach ein paar Minuten redete er dann genervt Tacheles. „Verdammt nochmal. Was ich nicht verstehe ist, dass man seinen eigenen Ort schlechtredet.“ Daraufhin monierte Vizebürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler): „Sie sind nicht da, um uns eine Standpauke zu halten.“ Bittlinger zeigte sich „erstaunt“, „dass Sie sich angesprochen fühlen“. Dann kam es zum Eklat, denn mehrere Räte der Freien Wähler und der CSU verließen für ein paar Minuten den Sitzungssaal.

Beuting rät zu persönlichem Gespräch

Bittlinger fuhr unterdessen fort. „Es ist schwierig, wenn die Stimmung absichtlich schlecht gemacht wird. Psychologie ist für die Wirtschaft ein entscheidender Moment.“ Dann schaltete sich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ein. „Es bringt wenig, von beiden Seiten diese persönliche Note reinzutragen.“ Das beste wäre aus Sicht des Rathauschefs, solche Dinge in einem persönlichen Gespräch zu klären. Für Lorenz Brey (CSU) kamen Beutings Worte zu spät. „Es wäre angebracht, wenn Sie da eingreifen.“ Denn Bittlinger habe nicht nur berichtet. „Das war eine kleine Abrechnung. Einzelne Gemeinderäte fühlen sich angegriffen.“ Dass das IQ gut läuft, sei unbestritten, ergänzte Brey. „Aber woher kommt der Eindruck bei kleinen Handwerksbetrieben, dass sie sich vernachlässigt fühlen?“

Bittlinger hält es wie ein Arzt

Bittlinger erwiderte, dass er eine Ein-Mann-Stelle habe und er es so halte wie ein Arzt. Der gehe „auch nicht durch den Ort und schaut, wer krank ist“. Sein Festnetzanschluss sei 24 Stunden auf das Handy geschaltet. Seine Reaktionszeit bezifferte er mit zwei bis drei Tagen. „Erstaunt“ war Bittlinger, „dass seit vier bis fünf Jahren die größte Kritik ist, dass ich gesagt habe, ich würde persönlich vorbeikommen“. Dabei handle es sich um ein „Missverständnis“.

Auch Kohl äußert Kritik

Doch auch Hans Kohl (Bündnis 90/Die Grünen) ging mit Bittlinger ins Gericht. „Offenbar vernachlässigen Sie das Netzwerk mit den Gemeinderäten“, hielt er ihm vor. „Das ist nicht sehr geschickt. Es existieren Informationsdefizite.“ Kohl riet dem Wirtschaftsförderer, öfters den Kontakt zu den Gemeinderäten zu suchen, verstärkt zu erklären, „was Sie tun“ und auch „mit uns“ zu netzwerken.

Bittlinger erklärte dazu, dass der Halbjahresbericht schriftlich gewünscht worden sei. „Daran halte ich mich. Für manche war ich zu oft hier, auch als Zuhörer.“

Digitales Branchenverzeichnis geplant

Bei der ganzen Auseinandersetzung gerieten die Inhalte in den Hintergrund. So ist ein digitales Branchenverzeichnis geplant. Es wird bis Ende 2020 online gehen, hieß es. Dabei geht es nicht mehr nur um eine Verortung der Murnauer Unternehmen über eine Kartenansicht, sondern auch um 360- Grad-Ansichten und Rundgänge durch Fußgängerzone und Bahnhofstraße. Einzelhandel, Gastronomie und Gewerbe können wiederum 360-Grad-Innen-Ansichten und Shop-Lösungen integrieren. Doch es gibt noch ein „kleines datenschutzrechtliches Problem“, erklärte Bittlinger. Denn die Datenschutzgrundverordnung ermöglicht es aktuell noch nicht, Datensätze zwischen Gewerbeamt und Wirtschaftsförderung automatisiert auszutauschen. Für CSU-Rat Brey ist das jedoch kein kleines Problem, sondern „ein großes“.

Roland Lory

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