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Alles selbst gemacht: Rami Attal (r.) und seine Frau Reham mit dem ehrenamtliche Flüchtlingshelfer Wieland Gaum. 

Integration in Murnau

Syrische Küche im IQ: Flüchtlingsfamilie übernimmt Kantine

Eine Flüchtlingsfamilie hat die Kantine im Murnauer Innovationsquartier übernommen. Auf dem Speiseplan steht syrische Küche.

Murnau – Rami Attal knetet den Falafel-Teig, während seine Frau Reham frische Kräuter und geschnittenes Gemüse auf dem Tresen anrichtet. Es liegt ein Duft nach orientalischen Gewürzen in der Luft, der bald etliche hungrige Besucher in die Kantine des Murnauer Innovationsquartiers (IQ) locken wird.

Dort ist der 41-jährige Syrer seit etwa zwei Monaten als Gastronom tätig. Der vierfache Vater floh 2014 aufgrund der unsicheren politischen Lage aus seiner Heimat und lebt seit fünf Jahren in Murnau. Bei der Integration half ihm das ortsansässige Paar Wieland und Amparo Gaum. Die beiden lernten Rami samt Familie bei dem „Fest der Begegnung“ in Bad Kohlgrub kennen, wo Asylbewerber auf Einheimische trafen. Dies war der Grundstein für eine interkulturelle Freundschaft.

In der Folge halfen die Gaums den Attals bei der Wohnungssuche, begleiteten sie bei Behördengängen und unterstützten Rami während der Jobsuche. „Ich habe letztes Jahr insgesamt 53 Bewerbungen an unterschiedliche Firmen geschrieben und nur Absagen bekommen“, sagt der gelernte Stuckateur. Das war ein herber Schlag für den Flüchtling, der eine dreijährige Aufenthaltsgenehmigung hat. Untätig herumzusitzen kam für ihn nicht in Frage. Er wollte sich nützlich machen und den Menschen etwas zurückgeben, die ihn in seiner neuen Heimat aufgenommen hatten. Dank Wieland Gaums Kontakten bekam Rami schließlich die Stelle im IQ. Zusammen mit Reham (31), die gelernte Buchhalterin ist, hält er die Kantine erfolgreich am Laufen und bereichert den Speiseplan mit traditionellen Gerichten aus Syrien. Beispielsweise gibt es Hühnchen in Zitronensauce, Bulgur mit Gemüse und Falafel. Auch Süßspeisen wie das Blätterteiggebäck Baklava stellen Rami und Reham selbst her. Die beiden scheuen keine Mühen, um authentische und hochwertige Gerichte anzubieten. Auf dem Weg dahin erlernte Rami die deutsche Sprache und arbeitete sich in die Grundlagen der Gastronomie ein. Dabei bekam er Hilfestellung von seinem Bruder, der über langjährige Erfahrung in der Branche verfügt. Wieland Gaum ist vom Engagement seines syrischen Freundes begeistert: „Rami ist unglaublich tüchtig. Er zeigt sich sehr gastfreundlich und ist immer für ein Späßchen zu haben“, lobt der 80-jährige Pensionär. Bei den Gästen komme das sehr gut an.

Dies kann Murnaus Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der das IQ leitet, nur bestätigen: „Das ist vorbildliche Integration, und nicht nur Rami und seine Familie bereichern das Haus, sondern auch seine syrischen Gerichte. Das IQ ist eben ein Raum, wo vieles möglich ist und viele Menschen mit ihren Erfahrungen zusammenkommen.“ Ihm zufolge steht das Angebot der Kantine allen offen.

Da das Geschäft so gut läuft, will Rami expandieren. Er träumt von einem eigenen Imbiss-Stand in Murnau. Falls das klappt, könnten sein Bruder und dessen Frau in der IQ-Kantine aushelfen.

Was die Zukunft betrifft, hat der Familienvater einen dringenden Wunsch: einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland. „Es gibt keinen Weg zurück nach Syrien“, sagt er. Wer ein kleines Lokal oder einen Stellplatz an Rami Attal vermieten würde, kann sich bei Wieland Gaum melden unter der Rufnummer 0 88 41/62 63 33.

Constanze Wilz

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