Aufstellungsversammlung der Freien Wähler Murnau

Genug gefeuert: Waffenstillstand nach fünfeinhalb Jahren

Schluss mit Grabenkämpfen im Murnauer Gemeinderat: Die Freien Wähler um Welf Probst greifen mit einem gemeinschaftlichen Ansatz nach dem Bürgermeister-Amt. Ein Plan, der die konservativen Kräfte des Marktes eint.

Murnau – Am Ende spricht dann Anton Speer. Der Toni, den alle kennen. Der Landrat, den alle mögen. Das große Vorbild der Freien Wähler in Murnau. Sie wollen im Markt jetzt auch Politik machen wie der Toni im Landkreis – und am besten genauso erfolgreich sein. „Alle mitnehmen, niemanden an der Bushaltestelle stehen lassen“, lautet das Motto von Welf Probst, dem Bürgermeister-Kandidaten der Murnauer Freien.

Der Anfang seines Wahlkampfes steht für das Ende der Grabenkämpfe im Gemeinderat. „Keiner sollte sich alleingelassen fühlen“, betont der Sepp, wie ihn die Murnauer nennen. Das habe in den vergangenen sechs Jahren nicht funktioniert. Probst beließ es im Restaurant Zum Murnauer bei kleinen Spitzen gegen Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Es wird nicht mehr geschossen, weil schon genug gefeuert wurde. Waffenstillstand nach fünfeinhalb Jahren. Zu viele Emotionen bestimmten die Diskussionen, zu wenig Sachlichkeit, findet Probst. 

Seine Fraktion befand sich stets mittendrin in den Gefechten und teilte aus. Angefangen beim Bürgerbeirat, dem Geheim-Gremium der Eliten, der nicht zur Vertrauensbildung beigetragen habe. „Es gab viele Dinge, bei denen keiner mitgenommen wurde. Wir haben das öffentlich gesagt“, betont der Raumausstattermeister, der 27 von 28 Stimmen bei der Wahl zum Bürgermeisterbewerber erhielt. Doch seit Probst seine Kandidatur bekannt gegeben hat, hält er sich spürbar mit Kritik am Bürgermeister zurück. „Ich wüsste nicht, was das bringt“, sagt er gar am Mittwoch bei der Aufstellungsversammlung der Freien Wähler. 

Auffällig in den ersten Wochen des Wahlkampfes: Das konservative Lager setzt auf dieselbe Taktik. Mehr miteinander über Parteigrenzen hinweg, mehr Dialog mit Murnau – predigte erst Phillip Zoepf von „Mehr Bewegen“, dann Dr. Michael Rapp von der CSU und nun Probst. Wobei die Freien die Urheberrechte für sich beanspruchen. Schon unter Rapps Regentschaft (2002 bis 2014) habe er Fraktionssprecher-Treffen angeregt, streicht Probst heraus. Zuletzt gab es keinen derartigen Austausch Art mehr. „Wir müssen den Gemeinderat aktiver einbinden.“

Probst belässt es nicht bei einem Vorschlag, wie man es besser machen könnte. Er präsentiert direkte die Stützen seines gesamten Wahlprogramms, während die Konkurrenz von ÖDP/Bürgerforum und CSU bei ihren Versammlungen eher vage geblieben war. Ein kleiner Auszug der Ziele: Es braucht ein besseres Radwegenetz in den Außenbereichen, die Umfahrung (und zwar zügig), ein Stadtmarketing sowie eine Analyse, wie viele Wohnungen Familien und Senioren aus Murnau tatsächlich benötigen. Diese Themen haben die Freien in den vergangenen Monaten zusammengetragen. Sie treffen sich regelmäßig, laden Referenten zu ihren Vereins-Stammtischen ein. Entsprechend viele bekannte Gesichter aus dem Kreis finden sich auf der Gemeinderats-Liste wieder. Probst und Co. wehren sich gegen die Akquise von Überläufern, wie sie manche Kollegen betreiben. „Kommt bei uns nicht in die Tüte.“

Die Spitzenplätze nehmen die drei aktuellen Gemeinderäte Probst, Vize-Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens und Maria Schägger ein. „Unsere Zugpferde“, nennt sie Schägger, die einen vierten Sitz im Gremium als „persönlichen Wunsch“ äußert. „Fünf wären ganz schön.“ Als Jugendbeauftragte hat sie eine Reihe von Nachwuchs-Politikern (Simon Probst auf Rang vier, Lukas Wadle, Martin und Silvia Häringer) gewonnen. „Darauf sind wir echt stolz.“ 

Und ein kleiner Kniff beim Stimmenfang gelingt den Freien aus Murnau auch noch: Einstimmig beschließen sie, dem Gebietsverband der Freien Wähler Bayern beizutreten. Dadurch wird ihre Liste am 15. März 2020 an dritter Stelle auf dem Zettel aufgeführt – vor ÖDP, SPD und Mehr Bewegen.

Die Liste:

1. Welf Probst, 2. Julia Stewens, 3. Maria Schägger, 4. Simon Probst, 5. Monika Pflüger, 6. Dieter Gromball, 7. Rudi Sell, 8. Peter Hoyer, 9. Gerhard Lößlein, 10. Ulrich Pöttinger, 11. Evelyn Borlinghaus, 12. Martin Häringer, 13. Roger Zietz, 14. Lukas Wadle, 15. Anette Zander, 16. Angelika Bredl, 17. Hubert Zach, 18. Angelika Pfaffenberger, 19. Silvia Häringer, 20. Franz Wagner, 21. Elisabeth Schägger, 22. Peter Redl, 23. Helmut Schleich, 24. Clement Schägger. Ersatz: Herbert Specht, Niklas Probst.

Andreas Mayr

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