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„Willkommener Gast“ in der Kaserne sind 1987 laut einem Zeitungsbericht die Veteranen des Wehrmachtsverbands.

Werdenfelser Kaserne

Gedenkstein von Wehrmachtsveteranen ist Vergangenheit

2017 ließ die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Bundeswehr-Kasernen nach Wehrmachtsrelikten suchen. Auch in der Werdenfelser Kaserne wurden die Soldaten fündig. Ein Wandbild wurde überpinselt. Wie Tagblatt-Recherchen ergaben, wurde 2017 auch eine Plakette auf einem Gedenkstein entfernt.

Murnau – Es ist Mai 1987, als sich in der Werdenfelser Kaserne in Murnau die alten Kameraden versammeln. Erschienen sind ehemalige Wehrmachtssoldaten des Sonderverbandes 288 im Panzergrenadierregiment Afrika. „Am Gedenkstein wurde der Gefallenen und Verstorbenen des Sonderverbandes 288 gedacht“, schreibt damals das Murnauer Tagblatt. In der Kaserne sind sie „willkommener Gast“. Präsenz zeigt unter anderem der Obmann der 288er, Major a.D. Werner Kost, Autor eines Buches über „Gebirgsjäger in der Wüste Libyens“. Der Gedenkstein wird 1985 errichtet. In der Folge halten die Veteranen und deren Angehörigen ihr jährliches Kameradschaftstreffen in der Marktgemeinde ab.

30 Jahre später, 2017, gibt es ein Großreinemachen in den Bundeswehrkasernen. Nachdem Wehrmachts-Devotionalien auch in der Fürstenberg-Kaserne in Donaueschingen auftauchen, ordnet der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, die entsprechende Untersuchung aller Bundeswehrkasernen an. Landauf, landab werden in Militär-Liegenschaften Wehrmachtsrelikte entfernt. In Murnau trifft es ein Bild an der Wand im Speisesaal. Es zeigt drei Soldaten, die einen Wehrmachtshelm tragen und um ein Muli herumstehen. Die Kasernenführung lässt weißeln.

Wie eine Tagblatt-Nachfrage bei Presseoffizier Jenny Henning zeigt, gibt es den Gedenkstein des Sonderverbands ebenfalls seit 2017 nicht mehr. Beziehungsweise, er existiert in der Kaserne zwar noch, es wurde aber eine Plakette „entfernt und vernichtet“. Ob 2017 noch weitere Gegenstände mit Wehrmachtsbezug beseitigt wurden, kann Henning nicht sagen. Sie habe dazu keine Unterlagen. Bis wann die verbliebenen ehemaligen Soldaten des Sonderverbands 288 ihre jährlichen Zusammenkünfte abhielten, ist ihr zufolge nicht bekannt. Im Mai 1995 findet zumindest in Murnau noch eine „Gedenkfeier der 2. Gebirgsjägerkompanie Sonderverband 288“ statt. Dies ist einer Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Ortskameradschaft Mittenwald im Kameradenkreis der Gebirgstruppe zu entnehmen. „Nach heutigem Wissen gibt es keine Angehörigen des Verbandes mehr“, sagt Henning.

Rückblende ins Jahr 1941: Kurz vor dem Russlandfeldzug werden in Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald sowie in Füssen und Sonthofen eine Reihe von tropentauglichen Gebirgssoldaten für einen Sondereinsatz ausgemustert. Sie kommen nach Potsdam. Dort werden Soldaten aus unterschiedlichen Truppenteilen, Waffengattungen und Spezialeinheiten zusammengezogen, um am 24. Juli 1941 zum Sonderverband 288 versetzt zu werden. Ein Teil davon ist eine Gebirgsjägerkompanie.

Der Sonderverband war eine vollmotorisierte Einheit der deutschen Wehrmacht. Er wurde aufgestellt für den Einsatz im Irak, Iran und Indien. Der Verband hatte mit gut 2000 Mann die Stärke eines Regimentes. Im Juni 1942 ist er an der Erstürmung der Wüstenstellung Bir Hacheim und der folgenden Eroberung von Tobruk (Libyen) beteiligt. Hitler befördert anschließend den als „Wüstenfuchs“ verehrten Erwin Rommel zum Generalfeldmarschall.

Roland Lory

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