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Einzigartige Kulturlandschaft: Blick auf das Murnauer Moos.

Intensive Debatte im Murnauer Gemeinderat

Deutliche Mehrheit für UNESCO-Weltkulturerbe

Das war deutlich: Murnaus Gemeinderäte haben am Donnerstag mit 16:8-Stimmen für die Bewerbung zum UNESCO-Weltkulturerbe gestimmt.

Murnau – Sie haben es sich nicht leicht gemacht, die Murnauer Marktgemeinderäte. Mehrere Redner betonen am Donnerstagabend, dass sie beziehungsweise ihre Fraktion hin- und hergerissen seien. Das Thema UNESCO-Weltkulturerbe steht auf der Tagesordnung. Der Besucherandrang ist beträchtlich. Vergangene Woche hatte der Bauausschuss sich mit 6:5 Stimmen gegen eine Bewerbung des Landkreises ausgesprochen.

Lange Debatte 

Anderthalb Stunden befassen sich die Gemeinderäte mit der Sache. Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) wird am Ende sagen: „Das war eine der besten Diskussionen, die wir in letzter Zeit geführt haben.“ Wäre es der Bundestag, würde man von einer „Sternstunde des Parlaments“ sprechen, betont Manlik.

Bürgermeister dafür

Zu Beginn empfiehlt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) zuzustimmen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir davon einen Nutzen haben.“ Allerdings sei es nötig, die Besucher zu lenken und ein Verkehrsmanagement zu installieren. Dies sieht auch Landrat Anton Speer (Freie Wähler) so. Er wirbt eindringlich für eine Bewerbung. „Es ist wichtig, kritisch zu sein, aber es ist auch wichtig, Chancen zu erkennen. Diese Chance bekommen wir nie wieder.“ Das Prädikat Weltkulturerbe könne aus Speers Sicht helfen, „den Idealismus der Bewirtschafter in Zukunft aufrecht zu erhalten“. Auch Jakob Schönach, Eschenloher Ortsobmann des Bauernverbands und Mitglied der Steuerungsgruppe, sprach sich für die Bewerbung aus. Für ihn ein wichtiger Punkt: Die Basis darf entscheiden. „Das war bei früheren Schutzgebiets-Ausweisungen nicht so.“

Touristenströme im Fokus

Christian Bär, Direktor des Hotel Alpenhof und Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands, zeigt Verständnis für Ängste vor Touristenströmen. Die gibt es freilich bereits. Laut Bär liegt das aber nicht an der Werbung der Hotellerie und Gastronomie, sondern an den sozialen Netzwerken. „Wenn die Leute das sehen, kommen sie hierher.“ Denn sie „fahren dahin, wo es am Schönsten ist“. Bär sieht eine „Chance“ im Weltkulturerbe-Status. „Aber wir müssen uns mit den Touristenströmen befassen, die mit und ohne UNESCO kommen.“

Nachdenkliche Worte

Dass ein „Overtourismus“ entsteht, glaubt Manlik nicht. Außerdem: „Dann hätten wir auch nicht die Biologische Station befürworten dürfen. Die bringt auch zusätzliche Touristen in die Region.“ Nachdenklich zeigt sich sein Fraktionskollege Holger Poczka. „Gefährdet dieses Mehr an Tourismus nicht das, was wir eigentlich schützen wollen, nachdem der Tourismus in unserer Region schon heute an Wachstumsgrenzen stößt? Könnte das nicht der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt?“ Zudem befürchtet Poczka, dass die Gegend noch unerschwinglicher wird und die Bodenpreise steigen. Die Arbeitsplätze im Niedriglohnbereich in Hotellerie und Gastronomie werden seiner Meinung nach zunehmen. Aus Sicht von Hans Kohl (Grüne) drohen „Effekte, die wir nicht im Griff haben“, wobei er Busse auf Schlössertour nennt.

Versuch wagen

Anders sieht es Phillip Zoepf (Mehr Bewegen). „Wir sollten versuchen, es zu wagen, statt heute einen Riegel vorzuschieben.“ Dem Tourismus nutze das Prädikat und der Landwirtschaft auch.

Befürworter in der Mehrzahl

Am Ende der Diskussion, in der sich insbesondere die Skeptiker zur Wort melden, sind die Befürworter deutlich in der Mehrzahl. Mit 16:8 Stimmen sprechen sich die Volksvertreter am Ende für die Bewerbung aus, die unter anderem das Murnauer Moos umfasst. Herausgenommen werden sollen allerdings ein paar Flächen. Diese befinden sich in der Nähe des Klärwerks nördlich der Ramsach, südlich von Westried, westlich der Straße nach Grafenaschau und im Uferbereich des Froschhauser Sees.

Roland Lory

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