Sind froh über das Netzwerk im IQ und halten, natürlich mit gebührlichem Abstand, neben vielen anderen Mietern die Stellung: (v. l.) Dominikus Brettner, Robert Langer, Clemens Deyerling, Mathias Blitz, Wolfram Tannhäuser und Sebastian Fricke.
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Sind froh über das Netzwerk im IQ und halten, natürlich mit gebührlichem Abstand, neben vielen anderen Mietern die Stellung: (v. l.) Dominikus Brettner, Robert Langer, Clemens Deyerling, Mathias Blitz, Wolfram Tannhäuser und Sebastian Fricke.

Die Folgen der Corona-Krise

Innovationsquartier Murnau: Kopf in Sand stecken ist keine Option

Das Murnauer Innovationsquartier ist momentan wegen der Corona-Krise nicht mehr frei zugänglich. Doch hinter den verschlossenen Türen wird fleißig gewerkelt.

Murnau – Ruhig ist es in den Gängen des ehemaligen Krankenhauses – keine Kinderstimmen, kein Kantinenbetrieb. Kurse der VHS finden nicht statt, weder Kinderbetreuung noch Veranstaltungen. Normalerweise steht die gläserne Eingangstür im Murnauer Innovationsquartier (IQ) allen offen – in Zeiten von Corona jedoch ist das Gebäude nun nicht mehr frei zugänglich. Das heißt aber nicht, dass hinter verschlossenen Türen nicht eifrig gewerkelt wird – schließlich dient die Einrichtung des Marktes der Förderung von Kultur- und Kreativwirt-schaft. Etliche produktive Köpfe arbeiten hier Raum an Raum.

„Wir sind arg gebeutelt“

Wie ist die Stimmung bei den Mietern, mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen? Dominikus Brettner vom Design Start-up PinkStories vertreibt seit 2017 weltweit grafisch designte Produkte aus Papeterie und Textilveredlung. Sein Team ist besonders betroffen, da die belieferten kleinen Läden jetzt alle geschlossen sind und teilweise sogar Ware zurückschicken. „Zum Glück hatten wir noch die Messen am Jahresanfang, doch jetzt im April und Mai wird der Umsatz zu 90 Prozent einbrechen“, resümiert Brettner, der den Betrieb erst mal für zwei Monate auf ein Minimum herunterfahren will. „Wir sind arg gebeutelt, doch es wird weitergehen – gerade im Online-Bereich entsteht gerade sehr viel Neues, es wird zum Beispiel virtuelle Messen geben.“ Clemens Deyerling von Oberland Mobilität (omobi) ist froh, dass sein Unternehmen weitermachen kann. Das Konzept: Nachhaltige und einfache Mobilität auf dem Land für jedermann entwickeln als Gegenentwurf zum hohen Privatverkehr. „Ab 1. Juli soll der mobile Ortsbus in Murnau realisiert sein, da gibt es gerade sehr viel zu tun. Weggebrochen ist natürlich das Geschäft mit privatem Lieferservice oder Shuttlefahrten zum Flughafen, öffentliche Verkehrsmittel benutzt momentan niemand gern.“

Alle sitzen in einem Boot

Filmproduzent Sebastian Fricke betont, wie froh er derzeit wieder sei, im IQ arbeiten zu können. „Wir haben hier ein Refugium – zuhause im Homeoffice mit zwei kleinen Kindern, wie soll man sich da konzentrieren“, fragt sich der Familienvater, der unter anderem Werbespots und Imagefilme produziert. Auch er ist von der aktuellen Situation direkt betroffen, Dreharbeiten sind nicht genehmigt, mindestens drei Leute sind schließlich daran beteiligt. Werbung für Großveranstaltungen, die bis auf weiteres nicht stattfinden, ist natürlich derzeit auch kein Thema. „Genau jetzt im Frühjahr würden wir verstärkt produzieren – ich bin schon sehr betroffen und rechne alle Eventualitäten durch, doch das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken“, motiviert sich Fricke selbst. Mathias Blitz, ebenfalls Filmschaffender (Picture Look Filmproduktion), sagt: „Wir sitzen alle in einem Boot, die Situation ist angespannt, aber wir versuchen hier gemeinsam, neue Wege zu gehen.“

Kurzarbeit angemeldet

Wolfram Tannhäuser, ärztlicher Leiter von MOS Medical Helpline GmbH, spürt die Auswirkungen der weltweiten Krise besonders hautnah – ärztliche Betreuung und Patiententransport global ist sein Metier. „Wir haben schon einmal so eine Krise erlebt, nach den Terroranschlägen am 11. September 2001, damals war eineinhalb Monate der Flugbereich betroffen, doch jetzt reist gar niemand mehr“, erinnert sich Tannhäuser. Über 500 Schadensfälle wurden noch im Februar betreut, derzeit gehe es quasi gegen Null. „Momentan können wir die Leute nicht nach Hause ,retten‘, sondern nur ,Seelenmassage‘ aus der Ferne betreiben, viele Kunden hängen durch die Pandemie im Ausland fest und müssen auf Rückholaktionen warten.“ Man habe für April Kurzarbeit angemeldet, habe aber schon einmal eine große Krise gemeistert und werde es auch diesmal schaffen, davon ist er überzeugt. 

Noch Aufträge für ein paar Wochen

Robert Langer von tangible waves, der im IQ modulare Synthesizer produziert, ist froh, dass er noch vier bis sechs Wochen lang Aufträge abarbeiten kann, verzeichnet aber seit einer Woche ebenfalls massive Bestell-Einbrüche. „Die chinesischen Zulieferer sind allerdings wieder am Start, da merkt man keine Einschränkungen mehr.“ Ebenso wie seine Kollegen ist er froh über die Bedingungen vor Ort im IQ, die Vernetzung untereinander, die Unterstützung durch den Markt Murnau und dessen Wirtschaftsförderer.

Breit aufgestellt

Jan-Ulrich Bittlinger, derzeit an allen Fronten unterwegs, betont, dass zum Glück zumindest die Software-Branche im Innovationsquartier nicht von der Krise betroffen sei und weiterarbeiten könne – „gut, dass wir uns da so breit aufgestellt haben“.

Barbara Jungwirth

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