Viele Senioren zählten zur Klientel des Bewegungsgartens (Symbolfoto).
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Viele Senioren zählten zur Klientel des Bewegungsgartens (Symbolfoto).

Debatte um Reha-Sport-Einrichtung im Murnauer Kemmelpark

Nach dem Ende des Bewegungsgartens: Inhaberin meldet sich zu Wort

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Sie möchte keine schmutzige Wäsche waschen, keine Schuldzuweisungen verteilen. Ursula Feuerer möchte einen „versöhnlichen Ausblick“. Die Inhaberin des beliebten „Bewegungsgartens“ im Murnauer Kemmelpark meldet sich zu Wort.

Murnau – Zum Hintergrund: Im Marktgemeinderat hatte es vergangene Woche eine emotionale Debatte gegeben, in der es auch um die frühere Reh-Sporteinrichtung ging. Der Bewegungsgarten, der in einer gemeindlichen Liegenschaft (Gebäude 120) angesiedelt war, musste dicht machen. Am 15. März, wegen Corona. Kritik äußerte Gemeinderat Felix Burger (SPD). Rathauschef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) hätte seiner Meinung nach mehr Entgegenkommen zeigen und einen beherzteren Rettungsversuch unternehmen müssen. Der Bürgermeister ließ in der Debatte die Attacken abprallen und wies die Vorwürfe zurück. In den Räumen soll eine zusätzliche Kindergartengruppe eingerichtet werden.

Sozialer Treffpunkt

Feuerer will auf diese Debatten gar nicht näher eingehen. Vor 20 Jahren hatte sie den Bewegungsgarten gegründet. Die ersten Jahre arbeitete die 58-Jährige auch mit Kindern, später nur noch mit Älteren. Er war eine Plattform für selbstständige Kursleiter und Therapeuten. Diese waren Untermieter Feuerers. Sie selber hatte zwölf Gruppen à 15 bis 17 Menschen, insgesamt machte sie mit rund 200 Bürgern Reha-Sport. „Das war nicht nur ein Wirtschaftsunternehmen, sondern ein sozialer Treffpunkt“, betont die 58-Jährige. Ein Forum „für sehr viele ältere Menschen“. Menschen, oft weit über 70 Jahre alt, Senioren, die eine Hüft- oder Knie-Operation hatten, die Osteoporose, Asthma, Diabetes oder Übergewicht hatten oder auch frühere Krebspatienten. In Corona-Zeiten also definitiv Hochrisikopatienten.

Gesundheit hat „oberste Priorität“

„Es stand relativ schnell fest, dass es in diesem Jahr mit dem Arbeiten nichts mehr werden wird“, sagt Feuerer. Wirtschaftlichkeit sei das eine. Doch Gesundheit habe „oberste Priorität“. Daher war für die Inhaberin klar: „Ich veranstalte nichts, wo sich die Leute wie bei einem Hotspot anstecken. Da bewegt man sich auf großes Glatteis.“

Die Reißleine gezogen

Der Bewegungsgarten war nach Feuerers Worten ein „gesundes Unternehmen. Es hat gepasst“. Doch dann zog sie coronabedingt die Reißleine und kündigte. „Ich bin nicht pleite gegangen und bin nicht rausgeekelt worden“, unterstreicht sie. „Ich wollte keine Mietschulden anhäufen.“ Zur Stundung sei sie nicht bereit gewesen. „Ich hätte mir einen Kostenerlass gewünscht.“ Feuerer will zwei Gemeinderäte lobend erwähnen, von denen sie Unterstützung erfuhr: Felix Burger und CSU-Fraktionschef Rudolf Utzschneider. Die Höhe der Miete für die 150 Quadratmeter will Feuerer, die früher Leiterin der Bewegungstherapie in der Klinik Hochried war, nicht nennen. Nur so viel: „Die Gemeinde hat mir nichts geschenkt. Aber es war preislich adäquat.“

Feuerer blickt nach vorn

Im Zentrum steht aus Feuerers Sicht aktuell nicht die Frage, ob der Bewegungsgarten mit mehr Hilfe noch da wäre. Sondern die Frage: Was kann man jetzt tun? „Gute soziale und bewegungstherapeutische Begleitung älterer Menschen wird immer wichtiger.“ Die 58-Jährige will für diese Klientel auch künftig einstehen. Sie hält es für denkbar, sich bei entsprechenden Projekten ehrenamtlich einzubringen – oder selbst eines Tages wieder Reha-Sport anzubieten.

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