Die blühende Idylle zwischen Pfarrhaus, Kirche und Schulgarten genießt Dekan Siegbert Schindele.
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Die blühende Idylle zwischen Pfarrhaus, Kirche und Schulgarten genießt Dekan Siegbert Schindele.

Katholische Kirche

Mittelsmann zwischen Pfarreien und Bischof: Der neue Dekan Siegbert Schindele

Er betrachtet sein neues Amt als „verantwortungsvolle und auch schöne Aufgabe“: Siegbert Schindele, Pfarrer von St. Nikolaus und Leiter der Pfarreiengemeinschaft Murnau, ist neuer Dekan im Dekanat Benediktbeuern. Was genau ein Dekan ist und was alles auf ihn zukommt, darüber hat das Tagblatt mit dem Geistlichen gesprochen.

Murnau – Als Pfarrer Siegbert Schindele vor elf Jahren in die Marktgemeinde Murnau kam, hatte er schon zehn Jahre Dekan-Erfahrung in Memmingen gesammelt. „Eine Amtszeit beträgt sechs Jahre, meine zweite wurde dann durch den Wechsel nach Murnau unterbrochen“, erzählt der gebürtige Ronsberger.

Nachfolger von Robert Walter

Seit 2015 hatte er das Amt des Prodekans von Benediktbeuern inne, musste daher auch jetzt das Wahlverfahren einleiten. „50 hauptamtlich im Dekanat angestellte Kirchenmitarbeiter schlagen je drei Kandidaten vor, die sie für das Amt geeignet halten. Die Stimmen werden ausgezählt. Bischof und Generalvikar beraten sich, dann kommt der Anruf, man wird gefragt und ist ab sofort für die nächsten sechs Jahre im Dienst, als Mittelsmann zwischen den Pfarreien und dem Bischof“, erläutert Schindele. „Aus ganz triftigen Gründen könnte man Nein sagen, doch in der Regel übernimmt man diese verantwortungsvolle und auch schöne Aufgabe gerne – die Kontakte zu den vielen anderen Pfarreien sind sehr bereichernd.“ Schindele sagte Ja und tritt damit die Nachfolge des verstorbenen Dekans Robert Walter an.

Viel zu organisieren

Die Aufgaben sind vielfältig: Monatliche Treffen gilt es zu organisieren, meist trifft man sich im Kloster Benediktbeuern, zudem sind Einkehrtage oder Besichtigungen diverser Einrichtungen vorgesehen. Einmal pro Jahr gibt es einen gemeinsamen Ausflug – coronabedingt hat der neue Dekan die vom Vorgänger geplante Fahrt nach St. Georgenberg (Tirol) in eine Schifffahrt über den Staffelsee nach Uffing mit Besuch des Grabes von Robert Wal-ter sowie einer Messefeier auf der Insel Wörth umorganisiert. „Nachdem Bischof und Generalvikar nicht überall sein können, wird die Diözese in Dekanate aufgeteilt, der Dekan ist der erste Ansprech-partner bei Problemen in den Pfarreien. Momentan ist es sehr viel Arbeit, denn durch den plötzlichen Tod Robert Walters war keine geordnete Übergabe möglich“, sagt Schindele. „Coronabedingt läuft ja in der Pfarrei alles noch auf Sparflamme – Erstkommunion, Firmung, Hochzeiten, alles wurde auf Herbst oder nächstes Jahr verschoben. Darüber bin ich jetzt heilfroh, denn es dauert, bis sich alles eingespielt hat.“

Hoffen auf die Assisi-Fahrt

Viel gibt es auf Dekanatsebene zu tun: im Bereich Gottesdienste, Ökumene, Schulen, Seniorenheime, auch die Installation von Neupriestern fällt in seinen Aufgabenbereich. Kürzlich galt es bereits, ein Treffen mit dem neuen Bischof Bertram zu organisieren. Hauptanliegen: den Gläubigen möglichst bald bei einem würdigen Requiem den Abschied von Dekan Walter zu ermöglichen. Auch die von Schindele mit viel Herzblut für heuer geplanten Fahrten nach Israel und Frankreich müssen entfallen. Er hofft jetzt auf die traditionelle Assisi-Fahrt mit den Jugendlichen 2021. Die erlebnisreichen Touren der Pfarreiengemeinschaft für junge Leute auf Dekanatsebene zu öffnen, auch das sieht der Geistliche als Aufgabe in seinem neuen Amt. „Dass die Fahrten ausfallen müssen, ist nicht das Schlimmste. Mein größter Wunsch ist das Zurückgewinnen der in den letzten Wochen verloren gegangenen Kirchenbesucher,“ sagt ein Priester, für den das Wort „Freiwilligkeit“ einen enorm hohen Stellenwert hat. „Ich lade immer freundlich ein, ob zu Gottesdiensten oder Dekanatssitzungen – Zwang bringt gar nichts“, davon ist der Ostallgäuer überzeugt. „Ab jetzt ist das Maskentragen im Gottesdienst ja freiwillig – mal sehen, was passiert.“

Homepage aufgepeppt

Glücklich ist er darüber, dass er sich im Bibelgesprächskreis wieder mit Jugendlichen austauschen und Themen diskutieren kann. Auch einige persönlich positive Effekte verbindet Pfarrer Schindele mit der Coronakrise: „Ich hatte noch nie in meinem Leben so viel Zeit zum Lesen, außerdem habe ich digital enorm dazugelernt und schreibe jetzt mit Begeisterung Mails. Besonders freut mich, dass wir unsere Pfarreien-Homepage aufgepeppt haben – davor hab ich mich immer gedrückt.“ Die feierliche Amtseinführung steht noch aus. Möglicherweise klappt es im Herbst.

Barbara Jungwirth

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