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Aus und vorbei: Seit 5. August ist der Laden an der Postgasse geschlossen. Er hatte großteils Stammkunden.

Nahversorgung in Murnau

Zu viele Baustellen: „Staffelsee-Kramer“ macht dicht

Rückschlag für die Nahversorgung im Murnauer Ortskern: Der „Staffelsee-Kramer“ an der Postgasse hat geschlossen. Betreiberin Susanne Binder nennt Einbußen durch wiederholte Baustellen als Grund. Die nächste im kommenden Jahr will sie nicht mehr mitmachen.

Murnau – 2013 machte in der Murnauer Fußgängerzone die Tengelmann-Filiale dicht – und hinterließ eine Lücke. Viele Kunden mussten in der Folge zu einem der Supermärkte am Ortsrand fahren. Zwei Jahre später konnte die Lücke geschlossen werden. Denn Susanne Binder öffnete ihren „Staffelsee-Kramer“ in der ehemaligen Bäckerei Friedrich an der Postgasse – vorwiegend mit Artikeln für den täglichen Bedarf.

Vier Jahre später hat sie den Laden jetzt aufgegeben. Er ist seit 5. August geschlossen. Binder zieht die Reißleine. Die Betreiberin, die großteils Stammkunden hatte, spricht von einer „wirtschaftlichen Entscheidung“. Sie hatte wiederholt Baustellen vor der Tür. Für 2020 wurde die nächste angekündigt. „Die Einbußen sind so, dass ich sie nicht noch einmal tragen werde“, erklärt die Geschäftsfrau. Es gehe nicht nur um die sechs oder acht Wochen Baustelle. „Es dauert drei bis fünf Monate, bis ich wieder auf einem normalen Level bin. Die Kunden gewöhnen sich um.“ Bis die alle wieder kommen, vergehe viel Zeit. Zwei Baustellen in den vergangenen Jahren reichen ihr jedenfalls. „Das will ich nicht mehr.“

Die Entwicklung stimmt sie „sehr traurig. Doch ich bin nicht verbittert. Vielleicht gibt es ja jemanden, der dieses Kleinod übernimmt“. Binder würde sich darüber freuen. Es haben sich auch schon welche telefonisch bei ihr gemeldet. Die Möbel lässt sie jetzt erstmal drin. Sie will abwarten, ob sich jemand herauskristallisiert, der den Laden weiterbetreibt. Der Mietvertrag läuft noch bis Ende Oktober.

Acht Menschen waren beim „Staffelsee-Kramer“ beschäftigt, teilweise Halbtagskräfte, teils Minijobber. Bei zwei Mitarbeitern hat Binder den Kontakt zu anderen Ladenbetreibern hergestellt, damit sie dort möglicherweise arbeiten können.

Was positiv ist: Binder kann relativ viel Ware nach Riegsee in den dortigen Kramerladen, wo sie Mitbetreiberin ist, mitnehmen und verkaufen.

Wolfgang Köglmayr, Miteigentümer der Immobilie, die den „Staffelsee-Kramer“ beherbergte, weiß noch nicht, wie es damit weitergeht. „Wir sind für alles offen. Mal schauen, was sich ergibt. Etwas Richtung Lebensmittel wäre nicht schlecht.“ Köglmayr fände es gut, wenn die Geschäfte an der Postgasse mal drei Jahre „Verschnaufpause“ ohne Baustelle hätten. So sieht es auch Binder. 

 Für 2020 visiert die Marktgemeinde Murnau jedenfalls ein Straßenbauprojekt an der Postgasse im Zuge der Neugestaltung der Bahnhofstraße an. Währenddessen „achtet der Markt Murnau jedoch darauf, dass die Geschäfte jederzeit fußläufig erreichbar sind und Lieferverkehr möglich ist“, erklärt Rathaus-Sprecherin Nina Herweck-Bockhorni. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sagt, er „bedauere die Schließung, hoffe jedoch, dass der Betrieb mit neuem Konzept wiedereröffnet. Nach der Umgestaltung der Postgasse wird diese eine deutlich höhere Aufenthaltsqualität bieten“.

Zur Erinnerung: Wegen der Fernwärme-Baustelle im vergangenen Jahr hatten Geschäftsleute einen Brandbrief ans Rathaus geschickt.

Roland Lory

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