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Dicht: das Lido Beach & Burger.

Was passiert mit Seezugang in Murnau?

Nach Höller-Kündigung: Strandbad-Betrieb am Staffelsee in Gefahr

Murnau– Es ist ein heißes Eisen. Anscheinend gleich so heiß, dass die Marktgemeinde Murnau bei Nachfragen ziemlich auf Tauchstation geht. Es geht um die Zukunft des Badebetriebs im Naturbad am Staffelsee. Kurt Höller, der dort das Lokal Lido Beach & Burger betrieb, hat der Gemeinde überraschend seine Kündigung mitgeteilt.

Kommune hält sich mit Informationen zurück

Somit ist aktuell fraglich, ob im Mai auf dem Gelände gebadet werden kann und ob sich bis dahin ein Pächter findet. Rathaussprecherin Annika Röttinger teilt mit, dass die Kommune „derzeit keine weiteren Auskünfte über das Strandbad geben“ könne. Sie bittet um Verständnis, „dass wir die Situation erst mit dem Gemeinderat besprechen möchten, bevor wir neue Informationen an die Öffentlichkeit geben“. Das Gremium entscheide über das weitere Vorgehen. „Das Thema hat für uns hohe Priorität. Derzeit befassen wir uns mit verschiedenen Optionen.“ Mehrere Fragen lässt das das Rathaus unbeantwortet. Somit ist unklar, ob und wann die Gemeinde ein Ausschreibungsverfahren startet. Auch die Frage, ob es die Gemeinde für realistisch hält, bis zum Start der Badesaison einen Nachfolger für Höller zu finden, bleibt offen.

Es muss wohl einiges renoviert werden

Hans Kohl, der für die Grünen im Marktgemeinderat sitzt, kann sich nicht vorstellen, dass das klappt. Seiner Meinung nach muss einiges gemacht, also renoviert werden. „Ein neuer Pächter wird das nicht einfach so übernehmen. Er wird gewisse Forderungen stellen.“

Kohl für Zwischenlösung

Da es seiner Ansicht nach einem Schildbürgerstreich gleich käme, der Bevölkerung und den Gästen den Zugang zum See an dieser Stelle längerfristig unmöglich zu machen, beantragt Kohl eine Zwischenlösung. Diese geht so: Der Seezugang wird ab der Badesaison 2020 als Badestelle deklariert. Der Zugang ist damit jederzeit möglich und kostenfrei. Alle Attraktionen wie der Sprungturm sowie Installationen wie der Steg werden, soweit das eine Haftungsfreistellung der Kommune erfordert, abgebaut. Die Gastronomie könnte in reduzierter Form weiterbetrieben werden. „Wir müssen das Bad aufmachen“, betont Kohl.

Gramer: Brauchen Strand

Das sieht auch Tourismusreferent Sepp Gramer (ÖDP/Bürgerforum) so. „Wir brauchen den Strand unbedingt.“ Er plädiert ebenfalls dafür, den Gästen heuer freien Eintritt zu gewähren und Sprungturm sowie Floß zu entfernen. „Eine andere Lösung werden wir nicht herbringen.“ Eine Badeaufsicht wäre damit nicht nötig. 

Zoepf: In den Aktionsmodus schalten

Eine ähnliche Richtung schlägt Bürgermeisterkandidat Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) ein: Er plädiert dafür, den Badebetrieb in jedem Fall aufrecht zu erhalten und hierfür alle Vorkehrungen zu treffen – notfalls auch ohne gastronomischen Betrieb. „Dazu gehört natürlich auch, das Seemobiliar abzubauen.“ Für ihn ist die Gemeinde aber nicht mit Eifer bei der Sache, sondern behandle das „drängende Thema“ stiefmütterlich: „Wir sollten vom Reaktionsmodus in den Aktionsmodus schalten.“ Die Überplanung der Murnauer Bucht habe hohe Priorität. Zwar sei er sich bewusst, dass auch andere wichtige und kostenintensive Projekte anstehen – etwa der kommunale Wohnungsbau –, dennoch dürften hier die Kräfte nicht nachlassen. „Die Murnauer Bucht ist schließlich die Visitenkarte für unseren Tourismus.“ Umso mehr, als gerade Passionsjahr in Oberammergau sei: „Viele Besucher werden auch nach Murnau kommen.“

Probst: Kein Schnellschuss

Welf Probst, Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, hält nichts von einem Schnellschuss. „Es sind viele Fragen zu klären. Eine Übergangslösung kann schnell zu einem Dauerzustand werden. Ich möchte, dass das Naturbad so erhalten bleibt, wie es ist.“ Es gelte, mit kühlem Kopf vorzugehen. Probst, der von einer „saublöden Geschichte“ spricht, plädiert dafür, schnellstmöglich das Konzept zur Überplanung der Bucht zu entwickeln. Kohl glaubt, dass das kurz-/mittelfristig nicht umsetzbar ist. Im Rahmen der Gemeinderatsklausur in Irsee „wurde hierfür ein Planungshorizont von fünf bis acht Jahren veranschlagt“.

Roland Lory und Rafael Sala

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