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Da hing das Schild noch: Die Tafel am Murnauer Maibaum sorgt für Debatten.

Umstrittenes Schild wird am Samstag wieder montiert

Murnauer Trachtenverein macht Rolle rückwärts:  Taferl kommt wieder an den Maibaum

Der Murnauer Trachtenverein macht eine Rolle rückwärts: Am morgigen Samstag wollen die Brauchtumsbewahrer das Taferl mit dem umstrittenen Spruch wieder am Maibaum aufhängen. Kritiker Joachim Lobewein findet diesen Schritt unbegreiflich.

Murnau – Es ist ein Thema, das die Menschen sehr bewegt. Davon legen zahlreiche Leserbriefe beredtes Zeugnis ab. Viele können die Kritik an dem Murnauer Maibaum-Spruch nicht nachvollziehen, andere hingegen schon. Er lautet: „Liebe die Heimat und deren Sitten – dann brauchst du nicht um Fremdes bitten“. Vor etwa zehn Tagen entfernte der Trachtenverein in einer Hauruck-Aktion die Tafel. Damit Ruhe ist. Zuvor hatte sich der Seehauser Joachim Lobewein mehrfach kritisch zu dem Text geäußert, den man „als fremdenfeindlich wahrnehmen“ könne. Unter anderem hatte er eine Ein-Mann-Demo am Maibaum veranstaltet. Aber auch im Ortszentrum tat er seinen Unmut kund.

Verein macht Rolle rückwärts

Nun macht der Trachtenverein eine Rolle rückwärts. Am morgigen Samstag wollen die Ausschuss-Mitglieder am Maibaum eine Leiter hinstellen und das Taferl um 13 Uhr wieder festschrauben. „Und da bleibt es auch“, betont der stellvertretende Vorsitzende Christoph Lautner. „Das gehört einfach wieder hin. Das Schild ist nicht fremdenfeindlich. Wir haben uns nichts vorzuwerfen, machen nichts Unrechtes.“ Die Entscheidung haben nach Lautners Angaben die Ausschussmitglieder gefällt. Einstimmig. Der Vize-Vorsitzende ist auch nicht der Meinung, dass eine ergänzende, erklärende Tafel in Maibaum-Nähe angebracht werden soll. Laut mündlicher Überlieferung bezieht sich das Schild auf die Auswanderung etlicher Vereinsmitglieder in der Zeit um 1900. Diese Erklärung sei mehrmals veröffentlicht worden, sagt Lautner.

Kritiker ist konsterniert

Kritiker Lobewein zeigt sich konsterniert, dass der Trachtenverein die Tafel wieder am Maibaum anbringen will. „Das ist der Hammer. Das darf doch nicht wahr sein. Es ist nicht nachvollziehbar, wie man so stur sein kann.“ Ein Hinweisschild wäre nach Meinung des Seehausers „das Mindeste“. Der öffentliche Raum sei eine sensibel Angelegenheit. „Da kann man nicht sagen, das war schon immer so, und so soll es bleiben.“

Zwei „Empfehlungen“

Lobewein ist ungehalten. „Mit dem, was in der heutigen Zeit politisch aufkommt, wo klare Zeichen gesetzt werden müssen, dieses Schild so unverfroren zurückzuhängen, heißt, dass es nach wie vor gültig ist.“ Der Seehauser hätte zwei „Empfehlungen“: Das Schild solle „entweder ins Heimatmuseum – oder an die europäischen Außengrenzen, in mehrere Dutzend Sprachen übersetzt. Das wären zwei Alternativen, die Sinn ergeben“.

Roland Lory

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