Kundgebung am Kemmelpark: Rund 300 Menschen verfolgen die Ausführungen der vier Corona-Kritiker vor Ort.
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Kundgebung am Kemmelpark: Rund 300 Menschen verfolgen die Ausführungen der vier Corona-Kritiker vor Ort.

Schmährufe, Pfiffe, Anzeigen

Kundgebung von Corona-Kritikern in Murnau: Redner provozieren: „Schämt euch!“ - Polizei muss eingreifen

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Rund 300 Teilnehmer haben bei einer Kundgebung von Corona-Kritikern in Murnau teilgenommen – die Polizei musste durchgreifen, weil sich manche nicht an die Vorgaben hielten.

  • Auf dem Murnauer Volksfestplatz fand am Dienstag eine Kundgebung von Corona-Gegnern statt.
  • Ein Teil der 300 Teilnehmer demonstriert ohne Maske.
  • Die Polizei muss Schmährufe und Pfiffe über sich ergehen lassen.

Murnau – Um 10.45 Uhr ist noch alles ruhig. Die Polizei hat Posten bezogen rund um den Murnauer Volksfestplatz. Die jungen Beamten sprechen mit Passanten, weisen auf die Regeln hin. Das Gelände am Eingang zum Kemmelpark ist in zwei Zonen aufgeteilt. In eine schmale auf der Seite der Supermärkte und eine große in Richtung der B2. Abgetrennt mit rot-weißem Trassierband.

Murnau: Kundgebung von Corona-Kritikern - etwa 300 Teilnehmer kommen - viele ohne Masken

Denn eines ist klar: Das Landratsamt hat zur Auflage gemacht, dass maskenbefreite Demonstranten nicht mit den anderen Teilnehmern vermischt werden sollen. Am nördlichen Eingang kontrolliert die Polizei die persönlichen Daten und die zugehörigen ärztlichen Atteste, die die Menschen von der Maske befreien. Eine Schlange bildet sich dort am Dienstfahrzeug. Am Ende sind es rund 40 Versammlungsteilnehmer, die in diesem separaten Bereich die Veranstaltung verfolgen.

Gegen 11 Uhr füllt sich der Parkplatz langsam. Demonstranten bringen Pappschilder mit. Das Interesse an der „Corona-Info-Tour“, wie die Aktivisten um Dr. Bodo Schiffmann und Prediger Samuel Eckert ihre Roadshow betitelt haben, ist definitiv vorhanden. Seit Ende September tuckern sie damit durch Deutschland. Auf „an die 300 Teilnehmer“ einigen sich die Verantwortlichen der Polizeikräfte am Ende.

Der erste Kontakt: Dr. Bodo Schiffmann bei der Polizei.

Letztlich läuft alles recht zivilisiert ab. Dreimal muss die Polizei einschreiten, Maskenverweigerer aus dem Pulk von Menschen, der sich – zumindest zeitweise wohl bemüht um Abstand – um den großen schwarzen Bus der Corona-Aufklärer schart. Darunter sind ältere Damen, bei denen die Beamten beherzt anpacken müssen, um sie vom Platz zu bringen. Freilich unter Schmährufen und Pfiffen der anderen.

Corona-Kundgebung in Murnau: Schmährufe und Pfiffe für die Polizei

Reaktionen, die die vier Redner natürlich provozieren. Wie Popstars wurden sie empfangen, als um 11.15 Uhr der Bus mit österreichischem Kennzeichen auf den Festplatz einbiegt. Applaus, frenetischer Jubel. Dann hält der Bus, es vergeht eine Minute, bis sich die hintere Tür öffnet. Schiffmann springt heraus, winkt den Leuten zu. Joachim Loy, der Murnauer Polizeichef, und sein Kollegen Thomas Haberger von der Grenzpolizei in der Marktgemeinde fangen den Anmelder der Demo an.

Er trägt keine Maske, wohl aber ein Headset mit Mikrofon. Schnell wird der kleine Disput publik. Bevor die Versammlung eröffnet sei, müsse Schiffmann eine Maske auf dem Platz tragen – fordert die Polizei. Schiffmann verneint, zieht sich in den Bus zurück.

Corona-Kritiker in Murnau: Redner provozieren auf Kundgebung - Beamte bleiben unbeeindruckt

„Schämt Euch“, schreien die Demonstranten in Richtung der Polizei. Schiffmann kehrt zurück, diesmal mit kernigen Worten. „Wir werden Strafanzeige gegen die Polizei stellen, jetzt 110 wählen, damit die richtige Polizei kommt. Der Polizeichef hat sich nicht einmal ausgewiesen. Er sagt, er will Hygienemaßnahmen durchsetzten, dabei hat er sich nicht einmal die Hände gewaschen.“

Kontrolle der Atteste: Die Ordnungshüter überprüfen die Verordnungen.

Die Beamten bleiben unbeeindruckt. „Wir sind da, um einen vernünftigen Ablauf der Versammlung zu gewährleisten“, betont Alexander Huber, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern. „Das ist unser Job, und den haben wir absolut professionell ausgeführt.

Polizisten überprüfen Atteste zur Masken-Befreiung

Die Inhalte einer solchen Versammlung spielen für uns keine Rolle.“ Mit den Schmährufen klarzukommen – das gehört zum Geschäft. „Wichtig war für uns, dass wir genügend Einsatzkräfte vor Ort hatten, um in jeder möglichen Situation eingreifen zu können.“

So wie es Loy gleich zu Beginn tut. Kurz ziehen sich Polizei und die Köpfe der Demo nach dem ersten Kontakt in den Bus zurück. Dann darf Schiffmann offiziell reden.

Verärgerte Demonstranten reden ohne Unterlass auf die Polizisten ein.

Zunächst zieht er den Bescheid des Landratsamtes heraus, liest ihn Zeile für Zeile vor. Er geizt nicht mit Spott, lässt 15 Warnwesten für willkürliche Ordner aus dem Bus holen. Was ihm sauer aufstößt: die eigene Zone für die Masken-Befreiten. „Das ist ein Verstoß gegen das Antidiskriminierungsgesetz, eine Ausgrenzung von Älteren, Kranken und Behinderten.“

Murnau: Corona-Kritiker Bodo Schiffmann verbreitet sein Gedankengut

Einer nach dem anderen verbreitet dann sein Gedankengut. Schiffmann, der HNO-Arzt, Ralf Ludwig, der Rechtsgelehrte, Wolfgang Greulich, der sich selbst als Stimme des Mittelstands bezeichnet, und zu guter Letzt Samuel Eckert, der Prediger, der die Bibel und den Glauben ins Spiel bringt.

Viel von ihren Thesen werden sie in Murnau nicht los. Zu unruhig ist die Szenerie, immer wieder skandieren die Menschen auf dem Platz, verschmähen die Polizisten. Schiffmann mischt sich irgendwann unter die Gruppe der Maskenlosen – ein brenzliger Moment, weil sich dei Menge ebenfalls im Bewegung setzt. Doch die Polizei ist da. Bremst ein.

Corona-Kundgebung in Murnau: alles bleibt ruhig

Um 12.40 Uhr hat die Show ein Ende. Rosenheim ruft. Die zweite Station des Corona-Tourbusses an diesem Tag. Auch dort will aufgeklärt werden, warteten schon die Ordnungskräfte auf das Quartett. Greulich schenkt Polizeichef Loy noch ein Buch.

Von einer Frau aus dem Pulk erhält er eine kleine Kerze. „Für die Erleuchtung“, ruft ihm die Damen zu. Der Bus rollt davon. Loy nimmt die Maske ab. „Das Leben ist schön“, ruft er hinaus – und schreitet von dannen. Alles ruhig geblieben. Das war wohl das Wichtigste.

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Sie nennen sich „Klardenker“ und demonstrieren gegen die Corona-Maßnahmen - ausgerechnet vor einer Schule in Schongau. Ein Landtagsabgeordneter sorgt sich deshalb um die „ohnehin schon belasteten Kinder“.

(Von Christian Fellner.)

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