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Spannendes Projekt: Jugendliche der Murnauer Christoph-Probst-Mittelschule gestalten T-Shirts unter dem Motto „Wir zeigen Haltung“.

Gebürtiger Murnauer war Mitglied der „Weißen Rose“ 

Erinnerung an Christoph Probst: Kämpfer gegen Unrecht und Tyrannei

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Mit grenzenloser Zivilcourage setzte sich Christoph Probst gegen die NS-Tyrannei zur Wehr – und bezahlte dies mit seinem Leben. Am Mittwoch, 6. November, wäre der gebürtige Murnauer, der sich der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ anschloss, 100 Jahre alt geworden – Anlass für eine Reihe an Veranstaltungen und Aktionen.

Murnau – Die „Weiße Rose“ ist heute wohl die bekannteste Widerstandsbewegung gegen das NS-Regime. Zu der Münchner Gruppe um die Geschwister Sophie und Hans Scholl zählte auch Christoph Probst, der am 6. November 1919 in Murnau zur Welt kam. Der Medizinstudent verbreitete in den 1940er Jahren zusammen mit seinen Mitstreitern sechs Flugblätter, in denen zum Kampf gegen die Hitler-Diktatur aufgerufen wurde. Dieser Einsatz kostete Probst, wie auch den anderen Mitgliedern, das Leben. Am 22. Februar 1943 wurde er mit der Guillotine hingerichtet – ohne sich von seiner Familie, seiner Frau und drei Kindern, verabschieden zu können.

Das Gedenken zum 100. Geburtstag begeht Murnau mit einem umfangreichen Programm. Dreh- und Angelpunkt ist die Mittelschule, die 2016 nach Christoph Probst benannt wurde. Es gehe nicht nur darum, an den Widerstandskämpfer zu erinnern, erklärt Rektorin Martina Weber, sondern auch darum, die Werte zu vermitteln, für die er eintrat und steht, also beispielsweise Solidarität, Zivilcourage, Gerechtigkeit und Freundschaft. „Für mich ist er ein Vorbild“, sagt die Schulleiterin.

In einer Kreativwerkstatt mit den Künstlern Nana Klaas und Johannes Volkmann stellten die Schüler individuell gestaltete T-Shirts her. Das Motto: „Wir zeigen Haltung“. Auf die Textilien malten sie, was ihnen wichtig ist, etwa Sprüche oder Schlagworte wie „Keine Gewalt“ oder „Frieden“. Am Dienstag, 5. November, wollen die Kinder und Jugendlichen im Zuge einer Demonstration ihre Arbeiten öffentlich präsentieren: Sie ziehen damit durch den Markt und bitten Passanten um Unterstützung. Auch ein Gespräch einer Delegation mit Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ist geplant. Der pädagogische Hintergrund liegt auf der Hand: Die Heranwachsenden sollen lernen, Farbe zu bekennen und für ihre Überzeugungen einzutreten. „Das schafft Selbstbewusstsein“, erklärt Weber.

Am Donnerstag, 7. November, findet dann ein großer Projekttag an der Mittelschule statt – mit einer Vielzahl an Workshops. Die Bandbreite reicht von einer Wanderausstellung über die „Weiße Rose“ (bis 1. Dezember) bis hin zu einer Lesung aus Probsts Briefen. „Wir haben ganz viel organisiert“, sagt Weber. Am Nachmittag wird’s ab 14 Uhr offiziell: Dann steht eine Gedenkfeier an. Neben Vertretern der Bildungseinrichtung und dem Bürgermeister werden auch Mitglieder der Familie Probst sprechen.

Damit nicht genug: Die besagte „Weiße Rose“-Schau wird anschließend vom 2. bis 16. Dezember im Rathaus zu sehen sein. Zuvor findet am 20. November im Kultur- und Tagungszentrum der Vortrag „Christoph Probst (1919 bis 1943) – Eine Spurensuche in Murnau und Kochel“ (Referentin: Marktarchivarin Dr. Marion Hruschka) statt. Und im Gedenken an den 100. Geburtstag wird heuer erstmals der Demokratiepreis des Marktes verliehen. Die Gemeinde möchte damit das „kritische Denken junger Menschen fördern und den Einsatz für Toleranz und Frieden im Jugendalter stärken“, heißt es dazu aus der Verwaltung. Wer die Auszeichnung, die alle drei Jahre vergeben werden soll, bekommt, wird noch nicht verraten.

„Christoph Probst war ein enorm mutiger junger Mann, der in einer von Gewalt und Unrecht beherrschten Zeit für Freiheit und Demokratie eingetreten ist“, sagt Beuting. Hier in der Marktgemeinde seien die Werte, für die er gekämpft und sein Leben gelassen habe, „lebendig und Teil unseres Handelns“.

Übrigens: Erstmals in ihrer Geschichte benennt die Bundeswehr einen ihrer Standorte nach einem Mitglied der „Weißen Rose“. Die Liegenschaft in Garching/Hochbrück bei München, in der das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes untergebracht ist, wird künftig „Christoph-Probst-Kaserne“ heißen. 

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