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Neuer Murnauer Behördenfunk-Mast: Erneut regen sich Anwohner-Proteste

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Ragt in den Murnauer Himmel: die provisorische Behördenfunk-Antenne (r.) an der Kellerstraße.
Ragt in den Murnauer Himmel: die provisorische Behördenfunk-Antenne (r.) an der Kellerstraße. © Bartl

Der neue Interims-Funkmast am Parkplatz der Eisstockschützen an der Murnauer Kellerstraße steht. Anwohner haben zuletzt noch vergeblich mit einer Unterschriftenaktion dagegen protestiert. Sie sehen sich bereits genug belastet. Der Ärger ist groß.

Murnau – St. Nikolaus mit seinem Zwiebelturm, dessen Spitze 50 Meter über dem Boden endet, ist von weitem sichtbar. Auch der markante Bau des Schloßmuseums lässt sich aus der Ferne gut erkennen. Und seit Wochenbeginn prangt der neue Übergangsmast für den Behördenfunk aus allen Richtungen unübersehbar an der Kellerstraße. 35 Meter, hatte es im Vorfeld geheißen, müsse er in den Himmel ragen, um seinen Zweck zu erfüllen: Er soll Einsatzkräften wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten eine sichere, moderne und schnelle Kommunikation ermöglichen. Das Landeskriminalamt (LKA) erfüllt den Auftrag, ein flächendeckendes Netz aufzubauen.

Mast für Behördenfunk: Anwohner des Maria-Antonien-Wegs wehren sich erfolgreich

Anwohner des Maria-Antonien-Wegs waren gegen den Funkmast auf Zeit, der zunächst am Hochbehälter geplant war, erfolgreich Sturm gelaufen. Nun steht er also am Parkplatz des Eisstockschützenareals an der Kellerstraße. Und es trat ein, was mancher Gemeinderat im Zuge der Standortsuche befürchtet und prophezeit hatte: Die Freude der Anwohner hält sich in Grenzen – wo auch immer die Konstruktion steht.

Über Unterschriften an Bürgermeister Beuting übergeben

Tatsächlich regte sich nach der politischen Entscheidung Widerstand: Über 100 Menschen, sagt Petra J. (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt), setzten ihren Namen auf eine Unterschriftenliste gegen den Mast an der Kellerstraße. Die Anwohnerin übergab diese Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) in der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag vor einer Woche.

Neuer Mast für Behördenfunk: Betroffene beklagen hohe Gesamtbelastung

Die Betroffenen verweisen auf die „nachweislichen gesundheitlichen Belastungen, die von solch Funkmasten ausgehen“ – und „auf die Gesamtbelastung der Anwohner“ rund um den alten Volksfestplatz: durch Verkehrslärm von der Umgehungsstraße, Zugsignale, die nahe Bahn-Antennenanlage, die geplante Öffnung und Beseitigung der Mülldeponie vor ihrer Nase, den Neubau des Feuerwehrgerätehauses. Petra J. sagt, man habe mittlerweile auch einen Anwalt eingeschaltet. Beuting habe sie bei der Unterschriften-Übergabe noch gefragt, ob sie einen Termin bei ihm möchte, so schildert es Petra J. Sie habe abgelehnt. Doch niemand habe sie in der Sitzung darauf hingewiesen, dass der Mast nach dem folgenden Wochenende bereits stehen werde. Als J. am Montagnachmittag aus der Arbeit nach Hause kam, ragte die mobile Konstruktion, die die Zeit überbrücken soll, bis ein endgültiger Mast-Standort gefunden ist, in den Himmel. J. kam sich im Nachhinein „vor wie eine Lachnummer“. Sie sei „komplett enttäuscht“. In der Sitzung, fügt sie vielsagend hinzu, habe der Gemeinderat als Sitzungspunkt 13 einen Antrag auf Bürgerbeteiligung bei Projekten behandelt. Die Gemeinde habe die provisorische Lösung in einem Brief, datiert auf den 25. Mai, erläutert. Das Aufstellungsdatum aber, sagt J., habe sie nicht gekannt.

Gemeinde sendet „umfangreiches Infoschreiben“ an Betroffene

Auf die Aussendung verweist Rathaus-Sprecherin Annika Röttinger. Das „umfangreiche Infoschreiben“ sei an Anlieger im Umkreis von über 200 Metern gegangen. Man habe zum Dialog aufgerufen, eine eigene Mail-Adresse für Anfragen eingerichtet sowie auf der Gemeindewebsite informiert. „Diese Möglichkeit des Dialogs wurde auch in Anspruch genommen.“ Röttinger betont, die Gemeinde beschäftige sich mit den Unterschriften, man nehme „das vorgetragene Anliegen ernst“. Doch sie unterstreicht auch die große Bedeutung des Behördenfunks. Man hoffe, dass „die Bürger die Wichtigkeit dieses Mastes verstehen, denn im Notfall möchten alle, dass der Behördenfunk funktioniert und Menschenleben gerettet werden können“. In Murnau und Seehausen bestünden Versorgungsmängel, die einen Ausbau unumgänglich machten. So wurde etwa der Rettungshubschrauber der Unfallklinik beim Start- und Landeanflug „nicht durchgängig funktechnisch versorgt“. Daher halte das LKA an der Umsetzung fest.

Anwohnerin fragt: „Wieso kommt der Mast nicht an den besten Standort?“

J. kann nicht verstehen, weshalb man einen Mast dieser Höhe errichtet, wo doch an anderer Stelle „ein 25 Meter hoher reichen würde. Das finde ich befremdlich“. Die Murnauerin fragt: „Wieso kommt der Mast zu uns, nicht an den besten Standort?“ Man habe mehrere Stellen untersucht, sagt Röttinger. „Dort stehen baurechtlich keine Hindernisse im Weg. Es ist ein funktechnisch guter Ort für die Versorgung der Rettungsdienste, so dass die notwendige und schnelle Umsetzung möglich war.“

Rathaus-Sprecherin: Bereich ein „seit Jahrzehnten belebter Platz in Murnau“

Die Rathaus-Sprecherin verweist mit Blick auf die Gesamtbelastung der Anwohner darauf, dass „der Bereich des ehemaligen Volksfestplatzes bereits seit Jahrzehnten ein belebter Platz in Murnau“ sei – und wegen der zentralen Lage auch für den Bau des Feuerwehrhauses ausgewählt wurde. Der Markt Murnau werde darauf achten, die Belastung für die Bürger so gering wie möglich zu halten. Den Mast nennt sie „zwingend notwendig“. Eine Beeinträchtigung könne „natürlich die Optik darstellen. Weitere Belastungen werden von den offiziellen Stellen nicht festgestellt“.

J. zeigt Verständnis für die Bedürfnisse von Feuerwehr und Rettungsdienst. Für diese habe sie ein offenes Ohr: „Die brauchen Empfang.“ J. reflektiert auch übers Floriansprinzip. Doch für sie bleibt die Frage: warum wieder wir?

Lesen Sie dazu auch: Murnauer Funkmast: Maria-Antonien-Weg vom Tisch - Standort-Suche neu aufgerollt

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