Bleibt am alten Standort: das Murnauer Umspannwerk.
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Bleibt am alten Standort: das Murnauer Umspannwerk.

Gemeindewerke-Chef betont: Haben von nichts gewusst

Murnauer Umspannwerk-Posse: Grüne fühlen sich „ziemlich veräppelt“

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Murnaus Grüne reagieren verärgert auf die Tatsache, dass sie viel Arbeit in einen Antrag zum Umspannwerk steckten – und niemand ihnen sagte, dass der Inhalt zu diesem Zeitpunkt bereits Makulatur war. Der Bauausschuss beriet sogar darüber. Man kommt sich „ziemlich veräppelt“ vor.

Murnau – Die Vorstellung, der Antrag könnte seinen regulären Weg gehen und nach dem Murnauer Bauausschuss auch noch den Marktgemeinderat beschäftigen, sprengt ihre Fantasie: „Das wäre eine Posse, völlig lächerlich“, sagt Grünen-Vertreterin Veronika Jones. Zumal die Geschichte ja bereits eine recht absurde Wendung genommen hat.

Murnauer Umspannwerk: Verlagerung galt als „Jahrhundert-Chance“

Dabei geht es im Kern um ein großes Projekt, das manchem als Jahrhundert-Chance galt: die Verlagerung des Umspannwerks aus dem Ortskern. Doch diese scheiterte. Und die geschätzt vier Millionen Euro teure Einhausung der Anlage haben viele Gemeinderäte seit langem als illusorisch teuer erachtet.

Debatte im Bauausschuss war reine Zeitverschwendung

Doch das Thema kokelte politisch weiter vor sich hin. – auch durch einen Antrag der Grünen, dessen ursprüngliche Version nach Angaben von Jones in den Januar zurückreicht. Einmal sei er von der Tagesordnung genommen worden, in einer Gemeinderatssitzung im Mai wollte die Fraktion vor einer Entscheidung „ins Detail gehen und alles mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung verbinden“. Also wurde der Punkt vertagt. Vergangene Woche ploppte das Thema als Grünen-Antrag in der Sitzung des Bauausschusses auf. Die Debatte entpuppte sich als reine Zeitverschwendung: Tags darauf gab ein Sprecher der Bayernwerk Netz GmbH, die ihre Anlage in Murnau erneuern möchte, im Tagblatt-Gespräch bekannt, dass das Zeitfenster für eine Verlagerung oder Einhausung längst geschlossen sei und das Unternehmen anderweitig plane. Dabei verwies er auf eine bekannte, Ende März abgelaufene Frist.

Veronika Jones ist es „ein Rätsel, wie es so weit kommen konnte“

Jones fiel bei der Tagblatt-Lektüre aus allen Wolken. „Ich komme mir ziemlich veräppelt vor“, sagt die Gemeinderätin. „Da stimmt die Kommunikation überhaupt nicht.“ Sie geht davon aus, dass ein Stichtag in der Verwaltung bekannt gewesen sein muss. Wieso aber landete der überholte und dadurch ad absurdum geführte Grünen-Antrag noch in der Ausschusssitzung? Jones wirkt ratlos: „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Es ist mir ein absolutes Rätsel, ein Buch mit sieben Siegeln, wie es so weit kommen konnte.“

Vertreter der Gemeindewerke betont: War gegenüber den Grünen keine Absicht

Mündliche Antworten überlässt die Rathaus-Verwaltung, für die sonst die Pressestelle schriftliche Auskünfte erteilt, in diesem Fall Karl Steingruber, Chef der Gemeindewerke. Diese pflegten enge Geschäftsbeziehungen und „ein sehr gutes Verhältnis“ zur Bayernwerk AG. Steingruber beteuert, vor der Sitzung des Bauausschusses am 6. Juli „nicht gewusst“ zu haben, dass das Unternehmen beim Thema Einhausung „einen Schlussstrich gezogen“ habe. „Das war keine Absicht gegenüber den Grünen.“ Natürlich kannte Steingruber, der davon ausgegangen war, dass die Politik die Einhausung im Mai nicht vertagt, sondern zu Grabe trägt, die avisierte Frist Ende März. Bis dahin hätte ein Vertrag mit dem Bayernwerk unterzeichnet werden sollen, in dem sich die Gemeinde verpflichtet, die Kosten für eine Einhausung zu tragen. „Doch Termine hatten wir schon öfter. Und man hat immer wieder im Gütlichen gesagt: Das prüfen wir noch.“ Frei nach Steingruber interpretiert: Murnau erachtete den Stichtag wohl nicht als wirklich fix und ging irrigerweise davon aus, noch etwas Spielraum zu haben. Demnach erfuhr Steingruber aus dem Tagblatt, dass das Bayernwerk den Termin als verstrichen betrachtet und nun seine ursprünglichen Planungen vorantreibt.

CSU-Fraktions-Chef betont: „Die Zeit hätten wir uns sparen können“

CSU-Fraktions-Chef Rudolf Utzschneider erging es nicht anders. „Wir wissen das bis heute nicht offiziell.“ Die Informationen dazu, die er besitzt, bezog er „aus der Zeitung“. Den Verlauf der Bauausschusssitzung nennt er im Rückblick „kurios“. Utzschneider stellt klar: „Die Zeit hätten wir uns sparen können. Aber das passt zum ganzen Informationsfluss und zur Arbeitsweise beim Umspannwerk.“ Den Grünen könne er hier keinen Vorwurf machen. Diese haben „darauf vertraut, dass noch etwas möglich ist“, sagt Jones mit Blick auf den zuletzt ausgearbeiteten Vorstoß. „Wir machen uns doch nicht so viel Arbeit, wenn wir wissen: Das ist komplett umsonst.“

Murnauer Grüne ziehen Dringlichkeitsantrag zurück

Einen Dringlichkeitsantrag zog die Fraktion zurück. Ihr Vorschlag, den der Bauausschuss abgelehnt hat, muss wie erwähnt eigentlich am 22. Juli abschließend der Gemeinderat behandeln. Die Fraktion wird intern beraten, wie sie damit verfährt. Jones will „die durchaus kostbare Zeit der Kolleginnen und Kollegen nicht verschwenden“.

„Projekt enttäuschend und frustrierend gelaufen“

Steingruber kündigt für den 22. Juli einen „generellen Bericht zum Umspannwerk“ an. Dann soll offiziell verkündet werden, was jeder weiß: Die Bayernwerk AG macht ihr eigenes Ding. „Das Projekt“, sagt Jones, „ist enttäuschend und frustrierend gelaufen. Da wäre deutlich mehr drin gewesen.“

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