Entspannte Festival-Atmosphäre bei MurNow: Besucher verfolgen den Auftritt von Whitebiermo vor der Wiesenbühne.
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Entspannte Festival-Atmosphäre: Besucher verfolgen den Auftritt von Whitebiermo vor der Wiesenbühne.

Besucher genießen ein Stück Normalität

MurNow-Festival ausgebucht: In Murnaus Muschel rauscht es wieder

Alle rund 900 kostenlosen Karten waren vergriffen, Murnau lechzte nach ein Stück Normalität. Das MurNow-Festival kam damit wie gerufen. Ein bunt gemischtes Publikum genoss das Zusammensein, tanzte, hörte Musik und feierte.

Murnau – Nach vielen Regentagen lädt der sonnengetrocknete Boden neben Bierbänken zum Verweilen ein – doch davon macht das Publikum zumindest bei der Eröffnung des MurNow-Festivals noch recht verhalten Gebrauch. Mit der nahenden Dämmerung füllt sich der Murnauer Kulturpark am Samstag mehr und mehr – wenig überraschend, sind doch alle Karten vergeben.

Murnaus Vize-Bürgermeisterin Stewens: „Endlich wieder ein Kulturereignis“

Die Bänke vor dem Musikpavillon sind nur punktuell besetzt, als Veronika Jones vom Organisationsteam durch die Reihen streift, letzte kontrollierende Blicke. Sie lächelt. Zum vierten Mal veranstalte man das MurNow, und „jedes Mal schönes Wetter“, sagt Jones. Ein Großteil der rund 900 kostenlosen Tickets sei am Tag zuvor vergriffen gewesen. „Ich denke, jetzt ist es ausverkauft“, sagt Jones wenige Minuten vor der Eröffnung des Spektakels, in dessen Programm ein Dutzend Bands aus der Region angekündigt sind. Den Reigen eröffnen die Kitcheners. Saxofone schimmern. Am Mikro wird aber nicht gesungen, noch nicht. Dr. Julia Stewens spricht. „Endlich findet hier wieder ein Kulturereignis statt“, sagt die Zweite Bürgermeisterin von den Freien Wählern bei der Eröffnung. Dass hier nun so viele Leute feiern dürften, „wer hätte das vor drei Wochen zu träumen gewagt“. Gefeiert wird ohne 3G-Regel, ohne Maskenpflicht. Nur wenn’s eng wird, der Mindestabstand nicht gewährleistet ist, sollen Mund und Nase bedeckt werden. Und so blickt Stewens auf lächelnde Gesichter. Die Gegenwart der Pandemie kann sie aber nicht ausblenden. „Genießen Sie es, aber werden Sie nicht leichtsinnig“, sagt sie in Richtung der noch luftigen Zuschauerreihen. Ihr Appell an die Musiker dagegen: „Lasst’s krachen“. Dann ertönt Musik, nach Monaten ungewollter Ruhe rauscht es nun gewaltig in der Muschel.

MurNow-Festival: Je später die Stunde, desto voller der Kulturpark

Wenige Stunden später zeigt sich der Kulturpark deutlich voller. Am Einlass weist ein Aufsteller darauf hin, dass das Festival „leider ausgebucht“ sei – kein Einlass ohne Karte. Im Park bildet sich derweil immer wieder eine Schlange vor dem Grillstand, gegenüber gibt es Falafel und Gemüse in Wraps, dazu Süßes.

Großer Andrang lässt am Stand der Fridays for Future-Aktivisten zunächst auf sich warten. Hier können Kinder Jutebeutel durch Schablonen bedrucken und Plakate gestalten. Nach und nach trocknen dann ein paar farbige Kunstwerke auf der Wiese. Auf dem Gelände haben sich Inseln aus farbigen Picknickdecken gebildet, ebenso bunt ist das Publikum, Jung und Alt, Freunde und Familien. Hier wuseln Kinder herum, dort klirren Flaschen, mit denen Besucher anstoßen.

Musikfestival MurNow: Als es dunkel wird, kommt die Tanzlust

Am Nachmittag spielt die Band Whitebiermo auf der Wiesenbühne, eine kleine Plattform, die nur für wenige Musiker Platz bietet, dafür aber für umso mehr Zuhörer auf den Bierbänken davor. Die Gruppe, die mitunter für ihre kreativen Cover bekannt ist, spielt nun überwiegend Songs aus eigener Feder. Getanzt wird noch wenig, viele scheinen auf die Dämmerung zu warten. Als die Sonne allmählich hinter der Musikmuschel verschwindet, drehen Checkstes 5 so richtig auf. „Es scheint die Sonne, was soll passieren“, hört man, ehe Reggae, Rap und rasante Rhythmen Tänzer vor die Bühne ziehen. Auch auf manchen Plätzen wird gezappelt, im Sitzen, im Stehen – egal. „Let’s feier“, appelliert Sänger und Gitarrist Kevin Auld, ehe das letzte Lied auf dem Programm steht.

Festival: Rapper im Dunkeln kaum zu sehen - das Akustische kommt umso besser an

Auf der Nachbarbühne versetzen die Boogie Bugs ihr Publikum anschließend um ein paar Jahrzehnte zurück, als sich die Schmalzlocke auf den Köpfen der Männer noch rollte und die Damen ihre Rocksäume fliegen ließen, ehe der restliche Abend auf der Wiesenbühne dem Rap gehört, der durchaus tanzbar ist, wie das Publikum unmittelbar davor beweist. Da macht es auch nichts, dass die Rapper in der Dunkelheit nur spärlich zu sehen sind, umso eindringlicher erscheint, was zu hören ist.

Künstlerischer Leiter ist begeistert: „Riesengaudi“

Das große Finale ist den Gamskamplern im Musikpavillon vorbehalten. Während sich hier die Zuschauer, mittlerweile warm eingepackt, auf den dunklen Plätzen einfinden, nutzt Nikolaus Gerold, der künstlerische Leiter, die Gunst der letzten Stunde. „Es war supergeil“ und habe „Riesenspaß“ gemacht, sagt er. Dann leuchtet es im Inneren der Muschel, Funken sprühen, und es wird ein letztes Mal laut an diesem Abend. Gamskampler-Sänger Hans Dampf schüttelt in gewohnter Manier seine Lockenpracht, bei Dunkelheit wird getanzt.

Am Tag danach ist Gerold mit weiteren Helfern im Aufräummodus. Wenn er an das Festival zurückdenkt, an die Gespräche, die Resonanzen, die Eindrücke, so glaubt er, dass die Menschen Veranstaltungen dieser Art vermisst und gebraucht haben: „Es war notwendig.“ Er selbst habe wieder das Gefühl von Normalität verspürt. „Wir hatten schon Glück mit den Lockerungen, das hat uns die ganze Sache erleichtert“, sagt er. 2022 soll die fünfte Auflage des Festivals folgen, MurNow habe sich bewährt, etabliert. „Das Konzept ist einfach super“, sagt Gerold – etwas müde, aber sehr zufrieden.

Polizei zieht positives Fazit - doch nicht alle verstehen zunächst die Ticketpflicht

Das MurNow war aus Sicht der Murnauer Polizei „ein friedliches, einsatzloses Musikfestival“. Allerdings konnten Einzelne nicht nachvollziehen, warum sie für eine kostenlose Veranstaltung Eintrittskarten brauchen sollten – und betraten das Gelände ohne ein entsprechendes Billett. Nachdem die Sicherheitskräfte vor Ort mit Unterstützung der Polizei auf sie eingewirkt hatten, zeigten sich die Betroffenen „jedoch einsichtig“, teilte die Inspektion mit. Die Besucherzahlen zu erfassen, war nach Polizeiangaben nötig, um die aktuell herrschenden Corona-Bestimmungen einhalten zu können. „Dies wurde ermöglicht, indem man sich kostenlose Tickets im Internet organisieren konnte.“

Antonia Reindl

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