Widerspricht der Ortsgestaltungssatzung: Lärchenzaun in Murnau-Hechendorf.
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Widerspricht der Ortsgestaltungssatzung: Lärchenzaun in Murnau-Hechendorf.

Bauausschuss entscheidet über Fall in Hechendorf

Zaun zu hoch: Murnau lehnt Ausnahme ab

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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„Alcatraz“ stellt ein Schreckensbeispiel dar – die Lärmschutzmauer, gegen die Großweil sich stemmt. Der Fall, den Murnau ablehnt, fällt Nummern kleiner aus: Es geht um den deutlich zu hohen Bretterzaun eines Privathauses in Hechendorf. Nach längerer Diskussion entschied der Bauausschuss: Diese Wand kann so nicht bleiben.

Murnau – Ortseingangsstraßen, die über weite Strecken von Mauern und Wällen ohne Grün gesäumt werden: Manche Kommunen lassen das zu. Murnau legt Wert auf eine charmante Optik, als Regelwerk liegt diesem Kurs die Ortsgestaltungssatzung von 2017 zu Grunde, die blanke, nicht bepflanzte Zaun- und Mauerungetüme ausschließt. Bauliche Einfriedungen, heißt es darin, dürften eine Höhe von 1,25 Metern nicht überschreiten. Und: Bei geschlossenen Varianten ist eine Bepflanzung „zum öffentlichen Raum hin“ Pflicht. In früheren Jahren hatte mancher Häuslebauer noch Wände rund um seinen Grund und Boden ziehen lassen, die in Murnau heute schlicht nicht mehr toleriert würden.

Rund 1,70 Meter hoher Lärchenzaun überragt das zulässige Maß

Das trifft nun auch Eigentümer eines Anwesens im Umfeld des Moloparks. Ihr rund 1,70 Meter hoher, geschlossener Lärchenzaun überragt das zulässige Maß deutlich und kann so, wie er heute steht, nicht bleiben. Das beschloss eine 6:3-Mehrheit des Bauausschusses nach einem Ortstermin am Dienstagabend. Das Ergebnis spiegelt die Diskussion wider: Die Meinungen gingen in diesem Fall auseinander. Vize-Bürgermeisterin Dr. Julia Stewens (Freie Wähler) sprach sich am Ende dafür aus, „sich nach der Ortsgestaltungssatzung zu richten und keine Ausnahme zu machen“. Wie das Gros der Ausschuss-Mitglieder bezweifelte sie, dass sich die Lärchenwand nach außen hin dauerhaft begrünen lässt.

Murnau: Bretter- und Steinlandschaften sind nicht erwünscht

Die Einfriedung steht auf einem Betonsockel, es bleibt, wie sich Teilnehmern des Ortstermins zeigte, kein Platz außerhalb des Zauns für eine Bepflanzung. Diese soll, erläuterte Marktbaumeister Klaus Tworek, im Garten wurzeln, nach außen wachsen und die Holzfläche begrünen. Er sprach eingangs einen Konsens in der einstigen Diskussion um die Ortsgestaltungssatzung an: Man wolle das Entstehen „von Bretter- und Steinlandschaften“ vermeiden. Tworek streifte kurz auch den weitaus Aufsehen erregenderen Großweiler Streit-Fall einer mächtigen Lärmschutzmauer, bei der von „Alcatraz“ die Rede ist (wir berichteten). Nicht, weil sich dieser mit dem Murnauer vergleichen lässt, aber: Daran lasse sich gut sehen, wie sich die Wirkung in den öffentlichen Raum durch Einfriedungen erstrecken könne.

Zaun anstelle einer 2,40 Meter hohen Thujenhecke errichtet, die für Ärger gesorgt hatte

Zurück nach Murnau: Die Eigentümer des betroffenen Hechendorfer Anwesens hatten den Zaun, der ausreichenden Sichtschutz zur Wahrung der Privatsphäre bieten sollte, anstelle einer 2,40 Meter hohen Thujenhecke errichtet. Diese hatte in eine private Zufahrtsstraße geragt und offenbar wiederholt für Ärger mit einzelnen Anliegern gesorgt, der ein für alle Mal beseitigt werden sollte. Die Antragsteller kündigten an, den Zaun nachträglich mit schnell wachsenden Kletterpflanzen versehen zu wollen und verwiesen auf die Zustimmung dreier angrenzender Nachbarn; man habe indes nicht alle erreicht.

Franz Neuner (CSU) warf in der Sitzung ein, dass „das Ganze ins Rollen gekommen“ sei, eben weil jemand im Umfeld den Sachverhalt angezeigt habe.

Bauausschuss: Meinungen über den Zaun-Fall gehen auseinander

In der Aussschuss-Sitzung gingen die Meinungen auseinander: Veronika Jones (Bündnis 90/Die Grünen) erkannte in der tangierten Privatstraße keinen öffentlichen Raum („Wer sieht das da schon groß?“) und plädierte an einer solchen Stelle für eine Ausnahme, Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) bekannte, er sei „hin und her gerissen“; Anna Schlegel-Herz (ÖDP/Bürgerforum) fand, man müsse „der Sache Zeit geben, gerade Efeu überwuchert alles“. Ihr Fraktionskollege Stefan Lechner, beruflich vom Fach, äußerte hier Skepsis, die Rudolf Utzschneider teilte. Der CSU-Fraktionssprecher sagte, er folge Lechners Ausführungen: „Innen zu pflanzen, damit das außen zuwächst, halte ich für sportlich.“ Habe Murnau nicht eine Ortsgestaltungssatzung, die für alle gelte? Auch Franz Neuner ging es „um einen Präzedenzfall“. Er sieht „keine unzumutbare Härte“ darin, den Zaun auf die richtige Höhe stutzen zu lassen. Andernfalls sei er „ziemlich sicher“, dass die Sache vor Gericht lande.

Lesen Sie dazu auch: „Alcatraz“ sorgt weiter für Verstimmung: Wieder blitzt der Bauherr ab

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