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Polizei und Betreuer sind bestürzt

Unbekannter platziert Glasscherben an Kindergarten-Spielplatz - Tatmotiv unklar

Wer tut so was? Mitten im Spiel hat ein Kind am Donnerstag im Garten seiner Kita Glasscherben im Boden entdeckt. Sie sind offenbar ganz bewusst dort platziert worden. 

Murnau - Kleine Helden braucht die Welt. Seit Donnerstag ist Murnau um einen reicher. Ein sechsjähriger Bub hat auf dem Freigelände des Murmel-Kindergartens im dortigen Kemmelpark etwa sechs Zentimeter lange, bewusst im Spielbereich der Kinder platzierte Glasscherben entdeckt, sofort die Erzieherin gerufen und so eventuell Schlimmeres verhindert. Verletzt wurde nämlich niemand.

Der Vorfall erschüttert nicht nur die Betreuer der Einrichtung am Dr.-August-Einsele-Ring, sondern auch die Polizei. Beim Spielen im Garten hatte das Kind die spitz zulaufenden Glasscherben entdeckt. Ein Unbekannter hatte sie zur Hälfte senkrecht in die Erde gesteckt und mit Laub bedeckt. „Sie lagen nicht einfach willkürlich auf der Wiese“, erklärt Dienstgruppenleiter Anton Schmidhuber von der Murnauer Inspektion, „sondern wurden an einer bewussten Stelle zwischen den Büschen platziert, an einer Art Rückzugsort, einem Versteck der Kinder.“ Ein Platz also, den sie mit Sicherheit und Ruhe assoziierten – zumindest bis zu diesem Tag.

Täter nimmt schwere Verletzungen bei Kindern in Kauf

„Die Geschichte geht so gar nicht“, meint Schmidhuber. „Da sind die Kleinsten betroffen, die sicherlich für nichts etwas können.“ Er und seine Kollegen sind bestürzt. Weit über ihre berufsbedingte Anteilnahme hinaus.

Sicher abgesperrt: Die Polizei Murnau hat alle Spuren am Tatort gesichert. Wer der Unbekannte ist, der auf dem Freigelände die Falle auslegte, ist noch unklar.

Wer der Unbekannte ist, der mit dieser Tat in Kauf nimmt, dass unschuldige Kinder sich verletzen oder gar mehr, ist laut Schmidhuber völlig offen. „Wir haben alle Spuren gesichert“, berichtet er. Konkrete Vermutungen gibt es aber noch keine.

Auch über das Motiv der Tat tappen die Beamten noch völlig im Dunkeln. Der Kindergarten liegt mit keinem seiner Nachbarn im Clinch. „Es wird gegen niemanden im Speziellen ermittelt.“ Mehr möchte Schmidhuber zu diesem Zeitpunkt nicht preisgeben. Aus ermittlungstechnischen Gründen. Aber: Für den Polizisten hat die Tat „kriminelle Energie“. Kein alberner Lausbubenstreich sozusagen. Jemand hat sich einiges an Mühe gemacht, die Tat auszuführen, meint er. „Das Versteck ist von außen einsehbar, das hat der Täter im Vorfeld vielleicht ausgekundschaftet.“ Die Glasscherben ausgelegt hat er dann vermutlich zu einem Zeitpunkt, an dem er sich sicher fühlte.

Betreuerinnen sollen Verstecke in der Früh prüfen

Um Sicherheit ging es auch den Murnauer Beamten in ihrer Reaktion auf den Vorfall vor Ort. Sie gaben den Murmel-Betreuerinnen Tipps, wie sie sich weiter verhalten sollten. „Wo einmal etwas passiert ist, geschieht vielleicht auch ein zweites Mal etwas“, sagt Schmidhuber. „Mit den Kindern jetzt nur im Haus zu bleiben, ist keine Option.“ Das wäre das falsche Signal. „Dann hätte der Unbekannte vielleicht erreicht, was er bezwecken wollte.“ Stattdessen sind die Pädagoginnen angehalten, Verstecke und verdeckte Flächen morgens kurz zu prüfen.

Dass an diesem Tag nichts Schlimmeres passiert ist, liegt wohl auch an der präventiven Arbeit der Pädagogen. Und an den aufmerksamen Kindern. Sie wissen, dass sie, wenn sie etwas Gefährliches im Garten finden, eine Erzieherin rufen sollen. Das übt man in Murnau regelmäßig. „Es ist wichtig, Kinder mit Gefahrensituation vertraut zu machen“, sagt Simone Weber, Leiterin der Einrichtung. Trotz der Unfassbarkeit über die Tat ist sie auch mit Stolz erfüllt. „Die Mitarbeiterinnen haben die Kinder gut auf so etwas vorbereitet.“

Großes Lob spricht die Leiterin natürlich auch dem kleinen Finder der Glasscherben aus. Der junge Held bekam für seine Tat eine gehörige Portion Applaus: Auf dem Kinderelternabend der Einrichtung, der zufällig an diesem Tag stattfand.

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Martina Bräu

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