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Kühn strebt dritte Periode an

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Von: Peter Reinbold

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Will ein drittes Mal in den Landtag einziehen: Harald Kühn.
Will ein drittes Mal in den Landtag einziehen: Harald Kühn. © Kornatz

Seine politische Laufbahn als Landtagsabgeordneter für die CSU gedenkt der Murnauer Harald Kühn fortzusetzen. Im Tagblatt-Gespräche kündigt er an, bei der Wahl im Herbst 2023 noch einmal anzutreten. Dabei kann er sich der Unterstützung der Kreis-CSU-Vorsitzenden von Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen, Alexander Dobrindt und Dr. Michael Rapp, sicher sein.

Murnau – An niemandem gehen die Jahre spurlos vorüber. Auch an Harald Kühn nicht. Politik ist ein anstrengendes und stressiges Geschäft. Fast neun Jahre Arbeit als Landtagsabgeordneter fordern Tribut. Das Haar ist grauer geworden, die Falten zahlreicher und tiefer. Dennoch sieht man dem Murnauer Politprofi, der seit 2013 im Maximilianeum sitzt, sein Alter – er wird im Oktober 59 – kaum an. Kühn, zu dessen Wahlkreis der Landkreis Weilheim-Schongau und der nördliche Teil des Landkreises Garmisch-Partenkirchen gehören, wirkt jünger und versucht, mit einem melierten modischen Stoppelbart das zu unterstreichen.

Harald Kühn gilt als Parteisoldat

Das Denken und die Thesen, die Kühn vertritt, haben sich im Laufe der Jahre nicht verändert. Er befindet sich weiter stramm auf CSU-Linie. Was sich für ihn als Vorteil erwiesen hat. Kühn gilt als Parteisoldat, der die Rolle spielt, die von ihm erwartet wird. Er ist damit fast zwei Perioden gut gefahren. Und nach dem derzeitigen Stand der Dinge darf er bei den bayerischen Landtagswahlen, die im Frühherbst 2023 anstehen – das genau Datum ist noch offen –, erneut in den Ring steigen, um das Direktmandat für die Christsozialen zu verteidigen. „Ja, ich trete noch einmal an, wenn die Gremien mich nominieren“, beantwortet Kühn die Frage nach seiner politischen Zukunft. Die CSU-Kreisvorsitzenden Alexander Dobrindt (Weilheim-Schongau) und Dr. Michael Rapp (Garmisch-Partenkirchen), mit denen Kühn im besten Einvernehmen steht – vor allem der Kontakt zu Dobrindt, Chef der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, gilt als exzellent –, signalisieren Zustimmung. „Ich persönlich würde mich freuen, wenn er wieder antritt“, meint Rapp.

Aufstellungsversammlung dürfte ein Selbstläufer sein

Die Entscheidung, wer ins Rennen geht, treffen in letzter Instanz die Delegierten der Aufstellungsversammlung, die wohl heuer im Herbst stattfinden wird. Sie dürfte ein Selbstläufer sein, denn weit und breit scheint kein Herausforderer oder eine Herausforderin in Sicht. Bezirksrätin Alexandra Bertl (38), der in den zurückliegenden Jahren landespolitische Ambitionen nachgesagt wurden, hat man nach Meinung von Christsozialen, die die CSU-Mechanismen und den Politbetrieb im Wahlkreis Weilheim kennen, offenbar mit der Aussicht ruhiggestellt, Kühn nach 2028 zu beerben. Dass es Ziel der Weilheimer Kreis-CSU ist, den Posten mit einer der Ihren zu besetzen, ist ein offenes Geheimnis. Immerhin war der Wahlkreis viele Jahre in Händen der geborenen Seeshaupterin Renate Dodell, die dem Landtag von 1994 bis 2013 angehörte.

Kühn weiß: Oberste Sprosse der Karriereleiter ist erreicht

Der Sitz im Maximilianeum ist für Kühn, immerhin einst Bürgermeister von Murnau und Landrat von Garmisch-Partenkirchen, der Gipfel seiner politischen Karriere. „Ich nehme diese Aufgabe gerne und intensiv wahr. Sie macht mir große Freude“, sagt er. Es klingt nach Erfüllung. Er weiß, dass für ihn, der einmal als ministrabel galt oder zumindest als Staatssekretär gehandelt wurde, auf der Erfolgsleiter die oberste Sprosse erreicht ist. „Das ist meine letzte Station. Weitere Ziele gibt es keine mehr.“

„Geschlossenheit ist immer gut“, findet der Murnauer Abgeordnete

War der Stimmkreis Weilheim für den jeweiligen CSU-Kandidaten stets eine Bank, so gilt das derzeit nicht mehr uneingeschränkt. Die Schwarzen schwächeln. Eine März-Umfrage für den Fernsehsender Sat 1 sieht sie nur noch bei 37 Prozent. Das ist ungefähr das Ergebnis der Landtagswahl 2018, aber drei Prozentpunkte schwächer als vor einem Jahr. Wirken die Verwerfungen zwischen den Unionsschwestern während des Bundestagswahlkampfs 2021 nach? „Geschlossenheit ist immer gut“, antwortet Kühn salomonisch auf diese Frage. Auch innerhalb der CSU zeigen sich nach Meinung von landespolitischen Kommentatoren Risse. Jüngstes Beispiel: Im Ringen um den Chefposten im Wirtschaftsausschuss des bayerischen Landtages hat sich Ministerpräsident Markus Söder gerade eine schmerzhafte Watschn eingefangen. Mit klarer Mehrheit bestimmte die CSU-Fraktion die von Söder als Ministerin gefeuerte Kerstin Schreyer. Ihre Wahl findet Kühn gut. „Schreyer leistet gute Arbeit“, urteilt er. „Sie hat immer ein offenes Ohr für die Region.“ Die Kabinettsumbildung im Februar, die Söder wohl im Hinblick auf die Wahl 2023 tätigte, sieht Kühn nicht als Reaktion auf die schwachen Umfragewerte. Es gebe Politiker, die lebten danach. „Ich gehöre nicht dazu.“ Man solle sich von den Sachthemen leiten lassen. Eine Wahl stehe und falle „mit dem Spitzenkandidaten. Dabei kommt auch viel auf dessen Integrationskraft an“. Der Nachfrage, ob er glaube, dass Söder die besitzt, weicht er aus. Kühn gehört schon immer der Fraktion Vorsicht an. Warum auf der Zielgeraden durch eine unbedachte Äußerung das Mandat gefährden, von dem er allerdings weiß, dass „es ein zeitlich begrenztes Amt ist“?

Harald Kühn zieht im Hintergrund die Strippen für die Region

Die Öffentlichkeit nimmt Kühn nicht als Lautsprecher wahr. Das widerspräche seinem Naturell. Er arbeitet lieber im Stillen oder zieht im Hintergrund die Strippen. Das aber effektiv für die Region, die er vertritt. Immerhin gehört er dem wichtigen Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen an. Im Klartext: Er entscheidet mit, für was der Freistaat Geld ausgibt und wohin es fließt. Zuletzt stimmte er dafür, dass die Oberammergau Passionstheater GmbH mit 200 000 Euro unterstützt wird oder die Gewerbesteuerausfälle, die den Gemeinden wegen Corona entstanden sind, zumindest teilweise kompensiert werden. Weitere Wohltaten, die er in den vergangenen Wochen mit auf den Weg brachte: 100 000 Euro für die Sanierung der Rottenbucher Orgel, Zuschüsse in Höhe von 1,2 Millionen Euro für den Neubau einer Kindertagesstätte in Penzberg. Mit dem Weltkonzern Roche, der in Penzberg rund 6500 Beschäftigte auf seiner Lohnliste stehen hat, muss sich Kühn häufiger beschäftigen. „Aktuell laufen Verhandlungen mit dem Freistaat Bayern über den Verkauf von 13,5 Hektar Grund, um damit die zukunftsorientierte Weiterentwicklung dieses Biotechnologie-Standorts zu gewährleisten“, sagt Kühn.

„Harald Kühn ist ein Kümmerer, der uns stetig hilft“, beschreibt ihn Rapp. Auf seine Unterstützung setzt der Gemeinderat auch bei der Murnauer Umfahrung, die der Bundesverkehrswegeplan im „vordringlichen Bedarf“ führt und die sich für Murnau Rapp zufolge als ähnlich wertvoll und wichtig erweisen könnte „wie die Fußgängerzone am Untermarkt“. Die entstand zu Zeiten, als Kühn Rathauschef der Marktgemeinde war.

Situation auf dem Immobilienmarkt treibt Kühn um

Was Kühn umtreibt, ist die Situation auf dem Immobilienmarkt. Viele Bürger können sich bezahlbaren Wohnraum kaum mehr leisten. Als probates Mittel für die Gemeinden, diesen zu schaffen, sieht er den kommunalen Wohnungsbau, den Bayern großzügig fördert. „Das Kommunale Wohnraumförderungsprogramm ist ein erfolgreiches Finanzierungsinstrument für Städte und Gemeinden“, betont Kühn.

Und auch die weltpolitische Lage mit dem Ukrainekrieg bewegt ihn. Das Bild, das er sich über Russlands Machthaber Wladimir Putin gemacht hat, ist deutlich. „Er ist ein Diktator. Was er mit diesem Krieg anrichtet, ist schrecklich und durch nichts gerechtfertigt.“ Das Sterben und Leiden von Menschen beschäftigt ihn sichtlich. „Das kann an einem nicht spurlos vorübergehen.“

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