Vor Gericht muss sich jetzt ein Murnauer (80) verantworten.
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Vor Gericht muss sich jetzt ein Murnauer (80) verantworten.

Er ist bereits in der Psychiatrie untergebracht

Murnau: Schizophrener Rentner (80) schlägt zu und bedroht Passanten mit Messer

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Prozessauftakt gegen einen 80-jährigen Murnauer am Landgericht, der bereits mehrmals auf Passanten eingeschlagen und sie mit einem Messer bedroht haben soll. Der schizophrene Mann ist der Sohn von Hitlers Presse-Reichsleiter.

München/Murnau – Die Vorwürfe sind gravierend. Im Januar 2019 war der Rentner mit seinem Rollstuhl in der Nähe eines Optikers am Murnauer Obermarkt im Schnee stecken geblieben. Als ihm eine Frau zu Hilfe kam, reagierte er fuchtig und schlug mit seiner Krücke nach der Helferin. Die blieb unverletzt. An den Vorfall wollte oder konnte sich der 80-Jährige zu Prozessauftakt vor dem Landgericht München II aber nicht mehr erinnern. Es war allerdings bei weitem nicht die einzige Tat des Rentners.

Gegenüber der Polizei hatte der Mann damals noch argumentiert, dass er es als Bloßstellung empfände, wenn „immer so Gut-Menschen auftauchen und ihm Hilfe aufdrängen“. Keinerlei Erinnerung hat er an seine Attacke gegen einen Kiosk-Besitzer an der Bahnhofstraße. Dort hatte der Senior im September 2019 gegen 8.30 Uhr in der Früh an der Deko „rumgefriemelt“, wie es der Vorsitzende Richter Thomas Bott beschrieb. Der Besitzer, dem das nicht gefiel, soll daraufhin den Rollstuhl weggeschoben haben, was wiederum den Angeklagten erzürnte. Aus einem Korb zog er ein Küchenmesser mit einer Klingen von 20 Zentimetern und bedrohte den Händler.

Auch im Seniorenwohnsitz fällt der Mann negativ auf

Gleichermaßen schmerzhaft wie unangenehm war für eine Pflegerin sein Auftreten im Seniorenwohnsitz am Untermarkt. Der Murnauer beschimpfte aus einem Wutanfall heraus die Frau aufs Übelste und schlug ihr dann mit einem Stock auf den Kopf. Das Opfer erlitt eine Schädelprellung und war eine Woche krank geschrieben. „Das ist alles erlogen“, behauptete der Rentner nun. Mit dem Stock habe er „woanders“ zugeschlagen, „an einer Kasse“. „Der hätte es gebraucht, sollen Sie gesagt haben“, half ihm der Richter auf die Sprünge. „Das war in einem Aufzug“, korrigierte der Angeklagte. Damals soll ein Mitbewohner auf ihn gewartet haben, ihn dann aber doch nicht mitfahren lassen, erinnerte sich der 80-Jährige. „Der hat’s gebraucht“, wiederholte er nochmals. In einem anderen, allerdings nicht angeklagten Fall, zeigte er einer Nachbarin im Keller eine Eisenstange, die er als Folterwerkzeug bezeichnete. Die Frau habe daraufhin keine dreckigen Wörter mehr zu ihm gesagt.

Anlass für sein unflätiges Verhalten ist seine Schizophrenie, unter der er leidet. In der Verhandlung ging es deshalb auch nicht um eine Strafe, sondern um seine Unterbringung in der Psychiatrie, in der er sich bereits befindet.

Bereits 1992 gab es ein Verfahren gegen den 80-Jährigen, da er einen Landwirt mit einem Messer bedrohte

Offenbar nicht zum ersten Mal. Schon 1992 hatte es ein Verfahren gegen ihn gegeben. Damals war er gegen einen Landwirt vorgegangen, der sich in der Nähe seiner Murnauer Hütte aufgehalten hatte, um sein Vieh zu beobachten. Zunächst schüttete er einen Kübel Wasser über den Mann, zwei Tage später bedrohte er den gehbehinderten Bauern mit einem 35 Zentimeter langen Küchenmesser. Mit den Worten „Ich erstech Dich“ hatte er ihn zurückgedrängt. Ursache war eine beginnende Wahn-Symptomatik.

Mann ist der Sohn von Hitlers Presse-Reichsleiter und musste deshalb im Heim aufwachsen

Die kam auch in dem damaligen Prozess zur Sprache. Als Sohn von Hitlers Presse-Reichsleiter hatte der Angeklagte sich von Juden in Murnau verfolgt gefühlt. Die Juden, die ihn hassen würden, ständen dahinter, dass ihm in Murnau das Leben schwergemacht würde, rezitierte der Richter die Ansichten des Angeklagten. Dabei fühlte sich der Mann wohl am Staffelsee, hatte sich auf eigenen Wunsch dort niedergelassen und in der Hütte ein bescheidenes Leben geführt. Die Unterkunft hatte seine Schwester für ihn angemietet. Später wohnte der Rentner in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung am Untermarkt. Künftig will er nach Weilheim ziehen, weil es dort flacher ist.

Die Nazi-Vergangenheit seines Vaters kam im Prozess ebenfalls zur Sprache. Nach Kriegsende wurde er für zehn Jahre inhaftiert. Der Angeklagte, jüngstes von sieben Geschwistern, kam im Zuge der Entnazifizierung ins Heim. Der Prozess dauert an.

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