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Derzeit kein Betrieb: der Landgasthof Herzogin Anna auf dem Staats-Gestüt Schwaiganger.

Gründe für den Negativ-Trend sind vielfältig

Gaststätten schließen, Wirte denken ans Aufhören: Geht die Wirtshauskultur verloren?

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Kein Betrieb: Das ist der Fall im Landgasthof in Schwaiganger und im Pantlbräu in Murnau. Andere Wirte denken offenbar ans Aufgeben. Eine Branchenvertreterin macht sich Sorgen.

Murnau – Jutta Griess hat schwer zu schlucken an der Entwicklung, die sie auch in der regionalen Gastro-Szene beobachtet. Allein in Garmisch-Partenkirchen kennt die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands „einige Wirte, die darüber nachdenken, zuzumachen“. Dies bereite ihr „große Sorge“, sagt Griess, die auch dem Bezirksverband Oberbayern vorsteht. Es werden zusätzliche Ruhetage eingeführt, Servicezeiten gekappt, man streicht das Mittagsgeschäft. Warum?

Deutsche Köche sind Griess zufolge rar gesät und wanderten häufig in andere Branchen ab: in Kliniken und Kantinen etwa. Dazu komme, dass Gastwirte Preise für ihre Produkte nicht durchsetzen könnten. Griess beklagt hier eine fehlende Wertschätzung, auch dem Personal gegenüber. Zur Gewerkschafts-Forderung nach einer besseren Bezahlung sagt Griess: „Das würden wir gerne machen. Aber dann kostet das Gericht xy gleich doppelt so viel.“ Die Situation spitze sich immer weiter zu. Griess hört von Kollegen „immer nur, dass man seit einem halben Jahr Personal sucht. Alle sind am Limit, alle arbeiten für drei. Wie lange das gut geht, weiß ich nicht“, sagt Griess, die ihre Branche von der Politik alleingelassen sieht. Sie warnt: „Wenn eine bayerische Wirtschaft in einem Ort verloren geht, gehen Kultur und Tradition verloren. Dann fehlt ein zentraler Kommunikationsmittelpunkt.“

Landgasthof in Schwaiganger: Wirtsleute hörten aus einem gängigen Grund auf

Mitarbeitermangel – allen voran ein abgewanderter Koch – hatte auch das Wirte-Ehepaar Evi und Bernhard Heinlein bewogen, im Herbst 2018 und damit mehr als ein Jahr vor Ablauf des Mietvertrags im idyllisch gelegenen Landgasthof Herzogin Anna auf dem Gestüt Schwaiganger aufzuhören. Bereits Ende September hatte die Immobilien Freistaat Bayern, zuständig für die Verwaltung der landeseigenen Objekte, die Gaststätte mit Biergarten zur Vermietung ausgeschrieben. Interessierte sollten bis 4. November Angebote einreichen, als Mietbeginn war spätestens 1. März 2019 angegeben. Davon ist keine Rede mehr. Aktuell ist auf der Homepage der Immobilien Freistaat Bayern der 15. März als Termin zur Angebotsabgabe genannt. Auf konkrete Fragen nach möglichen Schwierigkeiten bei der Pächtersuche und nach einer Wiedereröffnung des Gasthofs gingen Vertreter des Staatsbetriebs am Dienstag nicht ein. „Da das Auswahlverfahren noch läuft, können wir leider zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Auskünfte über einen möglichen Eröffnungstermin sowie Vertragslaufzeiten mitteilen“, heißt es. Gerne könnten sich jedoch noch Interessenten bewerben.

Traditionswirtschaft in Murnau: Augustiner nicht mehr lange Pächter

Auf dem Gestüt hofft man, dass (bald) ein Gaststätten-Pächter gefunden wird. „Daran liegt uns grundsätzlich“, sagt Verwaltungsleiter Manfred Lanz, der auf den regen Lehrgangsbetrieb verweist. Teilnehmer und Mitarbeiter haben in der Vergangenheit ihr Essen in der Gaststätte eingenommen, auch Personal von Firmen im Umkreis „nutzten sie für den Mittagstisch sehr gerne“. Dazu kämen Gestütsbesucher. Von Mai bis Oktober werden täglich zwei Führungen angeboten, „wir haben viele Busse“, sagt Lanz. Zudem wird beim Turnierbetrieb und bei Veranstaltungen eine Gastronomie benötigt. Bei der großen Hengstschau sprangen die Heinleins zuletzt noch einmal ein. Lanz sieht in der Herzogin Anna „ein Riesen-Potenzial, man muss es nur nutzen“. Doch er weiß, dass die Pächtersuche nicht einfach ist – auch, weil „im Umkreis so viel frei geworden ist“.

So ist etwa die Murnauer Traditionswirtschaft Augustiner-Bräustüberl Pantlbräu am Untermarkt seit Monaten geschlossen. Ein Beteiligter erklärt, dass der Wirt, der 2016 eingestiegen sei, Ende August 2018 wieder aufgehört habe. Augustiner-Bräu, bislang Pächter, verweist bei Fragen an den Gebäudeeigentümer, den Starnberger Unternehmer Walter Essler. Von dessen Büro heißt es, Augustiner sei nur noch bis Mitte des Jahres Pächter. Eine Nachfolge gebe es bislang nicht. „Diese wird aber auf jeden Fall angestrebt.“

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