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Faustgruß statt Handschlag: Direktor Josef Holzmann gratuliert Florian Bauer, dem Besten des Jahrgangs (1,0), bei der Abifeier im Staffelsee-Gymnasium zum Abitur
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Faustgruß statt Handschlag: Direktor Josef Holzmann gratuliert Florian Bauer, dem Besten des Jahrgangs (1,0), bei der Abifeier im Staffelsee-Gymnasium zum Abitur.

Bei der Murnauer Entlassfeier war fast alles anders als gewohnt 

Staffelsee-Gymnasiasten schaffen  Abgang mit Stil und „Abiletten“

Fast nichts lief wie gewohnt, als die Abiturienten am Staffelsee-Gymnasium verabschiedet wurden. Die Feier war kürzer sowie weniger rauschend und lustig, die Zahl der Begleiter limitiert. Und doch erlebten die Schüler in diesen ungewöhnlichen Zeiten einen Abgang mit Stil.

Murnau – Die Feierlichkeiten zum Abitur, wie man sie bisher kannte, endeten stets in einem Murnauer Musikclub bei kalten Getränken, wenig Platz und, am wichtigsten: bei Anbruch des nächsten Morgens.

Die Party des Abschlussjahrgangs 2020 beschloss der Hausmeister pünktlich um 20 Uhr in der Mensa – neben der Essensausgabe. Die Abendsonne leuchtete noch. Trotzdem war das Bild erstens herrlich, einzigartig, und zweitens charakterisierte es diesen Jahrgang, oder vielmehr seinen Abgang: pure Improvisation. Was war da zu sehen? Hannes Schmid, man kennt ihn als einen der beiden Gruber-Buam, forderte Hannes Hager, seinen ehemaligen Physiklehrer, zum Gstanzel-Wettstreit heraus. So schmähten sie sich munter vor der Fotoleinwand, die im Speisesaal aufgebaut worden war. Danach zogen alle weiter -– und sie kommen so schnell nicht mehr. Hager ist in Pension, Schmid hat sein Abitur wie 103 weitere Schüler am Staffelsee-Gymnasium (SGM) geschrieben und sein Zeugnis erhalten.

Abiturfeier in Murnau: Schulleitung und Abiturienten schaffen ein „Rettungspaket“

Ihre Feier war kürzer als sonst, weniger rauschend und deutlich weniger spaßig. Abendkleid und Anzug, wie beim Abiturball üblich, zog niemand an. Aber als Stefan Schwertel sein Überraschungs-Cameo auf der Tribüne hatte, erfuhren die Ex-Gymnasiasten, wie es erst anderen ergangen war. Schwertel betreute die Oberstufe bis zu seinem Wechsel nach Weilheim vor einem Jahr. In der Nachbarschule verliehen er und die Kollegen die Zeugnisse klassenweise im Klassenzimmer. Eltern erlaubte die Schule nicht. Wer dieses Prozedere eine Abifeier nennt, der hält wahrscheinlich auch den „Grünen Heinrich“ von Keller für Unterhaltungsliteratur.

Murnau hingegen legte das Denken dar, das einen auch durch eine Pandemie schifft. Statt aufzugeben, schufen Schulleitung und Abiturienten ein Rettungspaket, das den Absolventen einen „Abgang mit Stil“ gewährte – dieses Motto hatten sie gewählt und sich dafür „Abiletten“, also Badelatschen im Abitur-Design, angefertigt. Josef Holzmann, der Direktor, hat mit über 60 Jahren vielen Feiern beigewohnt, aber noch nie einer solchen. Das SGM verlegte den offiziellen Teil in die Turnhalle und ließ nur zwei Begleiter pro Abiturient hinein. Ehrengäste bleiben daheim. Welch wohltuender Nebeneffekt: Statt endloser Suaden gab es zwei Musikstücke (eines von Hannes Schmid), zwei Reden – alles war gesagt, nichts fehlte. Gelacht haben auch alle, was bei der Abschlussrede von Cora Wiehle und Florian Buchner schwer zu vermeiden war. Beste Abiturrede seit Jahren, wisperten manche, die es wissen müssen. Die beiden wählten ein verbales Wechselspiel, in dem Wiehle, Fußballerin, die Vorlagen lieferte und Buchner die One-Liner vollstreckte. „Es gibt die nervigen Lehrer-Liebling“, sagte Wiehle. „Die Nummer eins steht neben mir“, konterte Buchner. Zum Schluss sagte sie: „Wir haben fertig.“

Staffelsee-Gymnasium: 34 Abiturienten haben eine Eins vor dem Komma

Schulleiter Holzmann verriet Zahlen (34 Einser-Abis), erinnerte an die Leiden der jungen Schüler in der Corona-Zeit, gratulierte mit Faustgruß statt Handschlag, zitierte Soziologe Andreas Reckwitz, der in Corona keine Zäsur, sondern „das Ende des Anfangs, das Ende der Postmoderne“ sieht, und er belustigte alle mit seiner ganz eigenen Geschichte zum Jahrgang 2020: Bei der Walchensee-Woche in der neunten Klasse nahm ein Kampfsportler Lehrer Norbert Henner in den Schwitzkasten. „Mir hat’s auch gefallen“, scherzte Holzmann. Das sind die Dinge, die man sich bei den Klassentreffen noch in 50 Jahren erzählt, nicht das Vorgehen beim linksseitigen Hypothesentest. Am Ende winkte Holzmann in die Kamera und grüßte die Menschen in der Aula. Dort hielten sich die übrigen Angehörigen auf. Sie sahen die Abifeier via Live-Stream. Dafür hatten die Macher viel Geld investiert. Am Ende saßen alle im Pausenhof, kurzzeitig umgewandelt in einen Biergarten mit ausreichend Abstand. Auch Musik gab’s. Die Gruber-Buam und Bekannte spielten auf.

Andreas Mayr

Lesen Sie auch: Corona in Bayern: Großer Aufwand fürs Ausnahme-Abitur

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