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Zulässige Zeit überschritten: Strafzettel am Supermarkt-Behindertenparkplatz

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Von: Roland Lory

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Hält sich gern im Supermarkt auf: Alina (15), die schwerbehindert ist.
Hält sich gern im Supermarkt auf: Alina (15), die schwerbehindert ist. © Privat

Die Firma Feneberg ist mit Kritik konfrontiert. Dabei geht es um die Nutzung eines Behindertenparkplatzes an der Murnauer Filiale. Weil er die zulässige Zeit deutlich überschritt, musste ein Eglfinger eine Geldstrafe zahlen.

Murnau – Jürgen Rieskamp ist sauer. Der Eglfinger (71) nennt das, was ihm und einer Jugendlichen mit schwerem Handicap, die er betreut, widerfahren ist, „behindertenfeindliches Vorgehen“. Doch von vorne: Rieskamp parkte mit Alina (15), die blind ist und im Rollstuhl sitzt, mit seinem Pkw auf dem Parkplatz vor dem Murnauer Feneberg-Markt auf der Behinderten-Stellfläche. Den Parkausweis für Behinderte legte er in das Fahrzeug. Die beiden gingen einkaufen. „Aufgrund ihres Sehrestes freut sie sich sehr, wenn wir langsam entlang der Kaufregale mit dem Rollstuhl fahren und sie entdeckt für sie interessante Waren“, erzählt Rieskamp. „Aufgrund ihrer geistigen Behinderung reden wir über den Artikel und entscheiden dann, ob wir ihn in den Wagen legen. Das dauert natürlich länger und bedeutet keinen schnellen Einkauf.“

Keine Stellungnahme vom Unternehmen

Die Folge: Rieskamp musste 35 Euro Strafe zahlen, da er dort zu lang geparkt hatte, nämlich fünf Stunden. Weder bei Feneberg noch bei der Firma, die den Parkplatz überwacht, konnte der Eglfinger erreichen, dass ihm die Strafgebühr erlassen wird. Von Feneberg war vergangene Woche auf Tagblatt-Nachfrage keine Stellungnahme zu dem Vorfall zu bekommen.

Höchstparkdauer beträgt zwei Stunden

Eine Mitarbeiterin der Lebensmittelkette mit Firmenzentrale in Kempten (Allgäu) wies den Eglfinger darauf hin, dass Feneberg die „Behindertenparkplätze für unsere behinderten Kunden freihalten und nicht durch Dauerparker über einen längeren Zeitraum belegt haben“ möchte. „Darauf wird durch ausreichende Beschilderung hingewiesen.“ Die Höchstparkdauer von zwei Stunden reiche für einen Einkauf und den Besuch in der Postfiliale auf jeden Fall.

Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) hängen an der Einfahrt am Parkplatz aus. Die Parkplatz-Agentur teilte Rieskamp mit, dass er die Möglichkeit gehabt habe, „in zumutbarer Weise“ vom Inhalt Kenntnis zu nehmen. „Da die Parkaufsicht über Kameras arbeitet, kann sie nicht erkennen, ob ein Behinderter mit Parkausweis parkt“, sagt Rieskamp. Außerdem will er in den AGB Fehler festgestellt haben.

Ehemaliger Blindenlehrer ärgert sich über Verhalten

Der Pensionär, der früher in München Blindenlehrer war, kann das Verhalten von Feneberg und der Park-Agentur nicht nachvollziehen. „Mich hat es geärgert, dass man mit Behinderten so umspringt. Ich finde das nicht in Ordnung.“

Eglfinger wünscht sich eine längere Parkzeit

Bei Alina handelt es sich um eine Sozialwaise, mit der Rieskamp seit sechs Jahren Ausflüge macht. Sie ist in München in einem Blindenheim untergebracht. Der Eglfinger verbrachte mit ihr zum Beispiel in Saulgrub im Aura-Hotel ein paar Tage. Rieskamp fände es schade, wenn aufgrund der Parkzeit, es nicht mehr möglich wäre, bei Feneberg einkaufen zu gehen. Er ist überzeugt: „Wenn das ein Parkplatz für Behinderte ist, kann man das nicht ohne Weiteres beschränken.“ Er wünscht sich also, dass man dort länger parken kann. Damit Alina am Leben teilhaben, etwas erleben kann und sich im Supermarkt an den Regalen erfreuen kann.

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