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Los geht’s: (v. l.) Robert Schotten (Omobi), Bürgermeister Rolf Beuting, Clemens Deyerling (Omobi) und Rainer Paschen (Seniorenbeirat) an einem der neuen Mercedes-Ortsbusse. Im Hintergrund ist Fahrer Luciano Rosa zu sehen, der zusammen mit Oliver Ellmerer die Touren bestreitet. 

Einzigartiges Projekt in Oberbayern

Murnau will mit digitalem Ortsbus die Verkehrswende schaffen

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Am Mittwoch, 1. Juli, ist es endlich soweit: Murnaus neuer Ortsbus dreht seine ersten Runden. Das Besondere daran: Er kann individuell und komfortabel per App oder Telefon angefordert werden. Die Marktgemeinde erhofft sich davon einen wertvollen Beitrag zur Verkehrswende.

Murnau – Versuche, in Murnau einen Ortsbus zu etablieren, hat es in der Vergangenheit bereits gegeben. Allerdings wurde dieser nie richtig angenommen. Jetzt soll es mit einem modernen Konzept gelingen, das bislang in Oberbayern einzigartig ist: Die Marktgemeinde bringt eine flexible Variante an den Start, die die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt. Das Gefährt klappert nämlich nicht mehr nach einem starren Fahrplan vorgegebene Haltestellen ab, sondern kann flexibel per App oder Telefon im gesamten Ortsgebiet bestellt werden.

Am Mittwoch, 1. Juli, um 6 Uhr in der Früh geht’s offiziell los. Bereits gestern wurde im Rahmen eines Pressetermins vor dem Rathaus das neue Transportmittel – ein schicker Siebensitzer der Mercedes V-Klasse, von dem zwei im Einsatz sein werden – präsentiert. Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) ließ es sich nicht nehmen, zum Auftakt symbolisch ein rotes Band durchzuschneiden. „Wir beschreiten neue Wege“, sagte der Gemeindechef stolz.

Der verkehrspolitische Hintergrund ist bekannt: Murnau leidet wie viele andere Kommunen des Landkreises auch unter den wachsenden Automassen. „Die Fixierung auf den Pkw führt in eine Sackgasse“, ist Ökodemokrat Beuting überzeugt. Der bedarfsorientierte Ortsbus soll daher den Umstieg schmackhaft machen – für zwei Euro pro Fahrt. „Das ist bezahlbar“, findet Beuting. Es gehe auch darum, öffentliche Verkehrsmittel besser miteinander zu verzahnen – etwa Bus und Bahn. Und der Rathauschef denkt schon einen Schritt weiter: Die neue Errungenschaft könnte, so seine Vision, in einigen Jahren im gesamten Blauen Land unterwegs sein.

Das Konzept entwickelt hat das Murnauer Startup-Unternehmen Omobi, das auf Mobilitätslösungen spezialisiert ist und im Auftrag des Marktes den Ortsbus betreibt (wir berichteten). Dieser steuert rund 200 virtuelle Haltestellen an. Hat ein Kunde eine Tour bestellt, berechnet ein intelligenter Algorithmus – zum Einsatz kommt eine Anwendung der Berliner Softwareschmiede door2door – die optimale Route und bündelt die Anfragen weiterer Fahrgäste, um alle schnellstmöglich ans Ziel zu bringen. „Die Fahrgäste müssen also nicht mehr weit laufen, nicht mehr lange warten und müssen keine Angst mehr haben, den Bus zu verpassen“, erklärt Robert Schotten, neben Clemens Deyerling Gründer und Geschäftsführer von Omobi, die Vorteile.

Vorerst kann das neue Transportmittel von Montag bis Freitag täglich zwischen 6 und 20 Uhr geordert werden. Die App steht kostenlos für iOS und Android zum Download zur Verfügung. Das Ganze sei ein „dynamisches Projekt“, fügt Schotten hinzu. „Nach der ersten Phase schauen wir, wie es funktioniert und können danach verschiedene Parameter wie Haltestellen, Fahrtzeiten, Fahrzeugflotte und Betriebsgebiet schnell und unkompliziert anpassen, um das Angebot weiter zu verbessern.“

Lob kommt schon mal aus München: „Der Markt zeigt die Innovationskraft der Kommunen und Unternehmen im ÖPNV“, erklärt laut einer Pressemitteilung Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU). Es handle sich um das dritte Angebot dieser Art im ländlichen Raum in Bayern. Vergleichbares gebe es bislang in Freyung und Hof.

Auch Rainer Paschen, der Vorsitzende des Murnauer Seniorenbeirats, ist zufrieden: „Wir sind von den Vorteilen des neuen Verkehrsangebots überzeugt.“ Allerdings hätte sein Gremium einen niedrigeren oder gleich einen Gratis-Tarif lieber gesehen.

Ein Wermutstropfen bleibt: Das Projekt, das der Freistaat finanziell unterstützt, wird ein Zuschussgeschäft bleiben. Jedes Jahr fallen 350 000 Euro Gesamtkosten an. Die Gemeinde kalkuliert mit einem Defizit in Höhe von 200 000 Euro.

Weitere Infos zum neuen Murnauer Ortsbus gibt es auf der Homepage www.omobi.de/ortsbus-murnau. Dort kann man sich die App herunterladen. Das Verkehrsmittel ist auch telefonisch buchbar unter Telefon 0 88 41/60 82 49 01.

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