Renommiertes Krankenhaus in Murnau: die Unfallklinik.
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Renommiertes Krankenhaus in Murnau: die Unfallklinik.

Nicht alle Krankenhaus-Mitarbeiter immunisiert

Zu wenig Impfstoff: Frust in der Unfallklinik

Die deutsche Mangelverwaltung beim Corona-Impfstoff trifft auch die beiden großen Hospitäler im Landkreis, die Covid-19-Kranke behandeln. Prof. Dr. Fabian Stuby, Ärztlicher Direktor der Murnauer Unfallklinik, in der Erstimpfungen für die Mitarbeiter seit rund zwei Wochen ausgesetzt sind, übt Kritik.

Murnau – Der angekündigte Turbo hat noch nicht gezündet – Deutschland verfügt weiter über zu wenig Corona-Impfstoff. Das schlägt nach unten auf die Landkreise durch, die den Mangel verwalten müssen. Dieser macht vor den beiden großen Krankenhäusern nicht Halt, die ihre Mitarbeiter zu großen Teilen selbst immunisieren. Zuletzt brach sich in Murnau angesichts dieser Situation Frust Bahn: „Wir haben in den letzten Wochen keinerlei Dosen für Erstimpfungen bekommen“, kritisierte Prof. Dr. Fabian Stuby zu Wochenbeginn. Stuby ist Ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (UKM), die im eigenen Haus Mitarbeiter immunisiert und den Stoff vom Garmisch-Partenkirchner Impfzentrum zugeteilt bekommt. Von diesem hörte Stuby eigenen Worten zufolge keine konkrete Erklärung dafür, warum man in dem Bereich momentan auf dem Trockenen sitzt. Aktuell erhalte man lediglich Dosen für Zweitimpfungen, sagt Stuby. Dabei warten in seinem Haus noch mehr als 250 Mitarbeiter, die ausdrücklich geschützt werden wollen, auf den erlösenden Piks. Ihnen habe man mitgeteilt, dass sie sich beim Impfzentrum und beim Hausarzt registrieren lassen sollen. Stubys Resümee: „Das läuft nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten.“ Insgesamt verdienen beim größten Arbeitgeber im Landkreis rund 2300 Beschäftigte ihr Geld.

Klinik-Mitarbeiter lassen sich auch außer Haus impfen

Genau deshalb hatte es die Überlegung gegeben, keine Völkerwanderung in Gang zu setzen und diese relativ große Menschenmenge nicht extra ins kommunale Impfzentrum (CIZ) nach Garmisch-Partenkirchen zu schicken. Das UKM richtete für seine Leute eine eigene Stelle im Haus ein. Nun sagt Stuby: „Wir fühlen uns schon ein bisschen im Stich gelassen.“ Der Flaschenhals, über den Vakzine nach Murnau tröpfelten, erwies sich – wie vielerorts – als schmal. Bis Montag waren nach Angaben Stubys „knapp über 900 Mitarbeiter“ im Haus einmal geimpft, 530 zweimal. 300 Beschäftigte ließen sich extern immunisieren.

Unfallklinik Murnau treibt großen Aufwand für eigene Impfstelle

Dabei trieb die Klinik großen Aufwand, hielt eine Station für diesen Zweck sowie für eine PCR-Test-Abstrichstelle frei, sorgte für die Ausstattung und stellte Personal – sechs bis acht Mitarbeiter, Ärzte wie Pflegekräfte, die „wir woanders einsetzen könnten“ – bereit. Stuby verdeutlicht: Die intern immunisierten 900 Frauen und Männer „hätten wir in zwei Wochen impfen können, aber wir haben keinen Impfstoff bekommen“. Man habe auch angesichts des hohen logistischen Aufwands „von der Hand in den Mund gelebt“. Zwangsläufig werde man die Impfstelle schließen. Die Lage nennt Stuby „ziemlich frustrierend“. Und: Sie geht ins Geld: Klinik-Geschäftsführerin Sarah Heinze schätzt, dass der personelle Aufwand über drei Monate mit insgesamt 100 000 bis 150 000 Euro zu Buche schlug. Dazu kommen Kosten für Räume und Ausstattung.

Klinikum Garmisch-Partenkirchen macht die selben Erfahrungen

In Garmisch-Partenkirchen bestätigt Frank Niederbühl grundsätzlich die Murnauer Erfahrungen: Man habe in der jüngeren Vergangenheit keine neuen Impfstofflieferungen oder Zusagen mehr bekommen, erklärt der Klinikums-Geschäftsführer. Diese Tatsache sei jedoch „angekündigt worden“ und deshalb „weder überraschend noch dramatisch“. Die Dosen, von denen es immer noch zu wenige gebe, flössen aktuell vermehrt ins Impfzentrum und an Hausarztpraxen. Im Klinikum wurden Mitarbeiter meist einmal pro Woche nach Ende der Sprechstunden im Aufnahmecenter von zwei Teams „konzentriert durchgeimpft“ – jeweils zwischen 50 und 100. Parallel ließ sich Personal im CIZ – hier gab es auch gebündelte Termine – oder bei Hausärzten registrieren. Angesichts des generellen Mangels will Niederbühl nicht klagen und sieht die Impfquote in seinem Haus, die bei über 60 Prozent liegt, „auf einem guten Stand“. Von den etwa 1500 Beschäftigten ließen sich 243 im CIZ die Vakzine verabreichen und 678 im Klinikum, das Mitte Januar die entsprechende Genehmigung erhalten hatte. Fast alle dieser Mitarbeiter haben bereits zwei Spritzen bekommen und damit den vollen Schutz.

Landratsamt: Lieferungen in den letzten zwei Wochen sehr rückläufig

Zuletzt lief in diesem Bereich in den Kliniken, die mit Astrazeneca, Moderna und Biontech versorgt wurden, tatsächlich wenig. „Die Impfstofflieferungen sind die letzten zwei Wochen sehr rückläufig gewesen“, bestätigt Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf. Man habe selbst die Kapazität gehabt, den vorhandenen Stoff im CIZ zu verabreichen. Dort seien außerdem „in der letzten Zeit auch viele BGU-Mitarbeiter mitgeimpft“ worden. Somit, erklärt Scharf, habe es für alle Berechtigten der entsprechenden Priorität eine Möglichkeit gegeben, an die Reihe zu kommen; niemand wurde benachteiligt.

Grundsätzlich gilt: Verteilt werden kann nur, was vorhanden ist. Wie viele Dosen das CIZ jeweils etwa der Unfallklinik zukommen lässt, hängt nach Angaben Scharfs von der Impfstoffmenge ab, die zur Verfügung steht. Er bestätigt Stubys Schilderung, dass das renommierte Hospital im Augenblick mit Dosen für Zweitimpfungen bedacht wird. Dem Klinikum Garmisch-Partenkirchen ergeht es allerdings nicht anders: Die Situation, sagt Scharf, sei „identisch“ zu jener in Murnau.

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