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Millionenprojekt in Achrain: Nach erster Absage starten Initiatoren Plan B

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Ungewöhnlicher Projektstandort: Auf zwei Grundstücken im Süden des Müllentsorgungsbetriebs (l.) in Achrain will eine Baugemeinschaft ein Atelier- und Boardinghaus errichten.
Ungewöhnlicher Projektstandort: Auf zwei Grundstücken im Süden des Müllentsorgungsbetriebs (l.) in Achrain will eine Baugemeinschaft ein Atelier- und Boardinghaus errichten. © Bartl

Die Baugemeinschaft, die in Achrain Arbeiten und Wohnen in einem Atelierhaus verbinden will, gibt nicht auf: Sie hat ihre erste, von der Politik abgelehnte Konzeption abgewandelt. Auch Plan B stößt auf Widerstand. Doch man gibt sich zuversichtlich, das Millionenprojekt umsetzen zu können – trotz des schwierigen Umfelds am vorgesehenen Standort.

Murnau – Die Absage im Juni war deutlich ausgefallen: Einstimmig hatte Murnaus Bauausschuss eine Atelierhaus-Planung auf zwei Grundstücken im Mischgebiet von Achrain abgelehnt, die im Verhältnis zu viel Wohnen und zu wenig Gewerbe sowie einige Änderungen des Bebauungsplans vorgesehen hatte. Der Standort im Süden eines Müllentsorgungsbetriebs hatte für Kopfschütteln gesorgt und die Sorge begründet, es könne zu Konflikten mit dem wichtigen Unternehmen kommen. Der Gemeinderat hatte sich dieser Ansicht angeschlossen und aus städtebaulichen Gründen den Daumen gesenkt.

Abgespeckte Konzeption: Bauausschuss lehnt Pläne erneut ab

Nun unternahm die Baugemeinschaft „Atelierhaus im Blauen Land“ einen weiteren Versuch und legte eine veränderte, nach eigenen Angaben „abgespeckte“ Konzeption vor, die Marc Heitmeier „stark angelehnt an den Bebauungsplan“ nennt. Der Architekt und Projektsteuerer will selbst mit Familie und Büro in die Anlage ziehen. Sie soll nun als Atelier- und Boardinghaus mit 30 Atelierwohnungen, Co-Working-Büro, drei normalen Wohnungen sowie einer Tiefgarage mit 30 Stellplätzen verwirklicht werden. Die Nutzung, hieß es in der Sitzung des Bauausschusses, entspreche grundsätzlich dem Mischgebietscharakter, den der Bebauungsplan („Gewerbegebiet Achrain“) festsetzt. Dennoch sehen Verwaltung und Gemeinderäte mehrere Punkte mindestens kritisch. Der Bauausschuss lehnte den Antrag auf Vorbescheid, mit dem die Gemeinschaft das Projekt auf Probleme und Umsetzbarkeit abklopfen ließ, ohne Diskussion wiederum einstimmig ab – wegen „mehrfacher Abweichung von den Festsetzungen des Bebauungsplans“.

Atelier- und Boardinghaus: Baugemeinschaft sieht „keine unüberwindbaren Hindernisse“

Heitmeier aber verließ die Sitzung keineswegs enttäuscht, sondern stellt klar, dass er mit seinen Mitstreitern das Projekt, für das er eine Investitionssumme von etwa acht Millionen Euro ansetzt, vorantreiben werde: „Die Anmerkungen sind nicht dramatisch, wir werden sie einarbeiten.“ Er sehe „keine unüberwindbaren Hindernisse“ und sei „guter Dinge“, in der Form eine Baugenehmigung zu erhalten. Dazu will er sich mit den Behörden abstimmen.

Ateliers für Künstler und Freiberufler, die vorübergehend vor Ort wohnen und arbeiten

„Workation“ ist das Zauberwort, mit dem die Baugemeinschaft nun zum Erfolg kommen möchte – ein aus den englischen Wörtern Work (Arbeit) und Vacation (Freizeit) zusammengesetzter Kunstbegriff und Trend. Beides soll in dem Gebäude zusammengedacht werden. Man plane „kein klassisches Boardinghaus“ wie jenen Beherbergungsbetrieb, der im Murnauer Lindenthal vorgesehen ist, sagt Heitmeier. Vielmehr will man in den Ateliers als Schwerpunkt Künstler und Freiberufler bis zu drei Monate wohnen und vor Ort arbeiten lassen. Urlauber gehören nicht zur Ziel-Klientel.

Achrain: Drei dauerhaft genutzte Wohnungen sind geplant

Acht Gesellschafter sind in der Baugemeinschaft aktuell mit im Boot; drei, darunter Heimeier, wollen in 100 bis 120 Quadratmeter große Wohnungen ziehen, die für eine dauerhafte Nutzung vorgesehen sind; fünf würden ihm zufolge die Ateliers als Geldanlage mitbauen. Vier Einheiten wolle ein Mäzen finanzieren, um sie jungen Künstlern zur Verfügung zu stellen. Ein Dorfladen – „keine Gastro“ – soll als eine Art Gemeinschaftsraum dazukommen, in dem sich ausschließlich Hausbewohner „in kleinem Umfang“ Lebensmittel besorgen können.

Baugemeinschaft verzeichnet „unheimlich viele Anfragen“

Die Idee von der hippen Wohn- und Arbeitskombi auf Zeit scheint anzukommen. Heitmeier jedenfalls spricht von „unheimlich vielen Anfragen“, auch von Menschen, die sich für ein Investment auf dem 2800 Quadratmeter großen Gelände interessierten, das durch ein Gebäude von dem Müllentsorgungsbetrieb getrennt ist und in dessen Süden liegt. Grundstücke, Umfeld und Baurecht in dem Mischgebiet seien „nicht ganz einfach“, räumt Heitmeier ein.

Doch das nimmt er in Kauf.

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