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Liebte die klaren Formen: Robert Reutter.

Nachruf auf Robert Reutter

Ein Vordenker, der bescheiden blieb

Robert Reutter hat Murnau seinen Stempel aufgedrückt. Nun ist der bekannte Architekt, der die schlichten, klaren Formen liebte, im Alter von 88 Jahren gestorben.

Murnau – Robert Reutter hatte eine enge Beziehung zum Murnauer Schloss, wo vor 25 Jahren das Schloßmuseum eröffnet wurde. Denn der Architekt renovierte das alte Gemäuer. Das Jubiläum wird heuer groß gefeiert.

Doch Reutter hinterließ viele weitere Spuren in der Marktgemeinde. So plante er in den 1960er Jahren das Gymnasium, das heute die Christoph-Probst-Mittelschule beherbergt. Auch das Goethe-Institut, das Gebäude der Firma Lux-Plastic am Seidlpark sowie das Rechenzentrum der Vereinigten Sparkassen an der Kocheler Straße gingen auf sein Konto. Diese Immobilie steht heute allerdings nicht mehr.

Besondere Freude bereitete Reutter, der 1929 in Murnau geboren wurde, die Sanierung alter Kirchengebäude, wie etwa der Murnauer Maria-Hilf-Kirche (1988) und von St. Anna in Hechendorf (1991). Beim alten Pfarrhaus an der Pfarrstraße half 1956 jedoch keine noch so gründliche Restaurierung mehr: „Monsignore Philipp Madlener klagte immer über kalte Füße, die er in dem durch und durch feuchten Bau bekam“, sagte Reutter einmal schmunzelnd. „Da habe ich ihm halt einen neuen Pfarrhof entworfen.“ Reutter war einst als Diözesanbaumeister im Gespräch. Dafür hätte er jedoch nach Augsburg umsiedeln müssen. Doch er wollte nicht weg aus Murnau.

„Er war ein sehr innovativer, moderner Architekt“, sagt Dr. Brigitte Salmen, die langjährige Leiterin des Murnauer Schloßmuseums. In ihrem Buch „Ein schmucker Markt“ über die Baugeschichte des Marktes Murnau sind mehrere Gebäude abgebildet, die Reutter plante. 2009 übergab er Salmen eine rund 100 Seiten starke Dokumentation über sein Lebenswerk. Sie hat ihn als „sehr zurückhaltend und bescheiden“ erlebt.

Flach- und Pultdächer, klare und minimalistische Strukturen waren sein Markenzeichen. Damit eckte er bei seinen Zeitgenossen mitunter an. Reutter, dessen Vater Gustav ebenfalls ein bekannter Architekt war, war ein Vordenker: So beschäftigte er sich bereits 1961 mit der Planung einer Murnauer Fußgängerzone, womit er seinerzeit auf wenig Gegenliebe stieß. Sein Studium hatte er an der Technischen Universität München absolviert.

In seiner Freizeit widmete sich der Architekt der Malerei. „Wenn er sich entspannen will, verschwindet er im Keller und greift zu Pinsel und Staffelei“, verriet seine Frau Hildegard einmal. Wenn sie es dagegen im Hause an der Tränk hämmern hörte, wusste sie, dass unter den Händen ihres Mannes Silberschmuck entsteht. Auch zum Skifahren und Schwimmen ging Reutter gern.

Seine Frau starb 2016, was Reutter schwer zu schaffen machte. „Sie haben sich 70 Jahre gekannt und waren fast 60 Jahre verheiratet“, heißt es aus Familienkreisen. Nun hat auch der Architekt wenige Tage vor seinem 89. Geburtstag seine Augen für immer geschlossen.

Das Requiem mit anschließender Beerdigung findet am morgigen Mittwoch in der Pfarrkirche St. Nikolaus statt (14 Uhr).

Roland Lory

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