Stufen, Drehkreuz, Umlaufsperre: der Bahnübergang Am Hochanger (Strecke Murnau-Oberammergau), der als nicht mehr zeitgemäß gilt und aktuell gesperrt ist.
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Stufen, Drehkreuz, Umlaufsperre: der Bahnübergang Am Hochanger (Strecke Murnau-Oberammergau), der als nicht mehr zeitgemäß gilt und aktuell gesperrt ist.

Umbau Am Hochanger geplant

Nicht mehr sicher: Murnauer Bahnübergang gesperrt - doch Passanten halten sich nicht daran

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    vonSilke Reinbold-Jandretzki
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Nichts geht mehr am Murnauer Bahnübergang Hochanger: Die DB Netz AG hat den Weg über die Gleise der Strecke Murnau-Oberammergau aus Sicherheitsgründen gesperrt. Viele benutzen den Übergang trotzdem weiter – ein riskantes Unterfangen. Die nicht mehr zeitgemäße Einrichtung soll umgebaut werden.

Murnau – Einem Vertreter des Eisenbahnbundesamtes fiel die Murnauer Problemstelle bei einer Stichprobe vor Ort auf: Der in die Jahre gekommene Ammergaubahn-Übergang Am Hochanger südwestlich des Kulturparks, eine wichtige fußläufige Anbindung vom Dünaberg zum Ortszentrum, stellt ein Risiko dar, gilt als „nicht mehr verkehrssicher“. Das Drehkreuz auf der einen Seite der Gleise – auf der anderen steht eine Umlaufsperre („Drängelgitter“) – war dem Experten ein Dorn im Auge: Nach Angaben von Rathaus-Sprecherin Annika Röttinger könnte die Vorrichtung „ein Feststecken von querenden Passanten auf dem Gleis verursachen“ – speziell, wenn jemand Kinderwagen, Rollator oder Fahrrad schiebt. Ein Sprecher der Deutschen Bahn AG in München bestätigt: „Das alte Drehkreuz an diesem Bahnübergang ist nicht mehr zeitgemäß.“ Die Folge: Das Unternehmen ordnete an, den Übergang zu sperren. Das beschert vielen Murnauern nun mehr Aufwand. Durch den Übergang sparte man Zeit und zahlreiche Meter: „Alle Altersgruppen nutzen den Übergang“, erklärt Röttinger – und mussten dadurch keine großen Umwege zur Kohlgruber Straße gehen.

Gesperrter Bahnübergang: Bürgermeister betont Bemühen um Lösung

Der aktuelle Zustand soll möglichst nicht von langer Dauer bleiben. Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) stellte in der Sitzung des Bauausschusses, als er die Sperrung bekannt machte, klar, dass der Bahnübergang Am Hochanger „benötigt wird. Wir bemühen uns um eine Lösung“.

Deutsche Bahn will, dass Übergang möglichst schnell wieder geöffnet wird

Bei der DB sieht man ebenfalls Handlungsbedarf: „Wir setzen alles daran, den Bahnübergang möglichst schnell wieder zu öffnen“, sagt der Sprecher. Er betont, dass „das Drehkreuz entfernt“ und durch eine Alternative ersetzt werden müsse. Nach derzeitigem Stand sollen die notwendigen Umbauarbeiten im Laufe des Sommers abgeschlossen werden. Außerdem wird aktuell geprüft, inwieweit der Übergang auch schon vorher wieder für Fußgänger geöffnet werden kann. Voraussetzung wäre, dass Züge in diesem Bereich nur noch mit halber Geschwindigkeit fahren. „Der Antrag dieser temporären Lösung liegt derzeit dem Eisenbahnbundesamt zur Prüfung und Zustimmung vor“, sagt Röttinger.

Die Kosten für den Umbau – eine Summe nennt aktuell keine der beteiligten Stellen – trägt zum Großteil die DB. Für bauliche Anpassungen des Geländes außerhalb des Gleisbereichs muss die Gemeinde aufkommen. Die Kommune sagte zu, dass der Bauhof dies übernehmen könne, sofern das zuständige politische Gremium dem Vorhaben zustimmt.

Thema wird im Murnauer Bauausschuss vertagt

Das Thema stand bereits in der Bauausschusssitzung vom 9. Februar auf der Tagesordnung, wurde nach Angaben Röttingers „aber aufgrund von Klärungsbedarf des baulichen Umfangs für den Markt Murnau vertagt“. Sie betont, die Verwaltung stehe mit der DB Netz AG in engem Kontakt und „bekundet die Dringlichkeit und ihr Interesse an einer schnellstmöglichen Wiederöffnung“.

Viele juckt die Sperrung jedoch wenig – sie halten sich schlicht nicht daran, weiß Phillip Zoepf, Vorsitzender der Fraktion Mehr Bewegen. „Das macht das Ganze noch mal gefährlicher.“ Gerade vor diesem Hintergrund müsse so schnell wie möglich eine Lösung gefunden werden. Auch am Montagnachmittag schlüpft erst ein älteres Paar und keine Minute später eine Frau mit Einkaufsbeutel seitlich an der Absperrung vorbei übers Gleis.

Ungesicherte Bahnübergänge seit Jahren ein politisches Thema

Mehr Bewegen hatte die beiden ungesicherten Bahnübergänge südwestlich des Murnauer Kulturparks an den Schienen nach Garmisch-Partenkirchen und Oberammergau bereits vor einigen Jahren zum Thema gemacht. Sie galten schon damals mit ihren schmalen, teilweise holprigen Wegen und Stufen als Gefahrenstellen und als kaum überwindbare Hindernisse speziell für Senioren, Gehbehinderte und Familien mit Kinderwagen. Zoepfs Fraktion drängte einst darauf, schnellstmöglich sichere Bahnbrücken für Fußgänger und Radfahrer zu bauen (wir berichteten). Wiederum mehrere Jahre zuvor hatte ein Mitglied von Murnau Miteinander ein Konzept vorgelegt.

Gemeinderat Zoepf beklagt: „Bahnübergang im 21. Jahrhundert nicht mehr tragbar“

Eine Brücke müsse nicht sein, meint Zoepf heute. „Es gibt wohl eine kurzfristige Lösung, wie man den Bahnübergang sicherer gestalten kann“ – so, dass er sich auch mit Rad, Kinderwagen oder Einkaufstrolley besser passieren lasse. Zoepf sagt mit Blick auf das „Potpourri an Handläufen“, die Stufen, die „Flickschusterei über Jahrzehnte“ und das Gesamtbild: „Dieser Bahnübergang ist eigentlich ein Scherz und im 21. Jahrhundert nicht mehr tragbar.“ Langfristig gibt es nach Angaben Zoepfs eine Tunnellösung, die den Neubau einer Fuß- und Radwegunterführung etwa 40 Meter nördlich des jetzigen Übergangs vorsieht. Als Zeitfenster für das Projekt habe die DB Netz AG neun Jahre genannt. Zoepf findet: Bevor der Markt Murnau wirklich so lange warten müsse, „sollten wir die Übergangslösung mittels einer Rampe wählen“.

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