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Biber-Revier: Spuren des Nagers im Murnauer Seidlpark .

Nager bleibt Streitthema am Staffelsee

Biber im Seidlpark: „Nicht vertretbarer Schaden“

In Seehausen häufen sich Beschwerden über Biberschäden. Auch ein Murnauer schlägt Alarm. Wieder geht es um den Nager im Seidlpark, der schon einmal in den Fokus gerückt war.

Murnau Er sieht ganz harmlos aus. Putzig. Mit seinem flauschig-braunem Fell, den dunklen Knopfaugen, den dicken Backen, seinen klitzekleinen Ohren und den überdimensionalen Hasenzähnen. Doch im Blauen Land hat sich der Biber, der Bäume schwer beschädigen kann, keine Freunde gemacht. Ganz im Gegenteil. Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) bezeichnet ihn etwa als „massives Problem“ (wir berichteten). Um die 3000 Bäume sollen am Staffelsee und an der Insel Wörth betroffen sein. Auch in Uffing knabberte das Wildtier jüngst Gewächse und Fischernetze an. Und in Murnau werden ebenfalls wieder Klagen laut.

Bereits vor mehr als zwei Jahren hatte die Marktgemeinde ein Biber-Problem. Das Tier sorgte im Seidl-Park für Verbiss-Spuren an altem Gehölz und fällte Bäume. Stimmen wurden laut, die sich um die denkmalgeschützte und historische Grünanlage des Architekten Emanuel von Seidl sorgten – vor allem von Vertretern des Förderkreises Murnauer Parklandschaften.

Gedanken macht sich derzeit auch Gerhard Freudenreich. Bei einem Spaziergang hat er sie wieder entdeckt, die Spuren des Bibers. Einen „nicht vertretbaren Schaden“ habe dieser am Weiher angerichtet, sagt er. In einer Nachricht an die Gemeinde schrieb der Murnauer: „Der kleine schöne Wald sieht aus wie ein halb gerodeter Urwald und nicht wie ein gepflegter Parkwald.“ Die E-Mail liegt auch dem Tagblatt vor. Auf Nachfrage meldet sich Freudenreich direkt zu Wort: „So geht es nicht.“ Auch in der Loisach fand er einen gefällten Baum und ist sich sicher: Der Biber war am Werk. Ein stattliches Tier hat er im Wasser schwimmen sehen. Sogar alte Ulmen sollen gefällt und beschädigt worden sein. Dem Murnauer geht es um das Gleichgewicht der Natur, wie er betont. Darum ist er für eine Regulierung des Bibers. Wie es auch bei Hasen, Rehen, Gämsen, Hirschen und Wildschweinen üblich ist. „Der Biber hat nun mal bei uns keine natürlichen Feinde.“ An sich habe er nichts gegen das Tier. Aber so könne es nicht weitergehen.

Diese Diskussion gab es in Murnau schon einmal – vor über zwei Jahren. Der Umweltausschuss stimmte sogar mit 5:4 Stimmen für eine „Entnahme“ des Bibers, was die Tötung bedeuten kann. Sogar Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) sprach sich dafür aus – zum Entsetzen von Naturschützern wie Tessy Lödermann. Doch das Landratsamt legte ein Veto ein. Anstatt den Biber aus dem Seidlpark zu entfernen oder gar zu töten, bevorzugte man eine sanftere Variante, um die Bäume zu schützen: mit Prophylaxe-Drahthosen oder einem speziellen Anstrich. Das zeigte laut Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf Erfolge. Zirka ein halbes Jahr nach der Entdeckung der schlimmen Schäden hatte ein Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde dem Park einen Besuch abgestattet. Fazit: „Alles im grünen Bereich.“

Davon kann nun keine Rede mehr sein, meint zumindest Freudenreich. Er will, dass Abhilfe geschaffen wird. Patrick Fierhauser, der in der Marktgemeinde für das Umweltreferat und den Klimaschutz zuständig ist, versteht diese Sichtweise. „Die Gemeindeverwaltung ist sich der Problematik der Biberschäden bewusst“, schrieb er Freudenreich. Mit der Unteren Naturschutzbehörde versuche man, „eine fachlich sinnvolle Lösung“ zu finden. Seitens der Gemeinde setze man weiterhin auf eine Prophylaxe für die Bäume. Eine Regulierung oder Bejagung des Bibers – wie Freudenreich sie vorschlägt – liege nicht in der Zuständigkeit der Gemeinde, sondern bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts.

Dessen Sprecher Stephan Scharf betont, es sei bislang noch nicht nötig gewesen, im Seidlpark Biber zu entnehmen. Sowohl Scharf als auch Fierhauser weisen darauf hin, dass sich der Nager als „streng geschützte, wild lebende Tierart unter Naturschutz“ befindet. Es stehe zudem in Frage, ob die Entnahme sinnvoll sei, sagt Fierhauser auf Tagblatt-Nachfrage. Man könne nicht ausschließen, dass dann die nächsten Biberfamilien nachrücken. Ein ganzheitliches Bibermanagement muss seiner Ansicht nach her. Dafür brauche es ein Monitoring – damit man ganz genau wisse, wie viele Biber in der Staffelsee-Region tatsächlich leben. Die Kreisbehörde ging im November 2017 von 40 bis 50 Exemplaren im See aus, verteilt auf etwa zehn Familienburgen. In Seehausen kursieren weitaus höhere Schätzzahlen: Angeblich sind es um die 100.

Freudenreich sieht darin keine Lösung des Problems. „Jeder Bürger bekommt mit den Behörden Probleme, wenn er einen Baum fällt, und der Biber kann machen, was er will.“ Zudem sei es ihm nicht verständlich, was Baum-Prophylaxe mit Biberschutz zu tun haben soll. „Der Biber wird dadurch ausgehungert.“ Drei Bäume habe er im Seidlpark gepflanzt, um der dortigen Zerstörung entgegenzusteuern. „Nicht dort, wo der Biber ist“, sagt Freudenreich. Er bezweifelt, dass Bäume vor dem Nager sicher sind.

Magdalena Kratzer

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