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Toter Biber im Seidlpark im März 2017: Nun ist mindestens ein Nachfolger aktiv. 

Das Tier hat sich ein neues Revier gesucht

Murnauer Biber gefährdet den Verkehr: Jetzt besteht dringender Handlungsbedarf

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Für die Biberpopulation im Murnauer Seidlpark wird es möglicherweise eng. Im Landratsamt sieht man „dringenden Handlungsbedarf“, weil angesichts angenagter Bäume eine Verkehrsgefährdung im Raum steht. Deshalb könnten Tiere vertrieben werden – oder als Ultima Ratio getötet.

MurnauDer Biber im Seidlpark muss weg: Diese Meinung hatte vor über zwei Jahren eine hauchdünne Mehrheit des Murnauer Energie-, Umwelt- und Verkehrsausschusses vertreten. Die Marktgemeinde beantragte daraufhin die „Entnahme“ – faktisch das Umbringen – des streng geschützten Tiers. Doch die Untere Naturschutzbehörde blockte den Vorstoß ab. Die „engen Voraussetzungen“ für eine Tötung, teilte eine Sprecherin des Landratsamts damals mit, lägen „zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor“. Gründe könnten etwa die Abwendung erheblicher wirtschaftlicher Schäden oder die öffentliche Sicherheit sein. Prävention stehe über der Tötung.

Spuren an der Mühlhagener Straße: Auch hier ist der Biber ganz offensichtlich aktiv.

Nun hat sich die Lage womöglich geändert. Durch den gut gemeinten Verbissschutz – Drahthosen und Spezialanstriche an Bäumen – entzog man dem Biber an Ort und Stelle quasi die Lebensgrundlage. Also orientierte er sich neu – und nagt nun auch in sensiblerem Parkgebiet: etwa an einer Böschung zur Mühlhagener Straße hin. Damit ist plötzlich die Verkehrssicherheit tangiert.

Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf bestätigt: Die Behörde sehe „dringenden Handlungsbedarf“. Sie wartet nun ab, ob die Marktgemeinde Murnau einen weiteren Antrag auf „Entnahme“ stellt. „Diesen wird man prüfen und sich Möglichkeiten überlegen, was man machen kann“, sagt Scharf. Das kann darauf hinauslaufen, dass man den Nager mit einer Lebendfalle fängt und dann erschießt, muss es aber nicht zwangsläufig. Es gebe verschiedene Wege, um das Gebiet für den Biber unattraktiv zu machen, betont Scharf – in der Hoffnung, dass er sich in Bereiche zurückzieht, in denen er weniger Probleme anrichtet. Als Beispiele nennt Scharf das Aufstellen von Zäunen und die Beseitigung von Totholz. Jagen oder „entnehmen“ dürfen Experten Biber nur bis zum 15. März – dann ist für Monate Schluss.

Sind‘s jetzt sogar zwei Biber im Seidlpark?

Ob ein Antrag aus Murnau eintrifft, bleibt offen. Die Gemeinde will keinen „Schnellschuss“ – weder im übertragenen noch im Wortsinn. Sie strebe „eine nachhaltige Lösung zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde“ an, mit der sie sich im Austausch befinde, sagt Patrick Fierhauser, Leiter des Umweltreferats im Rathaus. Die „Entnahme“ hält Fierhauser, der ein Bibermanagement und -monitoring fordert, „nicht zwingend für zielführend“. Denn: Der Besiedlungsdruck unter den Tieren ist mittlerweile so groß, dass freie Reviere schnell von einem Nachfolger besetzt werden. Das zeigte sich auch im Seidlpark. Die Murnauerin Brigitte Gaile hatte am 10. März 2017 bei einem Spaziergang zwischen den beiden Teichen einen großen, äußerlich unversehrten toten Biber entdeckt und die Polizei informiert. Nun nagt längst ein Neuer – oder sogar ein Duo. Beteiligte halten es jedenfalls für möglich, dass mittlerweile zwei Biber den Seidlpark für sich entdeckt haben.

Peanuts im Vergleich zu dem, was Bernd Rogge an seinem Arbeitsplatz sieht, nämlich „das Problem in potenzierter Form“. Er ist Technischer Leiter des Englischen Gartens in München, in dem rund 40 Biber leben. Im Ehrenamt sitzt Rogge dem Förderkreis Murnauer Parklandschaft vor, der sich um Erhalt und Pflege der Grünanlage mit ihrem historischen Baumbestand kümmert, die sich einst Architekt Emanuel von Seidl erschaffen hat. Rogge hält es angesichts des Populationsdrucks für „illusorisch“, dass in dem Gartendenkmal gar kein Biber mehr zu Gange ist. „Man müsste in aller Konsequenz dran bleiben und mehrere Entnahmen in Intervallen vollziehen“, sagt er. „Bleibt man nicht dran, hat das keinen Wert. Dann braucht man den ersten Biber auch nicht zu entnehmen.“

Für diesen Fall gelte es, Alternativen zu finden. Rogge hält nichts davon, den Biber auszurotten, wünscht sich aber „Entnahmen“ zumindest in einem Ausmaß, das „eine Art Gleichgewichtssituation“ ermöglicht. Er hat Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) vor kurzem einen Brief geschrieben mit dem Wunsch, dieser möge sich nach dem Beispiel seines Seehauser Kollegen Markus Hörmann (CSU) „mit einer Entnahme befassen, um das Kulturgut nachhaltig zu schützen“. Anders als in der Landwirtschaft gebe es bei historischen Parkanlagen keinen Schaden, der sich in Euro und Cent ausdrücken lasse. „Für das Landschaftsbild ist das ein Verlust, der über Generationen andauert.“ Man sei dem kulturellen Erbe verpflichtet.

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