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Will Chef im Murnauer Rathaus bleiben: Bürgermeister Rolf Beuting.

Kurzer Wahlkampf nutzt vor allem etablierten Politikern

Murnauer Bürgermeister-Wahl: Kandidaten bleiben in Deckung - das ist die Strategie dahinter

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Murnaus politische Gruppierungen lassen sich noch nicht in die Karten schauen. Bisher hat sich kein Herausforderer von Bürgermeister Rolf Beuting öffentlich bekannt. Dahinter dürfte mitunter wohl kalkulierte Taktik stecken. Ein Experte erklärt diese Strategie.

Murnau In Penzberg stehen mehrere Bürgermeisterkandidaten für 2020 fest; auch in Uffing beziehen Bewerber in spe öffentlich Stellung. Bekenntnisse, die in Murnau fehlen. Da werfen Parteichefs vielfach die Nebelmaschine an, wenn es um die Frage geht, ob sie Rathaus-Chef Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der „ohne Wenn und Aber“ wieder antreten will, bei den Kommunalwahlen am 15. März 2020 einen eigenen Kandidaten entgegensetzen werden. Und vor allem: wen. Vielleicht, weil es wirklich noch keinen Masterplan gibt. Vielleicht, weil die Parteistrategen es als taktisch unklug erachten, mit dem Bewerber zu früh die Deckung zu verlassen. Mehreren Lokalpolitikern kommt, konfrontiert mit der K-Frage, immerhin kein kategorisches Nein über die Lippen: Phillip Zoepf, Chef von Mehr Bewegen, Freie-Wähler-Vorsitzender Welf Probst sowie Veronika Jones, Sprecherin des Grünen-Ortsverbands. Auch Altbürgermeister Dr. Michael Rapp (CSU) hat noch nicht abschließend Farbe bekannt. Die mehr als vornehme Zurückhaltung, die Murnaus Gruppierungen bei der Präsentation des Spitzenpersonals an den Tag legen, sei „natürlich“ auffallend, sagt Jones. „Es ist auf jeden Fall komisch, dass sich auch von den Größeren, wie CSU und Freie Wähler, noch niemand erklärt hat.“ Warum, weiß sie ebenso wenig wie Zoepf. Rapp, der aktuell zum Thema „nichts sagen kann und will“, erklärt ohne Umschweife: „Wir möchten einen möglichst kurzen und guten Wahlkampf.“ Dito, meint Probst, für viele inoffizieller Beuting-Chefkritiker: „An einem Dauer-Wahlkampf besteht kein Interesse.“ Probst verweist hier auf Beuting, der 2013 erst im November seine Kandidatur bekannt gegeben habe. Und bekanntlich keine Nachteile davongetragen hat.

Das gilt jedoch nicht in jedem Fall. Beutings Name war in der Lokalpolitk zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt. Ein Fakt, der durchaus eine Rolle spielt bei der Frage, wann ein Interessent an die Öffentlichkeit treten sollte. Das stellt Dr. Michael Schröder klar, Dozent für Medien und Kommunikationspolitik an der Akademie für politische Bildung in Tutzing. Ein kürzerer Wahlkampf nutze vor allem jenen, „die schon ein Mandat haben und bekannt sind – Bürgermeister und Gemeinderäten.“ Sie besäßen bereits eine Bühne. „Bei ihnen geht es nicht darum, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und in die Medien zu kommen.“ Vielmehr sei es für sie wichtig, „Angriffsflächen zu vermeiden“, sich nicht ständig zu strittigen Themen äußern zu müssen. Neustartern empfiehlt Schröder weniger Zurückhaltung: „Sie brauchen eine längere Anlaufphase, um ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen, gewisse Positionen deutlich zu machen und ins Gespräch zu kommen.“ Diese Gruppe sollte sich nach der Sommerpause „langsam der Öffentlichkeit mitteilen“.

Zoepf zählt zur ersten Kategorie. Er sitzt im Gemeinderat, ist bestens bekannt und vernetzt. Die Bürgermeister-Kandidatur sieht er als „eine Option“, die er nicht ausschließen will. Eine Entscheidung – „sie ist nicht so einfach“ – habe er nicht getroffen. Das soll voraussichtlich bis Oktober passieren. Eine Prognose wagt Zoepf: Biete Mehr Bewegen einen Kandidaten auf, dann werde er das sein. „So viel glaube ich, sagen zu können.“ Weder ein Ja noch ein Nein kommt aktuell von Veronika Jones: „Da gibt es keine Tendenz.“ Es sei doch wichtiger, „Themen zu haben“. Das Wahlprogramm der Partei sei fast fertig.

In der SPD wird dem Vernehmen nach durchaus der Wunsch geäußert, mit einem Bürgermeisterkandidaten zur Wahl anzutreten. In der nächsten Mitgliederversammlung soll das Thema auf den Tisch kommen. Die Freien Wähler visieren September oder Oktober für eine Entscheidung an. Probst zeigt sich in der K-Frage zugeknöpft bis zum Hals: „Momentan gibt es dazu noch keine Auskunft.“ Ob er selbst antreten werde, „müssen wir sehen, wenn es so weit ist“. Kein kategorisches Nein. Doch das, meint Probst, gebe es „in der Politik nie“.

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