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Murnauer CSU-Fraktion mit neuer Doppelspitze - Utzschneider tritt ins zweite Glied

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Von: Silke Reinbold-Jandretzki

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Zwei Neue ganz vorne: (v.r.) Josef Bierling und Lorenz Brey folgen auf Rudolf Utzschneider.
Zwei Neue ganz vorne: (v.r.) Josef Bierling und Lorenz Brey folgen auf Rudolf Utzschneider. © Andreas Mayr

Rudolf Utzschneider ist nicht mehr Chef der CSU-Fraktion im Marktgemeinderat Murnau. Ein Tandem tritt an seine Stelle: Josef Bierling und Lorenz Brey übernehmen den Vorsitz. Der Schritt sei seit langem geplant, sagt Utzschneider – für Außenstehende kam er dennoch überraschend.

Murnau – Die Erklärung, wenige Zeilen kurz, versendet Rudolf Utzschneider am Montag um 12.54 Uhr per E-Mail an Gemeinderatskollegen und Presse. „Wir möchten sie über eine Änderung in der CSU-Fraktion informieren: Josef Bierling und Lorenz Brey übernehmen gemeinsam den Vorsitz der CSU-Fraktion. Dieser Schritt ist schon seit langem geplant und wird jetzt umgesetzt. Die Ausschüsse bleiben von dieser Änderung unberührt.“

Utzschneider und Beuting: Alphamänner, die Konfrontationen nicht scheuen

Damit rückt ein Mann ins zweite Glied, der seit den Kommunalwahlen 2020 den Kopf der Gemeinderats-CSU bildete, die neben dem ÖDP/Bürgerforum mit je sechs Vertretern die größte Gruppierung stellt. Den Posten an der Spitze hatte Utzschneider übernommen, nachdem er als einer von mehreren Kandidaten gegen Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) angetreten und unterlegen war. Ein Mehrkampf, der in der anschließenden Arbeit im Gemeinderat mitunter zum Duell wurde. Utzschneider und Beuting bekamen sich immer wieder in die Haare – zwei Alphamänner, die Konfrontationen nicht scheuen.

Utzschneider fehlt nach beruflichem Aufstieg die Zeit

Utzschneider versichert, dass die wiederkehrenden Auseinandersetzungen keine Rolle bei seiner Entscheidung spielten. Der 55-Jährige hat einen beruflichen Aufstieg hinter sich, ist aktuell „in einem internationalen Großkonzern Manager im Bereich Software“ mit einem Zuwachs an Verantwortung. Die neuen Verpflichtungen im Job fordern mehr Zeit ein – deshalb der Wechsel, erzählt Utzschneider. „Als Gemeinderat hat man schon Arbeit genug.“ Dem Gremium bleibt er erhalten – nur eben nicht mehr als Fraktionssprecher. Brey, bislang Utzschneiders Vize, und Bierling treten an seine Stelle. Beide pflegen in öffentlicher Sitzung in der Regel einen ruhigen, sachlichen Stil.

Modell Doppelspitze im Murnauer Gemeinderat en vogue

Mit ihnen schwenkt die CSU nun auf ein Modell um, das gerade en vogue zu sein scheint im Marktgemeinderat: die Doppelspitze. Bei Bündnis 90/Die Grünen gehört diese Form der Fraktionsführung, die wechselt und gerade bei Veronika Jones-Gilch und Hans Kohl liegt, zur Partei-DNA; das ÖDP/Bürgerforum ist vor einigen Wochen mit einer eigenen Pärchenbildung zu diesem übergegangen: Simon Pittrich/Wolfgang Küpper folgten auf Michael Manlik.

Murnauer CSU: Fraktion mit generationsübergreifendem Tandem

Nun also die CSU, die ein generationsübergreifendes Tandem stellt. Der erfahrene Bierling, 62 Jahre alt, ehemaliger Vize-Rathaus-Chef sowie Bürgermeisterkandidat und seit 2002 Mitglied des Gemeinderats, macht gemeinsame Sache mit Lorenz Brey, 36-jähriger Vater eines zehn Monate alten Sohnes, der seit 2014 dem Gremium angehört. Brey, Beamter am Finanzamt Starnberg, machte aus dieser Position heraus den entscheidenden Schritt nach vorne, als Utzschneider sich erklärte: „Ich habe gesagt, ich könnte mir das vorstellen – allerdings nicht allein.“ Seine Arbeit lässt die in seinen Augen nötige Flexibilität, auch tagsüber Termine in Murnau wahrnehmen zu können, nicht zu. Bierling, der Brey einst als Gemeinderatskandidaten angeworben hatte, schien der logische zweite Part. „Er ist eine super Ergänzung“, bestätigt Brey. „Wir verstehen uns sehr gut.“

CSU: Wechsel an der Spitze schon zu Beginn der Wahlperiode ins Auge gefasst

Brey und Bierling erzählen übereinstimmend, dass ein Wechsel an der Fraktionsspitze zumindest intern kein neues Thema gewesen sei. Diese Möglichkeit habe man bereits zu Beginn der Wahlperiode ins Auge gefasst gehabt, erzählt Bierling. „Wir haben gesagt: Rudi Utzschneider übernimmt den Posten – und dann schauen wir mal. Der Job ist sehr zeitintensiv.“ Die Fraktion habe sich seit längerem darüber im Austausch befunden, „wann und wie wir das machen“, die Veränderung. Nun kam der Vollzog.

Das neue Duo steht gleichberechtigt an der Spitze und will sich die Arbeit teilen. Beide Seiten ergänzen sich auch, was die Vertretung in den verschiedenen Ausschüssen betrifft. Damit erübrigt sich eine Rotation. Bierling betont, Utzschneider – der in der Öffentlichkeit durchaus hin und wieder polarisiert – habe den Wechsel aus freien Stücken vollziehen wollen. „Es hat keinerlei Druck von Seiten der Fraktion gegeben.“ Er attestiert dem Kollegen, sich „wahnsinnig reingehängt“ und sehr viel dafür getan zu haben, dass man sich mit anderen Gruppierungen austauscht sowie – gerade mit der Grünen-Fraktion – im Gespräch bleibt und einen Konsens findet.

Gemeinderat: Neues Miteinander mit ÖDP/Bürgerforum?

Wichtig, meint Bierling, werde sein, dass die Zusammenarbeit parteiübergreifend „weiterhin so gut ist“. Ganz unabhängig von den Wechseln an der Spitze „ist uns mit Sicherheit daran gelegen, dass man vielleicht mit dem ÖDP/Bürgerforum ein einigermaßen vernünftiges Miteinander zusammenbringt. Man sollte von beiden Seiten die Möglichkeit sehen, dass man wieder mehr zusammenfindet“.

Die Gruppierung, die Beuting trägt, war in der Vergangenheit bei diversen Gelegenheiten außen vor geblieben.

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