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Stellen die Umgestaltung  der Grün- und der Färbergasse in Murnau vor: Bürgermeister Rolf Beuting (vorne, Mitte),  Peter Hohenleitner (hinten, Mitte) von den Gemeindewerken, Hansjörg Resenberger (Leiter Tiefbauamt, rechts davon), hier zusammen mit Anwohnern. 

Murnauer Färber- und Grüngasse in neuem Licht 

Murnauer Gassen jetzt mit Hofcharakter

Die seit Mai 2019 laufenden Umbauarbeiten an der Färber- und der Grüngasse in Murnau sind nun abgeschlossen. Der Bereich ist ab sofort als Spielstraße eingestuft. Es gelten neue Verkehrsregeln.

Murnau – Seit kurzem präsentieren sich die Grün- und die daran anschließende Färbergasse im Herzen der Marktgemeinde Murnau in einem völlig neuen Gewand. Die tristen Asphaltflächen sind großzügig verlegten Pflastersteinen aus Bayerwald-Granit gewichen, und Gehsteige sucht man auf der Trasse künftig vergebens. Fußgänger, Rad- und Autofahrer gelten dort ab jetzt als gleichberechtigt, Wagenlenker müssen Schrittgeschwindigkeit einhalten, worauf die Spielstraßen-Schilder an beiden Einmündungen unübersehbar hinweisen. Auch gilt dort nun die Vorfahrtsregel Rechts vor Links.

„Shared Space“ heißt diese Bauweise im Fachjargon, die bereits in diversen deutschen Städten und Gemeinden zu einer spürbaren Verkehrsberuhigung geführt hat. Und noch eine Neuerung gibt es in der Grün- und Färbergasse: Künftig dürfen sie in beiden Richtungen befahren werden, die Einbahnstraßenregelung ist weggefallen. Seit Mai 2019 hatten dort Baumaschinen das Bild beherrscht, wobei zunächst zahlreiche Versorgungsleitungen in den Untergrund verlegt worden waren. Die Gesamtkosten des Vorhabens belaufen sich auf rund 900 000 Euro.

Bei einem Pressegespräch vor Ort stellte Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) gegenüber dem Tagblatt das vollendete Projekt vor. „Wir haben den ganzen Raum städtebaulich aufgewertet, und daraus einen zentralen, barrierefreien und stark wohngeprägten Bereich geschaffen“, sagte der Gemeindechef. Schmunzelnd verwies er auf das mobile Fußballtor, das in der Färbergasse von Anwohnern aufgestellt wurde: „Wenn wenig los ist, können Kinder hier unbehelligt Fußball spielen.“ Auch erinnerte Beuting daran, dass insbesondere die Grüngasse als Zubringer für das nahe Schloßmuseum fungiert: „Das hat durchaus auch touristische Relevanz.“ Doch Beuting denkt noch weiter: „Für mich ist das eine Skizze, wie alle Nachbarstraßen der Fußgängerzone langfristig umgestaltet werden sollten.“ Wie etwa die Post- und die Petersgasse sowie der Ober- und Untermarkt.

Im Zuge der Bauarbeiten, so der Bürgermeister weiter, seien unter anderem Leitungen für die Fernwärmeversorgung verlegt worden, an die bereits einige Gebäude angeschlossen worden seien, dazu Leerrohre für das Glasfasernetz. „Zudem ist die Wasserleitung erneuert worden, und wir haben Schäden am Kanal behoben“, ergänzte Peter Hohenleitner von den Murnauer Gemeindewerken. „Das Vorhaben wurde gemeinsam mit den Gemeindewerken öffentlich ausgeschrieben, wobei eine Kemptener Firma das günstigste Angebot abgegeben hat“, sagte der Leiter des Tiefbauamtes des Marktes Murnau, Hansjörg Resenberger. „Nur die Pflasterarbeiten hat ein Subunternehmen übernommen“.

Während die Verlegung der Leitungen etwa 300 000 Euro kostete, schlug die Straßenumgestaltung mit 600 000 Euro zu Buche. 60 Prozent des Standardbaus werden dabei durch die Städtebauförderung der Regierung von Oberbayern bezuschusst.

Sehr zufrieden mit der Umgestaltung zeigte sich Anwohner Tobias Lindenberg. „Es war schon immer unser Wunsch, das dies ein verkehrsberuhigter Bereich wird“, sagte der 45-Jährige, während seine Kinder Luis (9) und Mina (6) vergnügt mit Roller und Fahrrad auf dem neu verlegten Pflaster herumkurven. „Und nun ist das realisiert worden. Jetzt mutet das Ganze nicht mehr wie eine Durchfahrtsstraße an, sondern hat eher einen Hofcharakter.“ Die zahlreichen Kinder der Anwohner könnten jetzt auch einmal Fußball spielen, wenn sie dazu Lust hätten: „Außer es steht ein Auto vor dem Tor.“

Wenig begeistert von den Radfahren, die oft viel zu schnell aus dem Fußweg zwischen Maria-Hilf-Kirche und VR-Bank in die Grüngasse hinuntersausen, ist Heidi Parockinger. „Ich muss da immer rückwärts mit meinem Auto herausfahren“, beklagt die 65-Jährige. „Ich habe Angst, dass ich mal einen erwische.“ Seit der Pfosten in der Wegesmitte entfernt wurde, sei es noch schlimmer geworden. Bürgermeister Beuting stellte in Aussicht, den Pfosten wieder zu installieren. Denn: „Die Gasse ist noch Teil der Fußgängerzone und die Radler dürften dort überhaupt nicht fahren.“

HEINO HERPEN

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