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Sanierungsfall: die Tiefgarage am Murnauer Kultur- und Tagungszentrum. 

Eigenbetrieb der Marktgemeinde legt Wirtschaftsplan vor

Gemeindewerke rechnen 2020 mit Minus: Tiefgarage als Verlustbringer

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Murnaus Gemeindewerke sind eigentlich sehr gut aufgestellt. Nur nächstes Jahr wird der Eigenbetrieb des Marktes voraussichtlich einen Verlust einfahren. Der Grund ist eine aufwändige Sanierung der Tiefgarage am Kultur- und Tagungszentrum.

Murnau – Die Murnauer Gemeindewerke haben sich seit ihren bescheidenen Anfängen in den 1960er Jahren – damals ging es in erster Linie um die Versorgung mit Wasser und Entsorgung des Abwassers – zu einem breit gefächerten Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Inzwischen zählt der 30 Mitarbeiter starke Eigenbetrieb des Marktes sechs Sparten. Diese sind Wasser, Abwasser, Parken, Fernwärme, Energie und Breitband sowie Umwelt und Abfall. „Uns geht’s sehr gut“, fasst Werkleiter Karl Steingruber die wirtschaftliche Situation zusammen. Die neuen Beteiligungen an den Strom- und Gasnetzen sowie die Stromerzeugung seien wichtige Geschäftsfelder, die zusätzliches Geld in die Kasse spülten.

Dennoch wird sich so manch einer beim Blick in den Wirtschaftsplan 2020, den der Gemeinderat absegnete, verwundert die Augen reiben. Denn das Zahlenwerk, das alle Einnahmen und Ausgaben der Werke im kommenden Jahr auflistet und als Anlage dem Haushalt der Kommune beigefügt wird, weist unterm Strich einen Verlust von 131 000 Euro aus. Das gab es in den zurückliegenden Jahren noch nie. Grund zur Sorge? Nein, betont Steingruber. „Das ist ein absoluter Sonderfall“, relativiert er. „Dieser Verlust bereitet mir keine schlaflosen Nächte.“ In den Folgejahren werde man wieder ins Plus drehen.

Die Ursache für das Minus, das durch einen Griff in die Rücklagen ausgeglichen werden muss, ist im Ressort Parken zu finden. Dazu zählt die 1999 eröffnete Tiefgarage (200 Parkplätze) am Kultur- und Tagungszentrum (KTM). Das Salz des Winterdienstes hat dort mittlerweile den Beton der Seitenwände und Säulen angegriffen. Würde man nichts unternehmen, wäre irgendwann die Statik gefährdet. Also muss saniert werden. Es wird – aufgeteilt in zwei Bauabschnitte – neu verputzt und ein Schutzanstrich aufgebracht. Kostenpunkt: rund 750 000 Euro.

Es ist nichts Neues, dass die Tiefgaragen des Marktes – neben der Einrichtung am KTM gibt es noch zwei weitere an der Lederergasse und am Münterplatz – ein Zuschussgeschäft sind. Schließlich werden die Freiparkzeiten beziehungsweise günstigen Gebühren als eine Art Wirtschaftsförderung betrachtet. Doch die hohen Ausgaben für die besagte Instandsetzung lassen die Sparte in die tiefroten Zahlen rutschen. 2020 wird mit einem dicken Minus in Höhe von 821 000 Euro gerechnet. Das wirkt sich negativ auf die Gesamtbilanz aus.

Das Thema Parken beschäftigt die Gemeindewerke auch anderweitig. Zum einen soll im Zuge des Baus des Feuerwehrhauses auf dem alten Volksfestplatz eine weitere Tiefgarage oder ein Parkhaus mit 300 Stellplätzen entstehen. Die zentrumsnahe Lage an der Entlastungsstraße gilt als attraktiv. Für Planungen sind 100 000 Euro vorgesehen. Der dicke Brocken – kalkuliert wird mit 3,5 Millionen Euro Baukosten – kommt später. Und zum zweiten soll ein Parkleitsystem (geschätzte Kosten: 100 000 Euro) installiert werden, um die Verkehrsströme im Ort besser zu steuern.

Insgesamt rechnen die Gemeindewerke laut dem Wirtschaftsplan mit Erträgen in Höhe von rund 5,4 Millionen Euro und 5,5 Millionen Euro Ausgaben. Für Investitionen in die Infrastruktur sind 5,1 Millionen Euro reserviert – etwa für neue Wasserleitungen und Photovoltaikanlagen. Wenn alles umgesetzt wird, müssen 4 Millionen Euro Kredite aufgenommen werden. Dadurch würden die Verbindlichkeiten Ende 2020 auf stattliche 13,5 Millionen Euro anwachsen. Für Steingruber kein Problem, denn: „Das sind vor allem rentierliche Schulden“, betont er, da Einnahmen gegenüberstünden. Neben dem bereits genannten Geschäftsfeld Parken schneiden die anderen Bereiche laut der Prognose wie folgt ab: Wasserwerk (119 000 Euro Gewinn), Klärwerk (434 000 Euro Gewinn), Stromerzeugung (260 000 Euro Gewinn) und Fernwärme (123 000 Euro Verlust).

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